{"id":40500,"date":"2018-08-27T08:06:52","date_gmt":"2018-08-27T07:06:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de?p=40500"},"modified":"2019-02-14T17:28:51","modified_gmt":"2019-02-14T16:28:51","slug":"fotografieren-museum-hausrecht-lichtbildschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/fotografieren-museum-hausrecht-lichtbildschutz\/","title":{"rendered":"Verst\u00f6\u00dft das Fotografieren im Museum gegen das Hausrecht? Sind Fotos von gemeinfreien Gem\u00e4lden urheberrechtlich gesch\u00fctzt?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_40501\" aria-describedby=\"caption-attachment-40501\" style=\"width: 346px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-40501 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Fotolia_199753886_XS.jpg\" alt=\"urheberrechtliche Schutzfrist\" width=\"346\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Fotolia_199753886_XS.jpg 346w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Fotolia_199753886_XS-44x44.jpg 44w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Fotolia_199753886_XS-90x90.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 346px) 100vw, 346px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-40501\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 adrenalinapura &#8211; fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Das OLG Stuttgart bejahte im vergangenen Jahr den Anspruch des Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim auf Unterlassung der Verbreitung von Fotos seiner Gem\u00e4lde.\u00a0Eine Privatperson hatte unter anderem Lichtbilder von im Museum ausgestellten Gem\u00e4lden angefertigt und auf der Plattform \u201eWikimedia Commons\u201c hochgeladen.\u00a0Auch Scans aus einem durch das Museum in Auftrag gegebenen Katalog wurden so durch die Person verbreitet.\u00a0Der Clou: An den Gem\u00e4lden gab es schon seit langem keinen urheberrechtlichen Schutz mehr. Trotzdem hat das OLG Stuttgart beides verboten.<\/em><\/p>\n<p><em>Warum der Fall nicht ganz so absurd ist, wie er sich anh\u00f6rt, erfahren Sie in unserem Beitrag.<\/em><\/p>\n<h2><strong>Was bisher geschah<\/strong><\/h2>\n<p>Das OLG Stuttgart bejahte mit seinem Urteil aus dem vergangenen Jahr (OLG Stuttgart, Urt. v. 31.5.2017, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=4%20U%20204\/16\" title=\"OLG Stuttgart, 31.05.2017 - 4 U 204\/16: Reiss-Engelhorn-Museen\">4 U 204\/16<\/a>) den Anspruch auf Unterlassung des Mannheimer Museums gegen einen Museumsbesucher, der trotz erlassenem Fotografieverbot Lichtbilder von Gem\u00e4lden anfertigte. Diese Bilder und dar\u00fcber hinaus auch Scans aus einem durch das Museum in Auftrag gegebenen Katalog, in welchem unter anderem Gem\u00e4lde aus dem Museum abgelichtet wurden, stellte der Beklagte in die Medien-Plattform \u201eWikimedia Commons\u201c ein.<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/urheberrecht\">Urheberrecht der Gem\u00e4lde<\/a>, die zwischen den Jahren 1600 und 1900 entstanden sind, war bereits abgelaufen und die Gem\u00e4lde waren daher gemeinfrei (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/64.html\" title=\"&sect; 64 UrhG: Allgemeines\">\u00a7 64 UrhG<\/a>). Der Hobbyfotograf &#8211; <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Wikipedia-Streit-um-gemeinfreie-Bilder-geht-zum-BGH-3739497.html\">mit Unterst\u00fctzung des Vereins Wikimedia Deutschland<\/a> &#8211; legte Revision beim BGH (Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20104\/17\" title=\"BGH, 20.12.2018 - I ZR 104\/17: Zur Ver&ouml;ffentlichung von Fotografien gemeinfreier Kunstwerke\">I ZR 104\/17<\/a>) ein, welcher ab Ende Oktober den Fall verhandeln wird.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/6-dinge-die-man-ueber-das-urheberrecht-wissen-muss\">6 Dinge, die man \u00fcber das Urheberrecht wissen muss<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Genie\u00dfen Reproduktionsfotografien gemeinfreier Werke einen Schutz nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/72.html\" title=\"&sect; 72 UrhG: Lichtbilder\">\u00a7 72 UrhG<\/a>?