{"id":41148,"date":"2018-10-11T12:12:24","date_gmt":"2018-10-11T11:12:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=41148"},"modified":"2022-07-14T18:37:04","modified_gmt":"2022-07-14T16:37:04","slug":"wettbewerbsverstoss-vitalis-knuspermuesli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/wettbewerbsverstoss-vitalis-knuspermuesli\/","title":{"rendered":"Schokolade zum Fr\u00fchst\u00fcck"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_41149\" aria-describedby=\"caption-attachment-41149\" style=\"width: 417px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-41149\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/nyana-stoica-601258-unsplash-620x458.jpg\" alt=\"Wettbewerbsversto\u00df Vitalis Knusperm\u00fcsli \" width=\"417\" height=\"308\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/nyana-stoica-601258-unsplash-620x458.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/nyana-stoica-601258-unsplash-90x67.jpg 90w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/nyana-stoica-601258-unsplash-768x568.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 417px) 100vw, 417px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-41149\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Nyana Stoica on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bis M\u00fcsli ein Lifestyleprodukt wurde, war es ein langer Weg. Als \u201eK\u00f6rnerfresser\u201c und gr\u00fcnalternativ wurde man abgestempelt, wenn man seine faden Haferflocken mit den unbeliebten Rosinen trostlos morgens in sich reinschaufelte. Bio war sowieso b\u00e4h.<\/p>\n<p>Aber irgendwie, es passierte quasi \u00fcber Nacht, wurde M\u00fcsli zum Trendprodukt, der Online-Baukasten f\u00fcr \u00fcberteuertes Biom\u00fcsli zum Statussymbol jedes Start-Up B\u00fcros und ein \u201emit weniger Zucker\u201c-Label zum Verkaufsgarant. Zucker ist einfach nicht mehr \u201ein\u201c. Aber schmecken soll es eben trotzdem. Also was tun?<\/p>\n<h2>N\u00e4hrwertangabe auf der R\u00fcckseite reicht nicht<\/h2>\n<p>Die Frage stellte sich wohl auch die Dr. Oetker Marketingabteilung und entschloss kurzerhand, gar nicht mit der Zuckermenge auf 100g, sondern mit der Menge pro Portion zu werben. 100g des \u201eVitalis Knusperm\u00fcsli\u201c haben n\u00e4mlich 448 Kalorien.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: Eine Tafel der beliebten lila Vollmilchschokolade hat auf 100g ca. 528 Kalorien.<\/p>\n<p>Eine \u201ePortion\u201c bemisst Dr. Oetker beim M\u00fcsli mit 40g M\u00fcsli plus 60ml Milch. Und das ergibt dann schlanke 208 Kalorien.<\/p>\n<p>Das sieht nicht nur viel besser aus, sondern unterstreicht das vitale Image des \u201eVitalis Knusperm\u00fcsli\u201c hervorragend. \u201eVitalis\u201c &#8211; da f\u00fchlt man sich direkt 12 Jahre j\u00fcnger, wenn man eine Sch\u00fcssel mit gesunder Milch zu sich genommen hat.<\/p>\n<p>Ok, 40g pro Portion ist schon sehr wenig. Messen Sie das mal nach, das ist gerade so eine Hand voll. Aber aber: der vorgeschriebene Wert je 100g steht ja drauf. Nur eben nicht vorne.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>LG Bielefeld sieht Versto\u00df gegen Lebensmittelrichtlinien<\/h2>\n<p>Das empfand das Landgericht Bielefeld als gar nicht so bek\u00f6mmlich und best\u00e4tigte den Versto\u00df gegen geltende <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/lebensmittelrecht-arzneimittelrecht\/\">Lebensmittelrichtlinien<\/a>. Sich eine Portionsgr\u00f6\u00dfe von 40g mit 60ml Milch auszudenken und dessen Kalorienwert anzugeben, reiche nicht aus. Es muss der Brennwert f\u00fcr 100g des eigentlichen Produktes wiedergegeben werden.\u00a0Und zwar vorne auf der Packung, f\u00fcr den Konsumenten und potentiellen K\u00e4ufer sichtbar. Wenn dies nicht geschieht, liegt ein <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/wettbewerbsrecht\">Wettebewerbsversto\u00df<\/a> vor. Und das sei bei Dr. Oetker eindeutig der Fall.<\/p>\n<p>So vital ist das M\u00fcsli dann leider gar nicht mehr. Daf\u00fcr wird mein schlechtes Gewissen, wenn ich mir anstelle eines Fr\u00fchst\u00fccks eine Tafel Schokolade g\u00f6nne, so klein wie die angegebene Portionsgr\u00f6\u00dfe.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserer freien Autorin Katharina Reber. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis M\u00fcsli ein Lifestyleprodukt wurde, war es ein langer Weg. Als \u201eK\u00f6rnerfresser\u201c und gr\u00fcnalternativ wurde man abgestempelt, wenn man seine faden Haferflocken mit den unbeliebten Rosinen trostlos morgens in sich reinschaufelte. Bio war sowieso b\u00e4h. 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