{"id":41193,"date":"2018-10-16T07:23:02","date_gmt":"2018-10-16T06:23:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=41193"},"modified":"2022-07-14T19:01:43","modified_gmt":"2022-07-14T17:01:43","slug":"das-boot-kameramann-erhaelt-fuerstliche-verguetung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/das-boot-kameramann-erhaelt-fuerstliche-verguetung\/","title":{"rendered":"&#8220;Das Boot&#8221; &#8211; Kameramann erh\u00e4lt erneut Verg\u00fctung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_41234\" aria-describedby=\"caption-attachment-41234\" style=\"width: 424px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-41234\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fotolia_226425231_XS.jpg\" alt=\"Das Boot Verg\u00fctung Kameramann\" width=\"424\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fotolia_226425231_XS.jpg 424w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fotolia_226425231_XS-90x60.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-41234\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 noraismail &#8211; fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Der deutsche Kinoklassiker &#8220;Das Boot&#8221; z\u00e4hlt zu den erfolgreichsten Filmproduktionen in Deutschland. Der hauptverantwortliche Kameramann des Weltkriegsdramas Jost Vancano hat nun vom Oberlandesgericht Stuttgart erneut eine hohe Verg\u00fctungssumme f\u00fcr die Nutzung des Filmmaterials zugesprochen bekommen.<\/em><\/p>\n<p><em> Zur Kasse gebeten wurden dabei insgesamt acht Sendeanstalten des ARD. Bereits in den Jahren 2011 und 2017 waren dem Filmemacher Beteiligungen f\u00fcr die Ausstrahlung durch den WDR und die Produktion Bavaria Film zugesprochen worden.\u00a0<\/em><\/p>\n<h2>Erfolgsproduktion aus den 80er Jahren<\/h2>\n<p>Der weltbekannte Streifen \u00fcber eine deutsche U-Boot Besatzung im zweiten Weltkrieg z\u00e4hlt bis heute zu einer der erfolgreichsten und zur damaligen Zeit teuersten Produktionen der deutschen Filmgeschichte. So war &#8220;das Boot&#8221; unter anderem f\u00fcr sechs Oscars und einen Golden Globe nominiert. Jost Vancano erhielt als hauptverantwortlicher Kameramann kurz nach der Premiere des Films 1981 etwa 204.000 DM (demnach ca 100.000 Euro) als Verg\u00fctung.<\/p>\n<p>Im Jahre 2011 hatte Vancano den WDR erfolgreich auf Zahlung einer weiteren Beteiligung f\u00fcr die Verwendung des Filmes verklagt (BGH, Urteil v. 22.9.2011, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20127\/10\" title=\"BGH, 22.09.2011 - I ZR 127\/10: Das Boot\">I ZR 127\/10<\/a>). Die Zahlung einer nochmaligen Verg\u00fctung von der ma\u00dfgeblich an der Entstehung des Films beteiligten Produktionsfirma Bavaria Film wurde dem inzwischen 81-j\u00e4hrigen vom M\u00fcnchner Oberlandesgericht schlie\u00dflich im Jahre 2017 zugesprochen (OLG M\u00fcnchen, Urteil v. 21.12.2017, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=29%20U%202619\/16\" title=\"29 U 2619\/16 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">29 U 2619\/16<\/a>). Ausschlaggebend war in beiden Verfahren \u00a7 32 a) des <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheber-und-designrecht-2\">Urhebergesetzes<\/a>. Absatz 1 der Vorschrift lautet :<\/p>\n<blockquote><p>(1) Hat der Urheber einem anderen ein Nutzungsrecht zu Bedingungen einger\u00e4umt, die dazu f\u00fchren, dass die vereinbarte Gegenleistung unter Ber\u00fccksichtigung der gesamten Beziehungen des Urhebers zu dem anderen in einem auff\u00e4lligen Missverh\u00e4ltnis zu den Ertr\u00e4gen und Vorteilen aus der Nutzung des Werkes steht, so ist der andere auf Verlangen des Urhebers verpflichtet, in eine \u00c4nderung des Vertrages einzuwilligen, durch die dem Urheber eine den Umst\u00e4nden nach weitere angemessene Beteiligung gew\u00e4hrt wird. Ob die Vertragspartner die H\u00f6he der erzielten Ertr\u00e4ge oder Vorteile vorhergesehen haben oder h\u00e4tten vorhersehen k\u00f6nnen, ist unerheblich.<\/p><\/blockquote>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die Urteilsfindung war demnach jeweils, ob zwischen der durch die Lizenzvertr\u00e4ge des Kameramanns mit dem WDR und der Bavaria Film vereinbarten Verg\u00fctung und der tats\u00e4chlich erzielten Einnahmen des Senders und der Produktionsfirma ein Missverh\u00e4ltnis vorlag. Sowohl die Richter in Stuttgart als auch am Bundesgerichtshof bejahten dies im Ergebnis, da &#8220;das Boot&#8221; auch lange nach dessen Ver\u00f6ffentlichung kommerziell \u00fcberaus erfolgreich blieb. Jost Vancano wurden so insgesamt etwa 600.000 Euro zugesprochen.