{"id":41337,"date":"2018-10-22T07:29:51","date_gmt":"2018-10-22T06:29:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=41337"},"modified":"2018-10-23T04:26:09","modified_gmt":"2018-10-23T03:26:09","slug":"fc-bayern-menschenwuerde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/fc-bayern-menschenwuerde\/","title":{"rendered":"Der FC Bayern und die Menschenw\u00fcrde \u2013 Oder:\u00a0Wann k\u00f6nnen Sportler gegen Medien vorgehen?"},"content":{"rendered":"
\"\"
\u00a9 Selma Zoronji\u0107<\/a><\/figcaption><\/figure>\n

Noch nicht einmal Nicht-Fu\u00dfballfans blieben davon verschont. <\/em><\/p>\n

Ob man wollte oder nicht, h\u00f6rte man man allenthalben: Der FC Bayern hat ein paar Fu\u00dfballspiele nicht gewonnen. Um genau zu sein vier. In Folge. Verwirrung und Trauer sind gro\u00df.<\/em><\/p>\n

Es h\u00e4ufen sich nicht nur Beschwerden von Fans des FC Bayern, die ihren Verein in der Tabelle nicht mehr ausfindig machen k\u00f6nnen, jedenfalls nicht mehr \u2013 wie gewohnt \u2013 auf den obersten Pl\u00e4tzen.<\/em><\/p>\n

Auch die Verantwortlichen des Fu\u00dfballklubs sind bewegt.\u00a0Und zwar so stark, dass sie letzten Freitag eine Pressekonferenz einberiefen.\u00a0Dort gab es dann heftige Medienschelte.<\/em><\/p>\n

Abteilung Attacke: Unversch\u00e4mt, respektlos, polemisch<\/h2>\n

Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge \u00fcbte harte Kritik an der Berichterstattung \u00fcber Spieler des Fu\u00dfballvereins. Man werde sich “die herabw\u00fcrdigende Berichterstattung nicht mehr bieten lassen”.<\/p>\n

Als Beispiele nannte er Kommentare, wonach\u00a0J\u00e9r\u00f4me Boateng (30) und Mats Hummels (29), angeblich\u00a0‘Altherrenfu\u00dfball’ spielen. Eine Altersgrenzendebatte hinsichtlich Rib\u00e9ry und Robben bewertete er als “unversch\u00e4mt und polemisch”. Zu etwas, was er \u00fcber den Welttorh\u00fcter Manuel Neuer lesen musste, fehlten ihm nach eigenen Bekunden die Worte.\u00a0Rummenigge sprach zudem von “respektlosen Kommentaren”, “falschen Fakten” und Polemik, die keine Grenzen kenne. Gegen kritische Berichterstattung sei grunds\u00e4tzlich nichts einzuwenden, diese m\u00fcsse jedoch alle gleich behandeln.\u00a0<\/span><\/p>\n

Nachdem er Artikel 1<\/a> des Grundgesetzes zitiert hatte (“Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar”), teilte er mit, dass man sich “die herabw\u00fcrdigende Berichterstattung nicht mehr bieten lassen” werde.\u00a0<\/span>Man habe in diesem Sinne in den letzten zwei Wochen \u201czwei Unterlassungserkl\u00e4rungen per Gerichtsbeschluss\u201d gegen den Springer-Konzern erwirkt. In Zukunft wolle man bei Falschmeldungen auch Gegendarstellungen einfordern.\u00a0<\/span><\/p>\n

Zwei(erlei) Ma\u00df, bitte!<\/h2>\n

Bemerkenswert waren diese Attacken und Drohungen, weil es mit Hinblick auf vier verlorene Spiele in Folge nicht v\u00f6llig fernliegend ist, dem sonst so vom Erfolg verw\u00f6hnten FC Bayern eine sportliche Krise zu attestieren und die Leistung einzelner Akteure in Frage zu stellen.<\/p>\n

Ebenfalls interessant ist, dass Uli Hoeness in derselben Presskonferenz nur einige Minuten nach der vernichtenden Medienkritik einen ehemaligen Bayernspieler, Juan Bernat,\u00a0der immerhin 76 Ligaspiele f\u00fcr die Bayern absolvierte, nicht nur kritisierte, sondern kein gutes Haar an ihm lie\u00df:<\/p>\n