<\/strong><\/h2>\n<p>Eine entscheidende Frage war , ob ein Scan eines Gem\u00e4lde-Abbilds aus dem Katalog gegen Urheberrechte verst\u00f6\u00dft. Dabei kommt es darauf an, ob es sich bei den Abbildungen in dem Katalog um blo\u00dfe Reproduktionsfotografien handelte. Diese sind dadurch charakterisiert, dass das Ziel lediglich in einer m\u00f6glichst identischen Abbildung der Vorlage liegt.<\/p>\n<p>Umstritten ist, inwiefern bei Vorliegen einer Reproduktionsfotografie diese Reproduktion eigenen urheberrechtlichen Schutz im Sinne des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/72.html\" title=\"&sect; 72 UrhG: Lichtbilder\">\u00a7 72 UrhG<\/a> genie\u00dft. Teilweise wird angenommen, dass <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/72.html\" title=\"&sect; 72 UrhG: Lichtbilder\">\u00a7 72 UrhG<\/a> teleologisch zu reduzieren sei, um so Reproduktionsfotografien von einem fotografischen Leistungsschutzrecht per se auszuschlie\u00dfen. Die Gegenmeinung vertritt den Standpunkt, dass auch Reproduktionsfotografien den Schutz durch <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/72.html\" title=\"&sect; 72 UrhG: Lichtbilder\">\u00a7 72 UrhG<\/a> genie\u00dfen. Es w\u00fcrde ansonsten zu Wertungswiderspr\u00fcchen kommen, wenn beispielsweise selbst einfachen \u201eKnipsbildern\u201c Lichtbildcharakter und damit Schutz nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/72.html\" title=\"&sect; 72 UrhG: Lichtbilder\">\u00a7 72 UrhG<\/a> einger\u00e4umt werde.<\/p>\n<p>Das OLG Stuttgart verneinte eine teleologische Reduktion des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/72.html\" title=\"&sect; 72 UrhG: Lichtbilder\">\u00a7 72 UrhG<\/a> im vorliegenden Fall und r\u00e4umte den Abbildungen im Katalog somit eigene urheberrechtliche Schutzrechte im Rahmen des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/72.html\" title=\"&sect; 72 UrhG: Lichtbilder\">\u00a7 72 UrhG<\/a> ein. Durch erneutes Reproduzieren (Scannen) und hochladen auf die Pattform verletzte der Beklagte somit die Urheberrechte des Museums, welches \u00fcber die ausschlie\u00dflichen Rechte an den Reproduktionsfotografien verf\u00fcgte.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/fotoklau-im-internet\">Fotoklau im Internet: Das \u00c4rgernis der Berufsfotografen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Das Fotografieren im Museum war verboten<\/strong><\/h2>\n<p>Im Hinblick auf die vom Fotografen im Museum selbst aufgenommenen Bilder ergebe sich der Unterlassungsanspruch aus der \u00dcbertragung der so genannten \u201eSanssouci\u201c-Rechtsprechung, welche durch den BGH entwickelt worden war. Der Unterlassungsanspruch ergebe sich aus dem Eigentums- und Hausrecht des Museums jeweils in Verbindung mit <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/1004.html\" title=\"&sect; 1004 BGB: Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch\">\u00a7 1004 Abs. 1 BGB<\/a>. Damit folgte das OLG der bisherigen &#8220;Sanssoucci-Rechtsprechung&#8221; des BGH und dehnte diese auf bewegliche Sachen in Form der Gem\u00e4lde aus. Der BGH nahm an, dass das Recht zur Anfertigung und Verwertung von Fotografien von unbeweglichen Sachen (Bauwerke, Gartenanlagen) allein dem Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer zusteht, soweit diese Abbildungen von seinem Grundst\u00fcck aus &#8211; und nicht von einer allgemein zug\u00e4nglichen Stelle &#8211; angefertigt wurden.<\/p>\n<p>Es komme im Fall der Aufnahmen im Museum entscheidend auf die Bedingungen an, unter welchen der Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer im Rahmen seiner Eigentumsbefugnisse aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/903.html\" title=\"&sect; 903 BGB: Befugnisse des Eigent&uuml;mers\">\u00a7 903 BGB<\/a> Dritten den Zugang er\u00f6ffne, so das OLG. Das Museum regelte in den AGB, dass das Fotografieren innerhalb des Geb\u00e4udes verboten war und machte insofern von seinen Befugnissen als Eigent\u00fcmer Gebrauch. Durch Betreten des Museums stimme der Besucher den AGB zu, sodass sich die Unterlassungsanspr\u00fcche hinsichtlich der selbst im Museum angefertigen Lichtbilder aus dem Eigentums- und Hausrecht erg\u00e4ben.