<\/p>\n<p>Zu dem Verfahren vor dem Oberlandesgericht M\u00fcnchen berichteten wir bereits:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/fairness_im_urheberrecht_kameramann_von_das_boot_erhaelt_nachverguetung\">Fairness im Urheberrecht: Kameramann von &#8220;das Boot&#8221; erh\u00e4lt Nachverg\u00fctung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Auch die ARD zeigt das Weltkriegsdrama regelm\u00e4\u00dfig<\/h2>\n<p>Nun wurde auch die Arbeitsgemeinschaft der \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zur Kasse gebeten. Der Grund: auch &#8220;das Erste&#8221; zeigt nach wie vor das Kriegsepos um Herbert Gr\u00f6nemeyer und J\u00fcrgen Prochnow.<\/p>\n<p>Kameramann Vancano erhob entsprechend erneut Klage und war schlie\u00dflich vor dem OLG Stuttgart als Berufungsinstanz erfolgreich (OLG Stuttgart, Urteil v. 26.9.2018, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=4%20U%202\/18\" title=\"4 U 2\/18 (3 zugeordnete Entscheidungen)\">4 U 2\/18<\/a>). Im Einzelnen richtete sich diese gegen die insgesamt acht Sendeanstalten der ARD. Nach Ansicht des Senats bestand auch hier zwischen den Verg\u00fctungen, die sich aus dem Lizenzvertrag des Kameramanns mit dem Rundfunksender ergaben, und den tats\u00e4chlich erzielten Gewinnen ein Missverh\u00e4ltnis im Sinne des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/32a.html\" title=\"&sect; 32a UrhG: Weitere Beteiligung des Urhebers\">\u00a7 32 a) UrhG<\/a>. So sprachen die Richter dem Kl\u00e4ger 315.000 Euro f\u00fcr insgesamt 41 Ausstrahlungen des Films in den Jahren 2002-2016 zu.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Beurteilung, inwiefern die ARD in unangemessener Weise Vorteile durch die Ausstrahlung des Werkes erlangt hatte, orientierte sich das Stuttgarter Oberlandesgericht an den tariflichen Wiederholungsverg\u00fctungss\u00e4tzen. Diese ergaben sich aus den Tarifvertr\u00e4gen der drei gr\u00f6\u00dften Sendeanstalten der ARD f\u00fcr das Zeigen von Wiederholungssendungen und -filmen. Das Stuttgarter Landgericht hatte als Vorinstanz noch einen anderen Ansatz zur Bewertung eines m\u00f6glichen Missverh\u00e4ltnisses verfolgt. So ging die Kammer davon aus, die Vorteile und Ertr\u00e4ge der Sendeanstalt seien anhand der Lizenzkosten zu bemessen. Dies sei allerdings nicht sachgerecht, so das OLG. Im Filmgesch\u00e4ft gebe es keine allgemeing\u00fcltigen Preise, ein und der gleiche Film k\u00f6nne insofern mal f\u00fcr eine geringere, mal f\u00fcr eine h\u00f6here Geb\u00fchr eingekauft werden.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/32a.html\" title=\"&sect; 32a UrhG: Weitere Beteiligung des Urhebers\">\u00a7 32 a UrhG<\/a> ist auch als &#8220;Fairnessparagraph&#8221; bekannt. Zweck dieser Vorschrift ist, Urhebern bei unerwartetem kommerziellen Erfolg ihrer Sch\u00f6pfungen eine M\u00f6glichkeit zu geben, an diesen wirtschaftlichen Vorteilen teilhaben zu k\u00f6nnen. Trotz eines Lizenzvertrages, der eine niedrigere Verg\u00fctung vorsieht, m\u00fcssen die Vertragspartner des Erstellers des Werkes einer \u00c4nderung der Absprache zustimmen.<\/p>\n<p>So liegt der Fall auch hier. Vancano wurden als hauptverantwortlicher Kameramann urspr\u00fcnglich lediglich 100.000 Euro gezahlt, ein aus heutiger Sicht sehr geringer Betrag im Verh\u00e4ltnis zum Erfolg des Filmes.<\/p>\n<p>Mag dies zun\u00e4chst fair erscheinen, bestehen dennoch erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Fairnessparagraphen. So existiert im deutschen Recht der Grundsatz &#8220;pacta sunt servanda&#8221; (&#8220;Vertr\u00e4ge gilt es zu erf\u00fcllen&#8221;), eine nachtr\u00e4gliche Ab\u00e4nderungsm\u00f6glichkeit von Vertr\u00e4gen kennt das b\u00fcrgerliche Gesetzbuch grunds\u00e4tzlich nicht. Urheberrechtliche Vertr\u00e4ge werden durch <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/32a.html\" title=\"&sect; 32a UrhG: Weitere Beteiligung des Urhebers\">\u00a7 32 a UrhG<\/a> dar\u00fcber hinaus entwertet, da abh\u00e4ngig vom wirtschaftlichen Erfolg, mit einer nachtr\u00e4glichen Modifikation gerechnet werden muss.<\/p>\n<p>Andererseits spricht die Vorschrift bewusst von einem &#8220;auff\u00e4lligen Missverh\u00e4ltnis&#8221;, der Anwendungsbereich ist demnach immerhin relativ eng gefasst. Eine entsprechende gesetzliche \u00c4nderung w\u00e4re aus den genannten Gr\u00fcnden trotzdem w\u00fcnschenswert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Kinoklassiker &#8220;Das Boot&#8221; z\u00e4hlt zu den erfolgreichsten Filmproduktionen in Deutschland. 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