\u201dAls wir in Sevilla gespielt haben, war Juan Bernat fast alleine daf\u00fcr verantwortlich, dass wir aus der Champions Leauge beinahe ausgeschieden sind. Da wurde entschieden, dass er verkauft wird”,<\/p><\/blockquote>\n

schimpfte Hoene\u00df. Bernat, habe damals<\/p>\n

“einen Schei\u00dfdreck”<\/p><\/blockquote>\n

gespielt.<\/p>\n

Die F\u00fchrungsriege des FC Bayern bewertete aber nicht nur mit zweierlei Ma\u00df, sondern machte ihre Befunde zur Grundlage f\u00fcr eine Androhung rechtlicher Schritte gegen die vermeintlichen Ungerechtigkeiten. Sp\u00e4testens dieser Schlenker ins Juristische gibt Anlass zu kl\u00e4ren, wann Berichterstattung tats\u00e4chlich rechtswidrig und demnach zu unterlassen ist und was Betroffene dagegen unternehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n

Au\u00dferdem: Kann man eine Unterlassungserkl\u00e4rung<\/b> \u201cgerichtlich erwirken\u201d? Was ist eigentlich eine Gegendarstellung<\/b>? Sanktioniert diese, wie Herr Rummenigge suggeriert, nur ganz besonders schwerwiegende Verfehlungen?<\/p>\n

Wann kann man sich erfolgreich gegen \u00c4u\u00dferungen wehren?<\/h2>\n

Bei der Berichterstattung \u00fcber Personen oder Ereignisse entsteht ein Spannungsfeld zwischen der in Art. 5 des Grundgesetzes (GG<\/a>) festgelegten Meinungs- bzw.- Pressefreiheit sowie dem sich auf Art. 2 Abs. 1 und auf Art. 1 Abs. 1 des GG<\/a> st\u00fctzenden allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrecht<\/a>.<\/p>\n

Der Schutz des allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrechts (kurz: APR) ist zwar im BGB nicht normiert, findet seine Anwendung aber in \u00a7 823 I BGB<\/a> als sonstiges Recht. Dort ist er Ausdruck des verfassungsrechtlich gesch\u00fctzten Rechts auf Achtung und freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit im Zusammenhang mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde gem\u00e4\u00df Art. 1 \u00a0Abs. 1 \u00a0GG<\/a>.\u00a0Das APR umfasst unter anderem den Schutz der pers\u00f6nlichen Ehre. Der Rechteinhaber genie\u00dft Schutz vor Verleumdung, \u00fcbler Nachrede und Beleidigung.\u00a0<\/span><\/p>\n

Zu unterscheiden ist zwischen Tatsachenbehauptungen<\/b>\u00a0und Meinungs\u00e4u\u00dferungen<\/b>.<\/p>\n

Was ist eine Tatsachenbehauptung?<\/h2>\n

Ob eine Tatsachenbehauptung<\/strong> oder eine Meinungs\u00e4u\u00dferung vorliegt, h\u00e4ngt wesentlich von dem Aussagegehalt der \u00c4u\u00dferung ab. Hier wird eine Pr\u00fcfung leider oftmals bereits unsauber. Denn der Aussagegehalt einer \u00c4u\u00dferung bemisst sich nicht danach, was sich ein \u00c4u\u00dfernder bei T\u00e4tigung der Aussage denkt und wie er diese \u00c4u\u00dferung verstanden wissen will, sondern danach, wie diese von einem verst\u00e4ndigen Durchschnittsempf\u00e4nger verstanden werden muss.\u00a0<\/span><\/p>\n

Ist der Aussagehalt einer \u00c4u\u00dferung dem Beweis zug\u00e4nglich, stellt die \u00c4u\u00dferung eine Tatsachenbehauptung dar. Ist diese Behauptung dann au\u00dferdem unwahr, ist sie angreifbar.<\/p>\n

Beispiel: “Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten.”, Sepp Herberger<\/p><\/blockquote>\n

Dabei handelt es sich um eine (wahre) Tatsachenbehauptung, weil nach objektiven Kriterien verifizierbar.<\/p>\n

Was ist eine Meinungs\u00e4u\u00dferung?<\/h2>\n

Im Gegensatz zur Tatsachenbehauptung misst eine Meinungs\u00e4u\u00dferung<\/strong> einen Vorgang oder Zustand an einem vom Kritiker gew\u00e4hlten Ma\u00dfstab. Es kommt darauf an, ob die \u00c4u\u00dferung durch die Elemente der Stellungnahme, des Daf\u00fcrhaltens oder des Meinens gepr\u00e4gt ist. Auf den Wert, die Richtigkeit oder die Vern\u00fcnftigkeit der \u00c4u\u00dferung kommt es nicht an.<\/p>\n

