{"id":39652,"date":"2018-06-12T06:39:30","date_gmt":"2018-06-12T05:39:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de?p=39652"},"modified":"2018-06-12T01:45:21","modified_gmt":"2018-06-12T00:45:21","slug":"keine-entschaedigung-fuer-witwe-von-altkanzler-kohl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/keine-entschaedigung-fuer-witwe-von-altkanzler-kohl\/","title":{"rendered":"Kein Anspruch auf Entsch\u00e4digung f\u00fcr Witwe von Altkanzler Kohl"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_39653\" aria-describedby=\"caption-attachment-39653\" style=\"width: 346px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-39653 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Fotolia_208463138_XS.jpg\" alt=\"Helmut Kohl Entsch\u00e4digung Witwe\" width=\"346\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Fotolia_208463138_XS.jpg 346w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Fotolia_208463138_XS-44x44.jpg 44w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Fotolia_208463138_XS-90x90.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 346px) 100vw, 346px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-39653\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 3dwithlove &#8211; fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Nach Ansicht des K\u00f6lner Oberlandesgericht steht der Witwe von Altkanzler Helmut Kohl kein Anspruch auf eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr die widerrechtliche Ver\u00f6ffentlichung diverser Zitate des Politikers im Jahre 2014 zu. Ein solcher war dem ehemaligen CDU-Mitglied vom K\u00f6lner Landgericht zu Lebzeiten zun\u00e4chst zugesprochen worden. Der aktuellen Entscheidung des OLG nach sei dieser aber mit dem Tod des Kanzlers erloschen, und auch nicht auf seine Witwe \u00fcbergegangen. Die besagten Zitate bleiben dabei weiterhin verboten.<\/em><\/p>\n<h2>Zur Historie des Rechtsstreits<\/h2>\n<p>Ausl\u00f6ser der Auseinandersetzung war das von Heribert Schwan im Jahre 2014 publizierte Buch &#8220;Verm\u00e4chtnis: Die Kohl-Protokolle&#8221;. Der ehemalige Ghostwriter des Altkanzlers hatte in diesem Zusammenhang \u00fcber 100, teils pikante Zitate Kohls ver\u00f6ffentlicht. Dieser klagte daraufhin vor dem K\u00f6lner Landgericht &#8211; mit Erfolg: Insgesamt 116 Passagen des Buches wurden letztlich verboten, sowie Kohl eine Entsch\u00e4digungssumme von einer Millionen Euro zugesprochen. Nach Ansicht der Richter habe der Ghostwriter die Pers\u00f6nlichkeitsrechte Kohls massiv verletzt, unter anderem da Zitate in falschem Kontext dargestellt worden sein. (LG K\u00f6ln, Urteil v. 27.4.2014, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=14%20O%20261\/16\" title=\"LG K&ouml;ln, 27.04.2017 - 14 O 261\/16: Ver&ouml;ffentlichung der Kohl-Zitate\">14 O 261\/16<\/a>).<\/p>\n<p>Zuvor hatte Schwan ein auf Tonband aufgezeichnetes Interview mit dem Altkanzler gef\u00fchrt, um dessen Memoiren zu verfassen. Vor der Ver\u00f6ffentlichung kam es allerdings zu weitreichenden Meinungsverschiedenheiten. Letztendlich publizierte Schwan 2014 eigenm\u00e4chtig sein Buch &#8220;Verm\u00e4chtnis: Die Kohl-Protokolle&#8221;. Wir berichteten:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"&quot;https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/eine-million-euro-schadensersatz-fuer-altkanzler-kohl\">Eine Millionen Euro Schadensersatz f\u00fcr f\u00fcr Altkanzler Kohl<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>OLG K\u00f6ln best\u00e4tigt Urteil<\/h2>\n<p>In Bezug auf den Unterlassungsanspruch hat sich das K\u00f6lner Oberlandesgericht dem nun weitestgehend angeschlossen (OLG K\u00f6ln, Urteil v. 29.5.2018, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=15%20U%2065\/17\" title=\"15 U 65\/17 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">15 U 65\/17<\/a>). Kohl und Schwan hatten hinsichtlich der Memoiren die Absprache getroffen, dass der Altkanzler entscheiden d\u00fcrfe, welche Zitate im Einzelnen ver\u00f6ffentlicht werden sollen. \u00dcber diese habe sich der Ghostwriter bewusst hinweggesetzt, so der Senat. Ferner habe er &#8220;Fehlzitate&#8221; sowie &#8220;Kontext-Verf\u00e4lschungen&#8221; eingebaut, und die &#8220;journalistische Sorgfaltspflicht grob verletzt&#8221;. Dem Urteil nach bleiben die streitgegenst\u00e4ndlichen Textpassagen demnach weiterhin verboten.<\/p>\n<h2>K\u00f6lner Richter lehnen Anspruch auf Entsch\u00e4digung f\u00fcr Witwe ab<\/h2>\n<p>Freuen d\u00fcrfte sich Schwan derweil dar\u00fcber, dass der Senat der Witwe des verstorbenen Altkanzlers keinen Anspruch auf die eine Millionen Euro Entsch\u00e4digung zugesprochen hat. Sinn dieser Entsch\u00e4digung sei es gewesen, Kohl selber Genugtuung f\u00fcr die Verletzung seiner Pers\u00f6nlichkeitsrechte zu verschaffen. Eben dieser Zweck k\u00f6nne demnach nur zu Lebzeiten realisiert werden. Zwar k\u00f6nne ein solcher Anspruch grunds\u00e4tzlich auch vererbt werden. Dies sei aber nur dann m\u00f6glich, wenn die Zahlung rechtskr\u00e4ftig zuerkannt wurde. Da der Altkanzler jedoch verstarb, bevor das Urteil des K\u00f6lner Landgericht rechtskr\u00e4ftig wurde, sei der &#8220;nicht vererbliche Anspruch erloschen&#8221;.<\/p>\n<h2>OLG K\u00f6ln l\u00e4sst Revision zu<\/h2>\n<p>&#8220;Die Millionenklage ist weg. Die gierige Kohl-Witwe kriegt keinen Cent. Das ist doch schon mal eine gute Nachricht.&#8221; Derart elegant kommentierte der Ghostwriter die Entscheidung in K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Das letzte Wort ist hier jedoch noch nicht gesprochen. Maike-Richter wird nach Aussagen ihres Anwalts in Revision gehen. Diese hat der Senat zugelassen. Bis dato ist in der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt, wie weit das postmortale Pers\u00f6nlichkeitsrecht und dessen Schutz in vergleichbaren Konstellationen im Einzelnen reicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Ansicht des K\u00f6lner Oberlandesgericht steht der Witwe von Altkanzler Helmut Kohl kein Anspruch auf eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr die widerrechtliche Ver\u00f6ffentlichung diverser Zitate des Politikers im Jahre 2014 zu. Ein solcher war dem ehemaligen CDU-Mitglied vom K\u00f6lner Landgericht zu Lebzeiten zun\u00e4chst zugesprochen worden. 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