<\/p>\n<h2><strong>Fazit <\/strong><\/h2>\n<p>Der aktuelle Fall zeigt, dass Museumsbesucher durchaus Vorsicht walten lassen sollten, wenn sie im Rahmen ihres Besuchs Schnappsch\u00fcsse von Gem\u00e4lden anfertigen und diese dann ins Netz stellen. Grunds\u00e4tzlich kann die <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/northrup-bilderklau-urheberrecht\">un\u00fcberlegte Verwendung eines gesch\u00fctzten Bilds<\/a> schnell Schadensersatzanspr\u00fcche ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Es erscheint skurril, dass auch Reproduktionsfotografien von <strong>gemeinfreien Werken<\/strong> einen urheberrechtlichen Schutz nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/72.html\" title=\"&sect; 72 UrhG: Lichtbilder\">\u00a7 72 UrhG<\/a> genie\u00dfen. Denn so besteht die M\u00f6glichkeit, dass die f\u00fcr das Originalwerk vorgesehene Schutzfrist von 70 Jahren (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/64.html\" title=\"&sect; 64 UrhG: Allgemeines\">\u00a7 64 UrhG<\/a>) um weitere 50 Jahre nach Ver\u00f6ffentlichung einer Reproduktionsfotografie (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/72.html\" title=\"&sect; 72 UrhG: Lichtbilder\">\u00a7 72 Abs. 3 UrhG<\/a>) verl\u00e4ngert werden kann, sofern dem Eigent\u00fcmer die ausschlie\u00dflichen Verwertungsrechte an der Reproduktionsfotografie zustehen und die Anfertigung von Lichtbildern durch Dritte untersagt wird.<\/p>\n<p>Es bleibt also abzuwarten, ob der BGH diesen Ausf\u00fchrungen zum Schutz von Reproduktionsfotografien gemeinfreier Werke folgen wird und somit die M\u00f6glichkeit billigt, eine &#8220;Verl\u00e4ngerung&#8221; des urheberrechtlichen Schutzes eines Originalwerks zu erreichen. Mit Spannung erwartet werden kann dar\u00fcber hinaus, ob die h\u00f6chstrichterliche Sansoucci-Rechtsprechung auch auf bewegliche Sachen ausdehnt wird.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/bilderklau-im-internet\">5 Dinge, die Sie zum Thema Bilderklau im Internet wissen sollten<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Update<\/h2>\n<p>Mittlerweile hat der BGH ein Urteil gef\u00e4llt:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/bgh-zur-veroeffentlichung-von-fotografien-gemeinfreier-kunstwerke\">BGH zur Ver\u00f6ffentlichung von Fotografien gemeinfreier Kunstwerke<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das OLG Stuttgart bejahte im vergangenen Jahr den Anspruch des Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim auf Unterlassung der Verbreitung von Fotos seiner Gem\u00e4lde.\u00a0Eine Privatperson hatte unter anderem Lichtbilder von im Museum ausgestellten Gem\u00e4lden angefertigt und auf der Plattform \u201eWikimedia Commons\u201c hochgeladen.\u00a0Auch Scans aus einem durch das Museum in Auftrag gegebenen Katalog wurden so durch die Person verbreitet.\u00a0Der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":58,"featured_media":40501,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[1866,17280,17489,17490],"class_list":["post-40500","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-urheber-designrecht","tag-museum","tag-wikimedia","tag-reproduktionsfotografie","tag-sanssouci"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40500","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/58"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40500"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40500\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/40501"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40500"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40500"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40500"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}