Beispiel:\u00a0“Fu\u00dfball ist wie Schach. Nur ohne W\u00fcrfel”, Lukas Podolski<\/p><\/blockquote>\n

Mit R\u00fccksicht auf die Meinungsfreiheit ist der Begriff der Meinung in Art. 5 Abs. 1 GG<\/a> grunds\u00e4tzlich weit zu verstehen: Sofern eine \u00c4u\u00dferung durch die Elemente der Stellungnahme, des Daf\u00fcrhaltens oder Meinens gepr\u00e4gt ist, f\u00e4llt sie in den Schutzbereich des Grundrechts. Das muss auch dann gelten, wenn sich diese Elemente, wie h\u00e4ufig, mit Elementen einer Tatsachenmitteilung oder -behauptung verbinden oder vermischen, jedenfalls dann, wenn beide sich nicht trennen lassen und der tats\u00e4chliche Gehalt gegen\u00fcber der Wertung in den Hintergrund tritt.<\/p>\n

Meinungs\u00e4u\u00dferungen genie\u00dfen aufgrund Art. 5 GG<\/a> einen weitgehenden Schutz, sodass nicht jede f\u00fcr den Betroffenen unangenehme Meinungs\u00e4u\u00dferung auch zugleich eine Ehrverletzung ist. Daher muss sich ein jeder grunds\u00e4tzlich auch negative Kritik bis zu einem gewissen Ma\u00df gefallen lassen.<\/p>\n

Seine Grenzen erf\u00e4hrt der Schutz der Meinungs\u00e4u\u00dferung jedoch dort, wo die Ehre durch herabsetzende, diffamierende \u00c4u\u00dferungen, wie zum Beispiel durch Schm\u00e4hkritik<\/b> oder Formalbeleidigungen<\/b> verletzt wird.<\/p>\n

Was ist Schm\u00e4hkritik?<\/h2>\n

Die Schm\u00e4hkritik<\/strong> ist eine \u00c4u\u00dferung, bei der nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung der Person im Vordergrund steht. Die Grenzen der Schm\u00e4hkritik sind flie\u00dfend. F\u00e4kalbeleidigungen und Beleidigungen \u201cunter der G\u00fcrtellinie\u201d sind in der Regel verboten. Aber auch krasse und dsratische \u00c4usserungen k\u00f6nnen noch zul\u00e4ssig sein, wenn sie einen Sachbezug haben.\u00a0<\/span><\/p>\n

Als prominentes Beispiel kann hier auf das \u201cSchm\u00e4hgedicht\u201d von Jan B\u00f6hmermann \u00fcber den t\u00fcrkischen Staatspr\u00e4sidenten\u00a0Recep Tayyip Erdogan verwiesen werden. Obwohl krass und mit Schimpfworten versehen, war dies eventuell geschmacklos aber doch rechtlich zul\u00e4ssig. Es wurde zwar vom Landgericht Hamburg (auszugsweise) \u2013 vom OLG Hamburg best\u00e4tigt \u2013 verboten. Dabei handelt es sich jedoch um Fehlentscheidungen, die der Bundesgerichtshof korrigieren wird<\/a>.<\/p>\n

Wie die F\u00fchrungsriege des FC Bayern auf der Pressekonferenz selbst einger\u00e4umt hat, geht sie selbst nicht immer besonders respektvoll mit Pressevertretern, (ehemaligen) Spielern und Gesch\u00e4ftspartnern um. Das mag schlechter Stil sein, ist aber nicht rechtswidrig. Denn das Grundrecht der Meinungsfreiheit sch\u00fctzt auch eine scharfe, sogar \u00fcbersteigerte Kritik, solange (irgendein) Sachbezug erkennbar ist. Letzterer d\u00fcrfte immer dann vorliegen, wenn ein Fu\u00dfballer aufgrund seiner (vermeintlich) schlechten Leitungen auf dem Platz kritisiert wird.<\/p>\n

Wer kann sich auf das allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrecht (APR) berufen?<\/h2>\n

Das APR sch\u00fctzt naturgem\u00e4\u00df grunds\u00e4tzlich nur nat\u00fcrliche Personen<\/b>.\u00a0<\/span><\/p>\n

Der FC Bayern, der als eingetragener Verein bzw. in Gestalt eines Fu\u00dfballunternehmens als Aktiengesellschaft organisiert ist, kann sich daher darauf nicht berufen.\u00a0Es ist allerdings anerkannt, dass sich auch Kapitalgesellschaften\u00a0auf\u00a0Teile des Schutzes des APR in Gestalt des so genannten Unternehmepers\u00f6nlichkeitsrechts<\/strong> berufen k\u00f6nnen sollen.<\/p>\n

Der FC Bayern hat keine Menschenw\u00fcrde<\/h2>\n

Dies allerdings nur insoweit, als sie aus ihrem Wesen als Zwecksch\u00f6pfung des Rechts und ihren Funktionen dieses Rechtsschutzes bed\u00fcrfen. Das ist insbesondere der Fall, wenn sie in ihrem sozialen Geltungsanspruch als Arbeitgeber oder als Wirtschaftsunternehmen betroffen werden.\u00a0Da sich Unternehmen nur auf Art. 2 Abs. 1 GG<\/a> \u2013 und nicht auch noch Art. 1 Abs. 1 \u00a0GG<\/a> \u2013 berufen k\u00f6nnen, ist das Unternehmenspers\u00f6nlichkeitsrecht schw\u00e4cher ausgestaltet als das APR nat\u00fcrlicher Personen. Juristische Personen haben keine Menschenw\u00fcrde. Und das \u2013 jetzt hei\u00dft es, tapfer sein \u2013 gilt auch f\u00fcr den FC Bayern.<\/p>\n

Angesprochene Spieler, Trainer oder sonstige Organe des FC Bayern k\u00f6nnen sich demgegen\u00fcber nat\u00fcrlich auf ihr Pers\u00f6nlichkeitsrecht berufen. Hier ist allerdings zu ber\u00fccksichtigen, dass die Leistungen eines Fu\u00dfballers oder Trainers, \u00e4hnlich wie bei anderen Berufsgruppen, in der Sozialsph\u00e4re erbracht werden und damit auch grunds\u00e4tzlich ohne diesbez\u00fcgliche Beschr\u00e4nkung kritisiert werden d\u00fcrfen.<\/p>\n

Der Kritiker muss sich mit Hinblick auf den etwas raueren Ton, der im Fu\u00dfball herrscht, z.B.<\/p>\n

\u201eHaste Schei\u00dfe am Fu\u00df, haste Schei\u00dfe am Fu\u00df\u201c, Andi Brehme<\/p><\/blockquote>\n

und die inszenierte bzw. jedenfalls bewusst gef\u00f6rderte Emotionalisierung der Berichterstattung, z.B.<\/p>\n

\u201eIch hatte vom Feeling her ein gutes Gef\u00fchl\u201c, Andreas M\u00f6ller<\/p><\/blockquote>\n

grunds\u00e4tzlich auch in Bezug auf die Art und Weise der Kritik nicht zur\u00fcckhalten.<\/p>\n

Manche haben es pers\u00f6nlichkeitsrechtlich etwas schwerer<\/h2>\n

Personen, die in der \u00d6ffentlichkeit stehen und dort selbst nicht gerade zimperlich auftreten, k\u00f6nnen sich zudem wom\u00f6glich nicht in gleicher Weise auf das ihnen grunds\u00e4tzlich zustehende Pers\u00f6nlichkeitsrecht berufen.<\/p>\n

Ob die Herren Rummenigge und Hoene\u00df zu diesem Personenkreis z\u00e4hlen, ist zwar nicht gewiss, jedenfalls hat das Landgericht Berlin zum Beispiel Kai Diekmann, damals Chefredakteur der BILD, in einem Fall eine\u00a0Geldentsch\u00e4digung versagt, da er selbst \u2013 vereinfacht gesagt \u2013 f\u00fcr\u00a0h\u00e4ufig pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzende Beitr\u00e4ge in der BILD verantwortlich sei, davon auch pers\u00f6nlich finanziell profitiere und daher\u00a0weniger schwer durch die Verletzung seines eigenen Pers\u00f6nlichkeitsrechtes belastet werde (LG Berlin, Urteil v. 19.11.2002, Az. 27 O 615\/02<\/a>).<\/p>\n

Dieter Bohlen sollte sich der Auffassung des Amtsgerichts Hamburg zufolge nicht gegen die Bezeichnung als “arme Sau” wehren d\u00fcrfen<\/a>, da er unbestrittenerweise\u00a0in der \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr sein Selbstbewusstsein und sein harsches Umgehen mit anderen bekannt sei, demgegen\u00fcber jedoch tats\u00e4chlich weit weniger gut mit eigenen R\u00fcckschl\u00e4gen und Niederlagen umzugehen verm\u00f6ge (AG Hamburg, Urteil vom 19.7.2012, Az. 32 C 57\/12<\/a>).<\/p>\n

Was ist eine Unterlassungserkl\u00e4rung?<\/h2>\n

Die\u00a0Unterlassungserkl\u00e4rung<\/strong>\u00a0ist eine freiwillige M\u00f6glichkeit f\u00fcr den Adressaten einer Abmahnung, sich einem Rechtsstreit zu entziehen.\u00a0<\/span><\/p>\n

Im Versto\u00dfensfalle droht dem Schuldner zwar keine \u201cStrafe\u201d (im strafrechtlichen Sinne), aber doch eine sogenannte Vertragsstrafe, d.h. eine Geldzahlung, deren H\u00f6he der Schuldner zudem in seiner eigenen Erkl\u00e4rung entweder selbst bestimmen oder durch den sogenannten Hamburger Brauch in das Ermessen eines Gerichts legen kann. Die Vertragsstrafe \u201cdroht\u201d wiederum aber auch nur, wenn der Schuldner\u00a0sich an die selbst bestimmte Unterlassungsverpflichtung nicht h\u00e4lt.<\/p>\n

Demgegen\u00fcber kann ein Gericht in einem Beschluss oder Urteil dem Schuldner nur ein Ordnungsgeld (bzw. -haft) androhen, das er bei einem Versto\u00df an die Staatskasse zahlen muss. Der FC Bayern hat damit mit Sicherheit weder in den letzten zwei Wochen noch \u00fcberhaupt irgendwann eine \u201cUnterlassungserkl\u00e4rung vor Gericht erwirkt”.<\/p>\n

Was ist eine Gegendarstellung?<\/h2>\n

Die Gegendarstellung<\/strong>\u00a0schlie\u00dflich ist Ausfluss des APR und gibt dem Einzelnen die M\u00f6glichkeit, auf die Darstellung seiner Person in der \u00d6ffentlichkeit, insbesondere in den Medien, Einfluss zu nehmen. Sinn und Zweck des Gegendarstellungsrechts ist es, f\u00fcr \u201eWaffengleichheit\u201c zwischen den Medien und dem Betroffen sorgen.<\/p>\n

Wer in einer Zeitung oder im Internet schlecht gemacht wird, soll eine M\u00f6glichkeit erhalten, im demselben Medium und mit gleicher publizistischer Wirkung das falsche Bild zurechtzur\u00fccken. Sie kommt \u00fcberhaupt nur bei Tatsachenbehauptungen in Betracht.<\/p>\n

Eine Gegendarstellung setzt allerdings nicht voraus, dass die betreffenden Behauptungen falsch sind. Auch wenn sie f\u00fcr das betroffene Presseunternehmen (Gegendarstellungen betreffen im Einzelfall sogar Internetblogs<\/a>) einen gewissen L\u00e4stigkeitswert haben mag: Der von Herrn Rummenige erweckte Eindruck, dass es sich bei der Gegendarstellung um ein Mittel der Sanktion ganz besonders schwerwiegender Verst\u00f6\u00dfe handele, trifft demnach nicht zu. Sie muss sich ausserdem sehr knapp halten und sich auf die eigene Schilderung des Sachverhalts beschr\u00e4nken.<\/p>\n

Fazit<\/strong><\/h2>\n

Die Bayern sollten in einer Phase, in der zu wenig Gl\u00fcck noch Pech dazukam, den Sand nicht in den Kopf stecken. Es muss gestattet sein, Medienvertretern verbal ein paar Worte zu sagen. Allerdings:\u00a0Jede Seite hat zwei Medaillen und es geh\u00f6rt im Fu\u00dfball einfach dazu, dass vieles\u00a0immer wieder von den Medien hochsterilisiert wird.<\/p>\n

Juristisch gilt ohnehin: Mal verliert man und mal gewinnen die anderen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Noch nicht einmal Nicht-Fu\u00dfballfans blieben davon verschont. Ob man wollte oder nicht, h\u00f6rte man man allenthalben: Der FC Bayern hat ein paar Fu\u00dfballspiele nicht gewonnen. Um genau zu sein vier. In Folge. Verwirrung und Trauer sind gro\u00df. Es h\u00e4ufen sich nicht nur Beschwerden von Fans des FC Bayern, die ihren Verein in der Tabelle nicht […]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":41341,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[13],"tags":[12,346,446,1121,17569],"class_list":["post-41337","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht","tag-personlichkeitsrecht","tag-presserecht","tag-medienrecht","tag-menschenwurde","tag-fc-bayern"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41337","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41337"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41337\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/41341"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41337"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41337"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41337"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}