{"id":39322,"date":"2018-05-15T17:22:53","date_gmt":"2018-05-15T16:22:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de?p=39322"},"modified":"2018-06-06T14:30:59","modified_gmt":"2018-06-06T13:30:59","slug":"causa-boehmermann-das-olg-hamburg-bestaetigt-die-vorinstanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/causa-boehmermann-das-olg-hamburg-bestaetigt-die-vorinstanz\/","title":{"rendered":"Pressemitteilung OLG Hamburg: Alles unver\u00e4ndert im Causa B\u00f6hmermann"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_39324\" aria-describedby=\"caption-attachment-39324\" style=\"width: 457px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-39324 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Maske.jpg\" alt=\"Pressemitteilung OLG B\u00f6hmermann\" width=\"457\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Maske.jpg 462w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Maske-90x51.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 457px) 100vw, 457px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-39324\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 NCAimages &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Im Fall B\u00f6hmermann hat das Oberlandesgericht Hamburg heute \u00fcber die Berufung des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdogan und die Berufung des Satirikers Jan B\u00f6hmermann entschieden. <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article176376000\/Schmaehgedicht-Boehmermann-und-Erdogan-erleiden-Schlappe-vor-Gericht.html\">Das erstinstanzliche Urteil, nach welchem das Schm\u00e4hgedicht teilweise zul\u00e4ssig und teilweise unzul\u00e4ssig sei, <\/a>wurde best\u00e4tigt.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber das vorangegangene Verfahren haben wir u. a. hier berichtet:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/boehmermann-erdogan-gedicht\">B\u00f6hmermann der Buhmann? Entscheidung \u00fcber Erdogan-Gedicht soll im Mai erfolgen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Die Pressemitteilung des OLG<\/h2>\n<p><span id=\"articleText\">Auch nach dem Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts bleibt es B\u00f6hmermann untersagt, bestimmte Passagen des Satire-Gedichts \u201eSchm\u00e4hkritik\u201c aus der Sendung \u201eNeo Magazin Royale\u201c vom 31. M\u00e4rz 2016 \u00fcber den t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten zu \u00e4u\u00dfern. Die fraglichen Passagen beinhalten nach Ansicht des Oberlandesgerichts <\/span><\/p>\n<blockquote><p><span id=\"articleText\">&#8220;schwere Herabsetzungen mit Bez\u00fcgen zum Intimen und Sexuellen, f\u00fcr die es in der Person oder dem Verhalten des Kl\u00e4gers keinerlei tats\u00e4chliche Ankn\u00fcpfungspunkte gibt&#8221;,<\/span> (vgl. <a href=\"http:\/\/justiz.hamburg.de\/pressemitteilungen\/11038250\/prssemitteilung-2018-05-15-olg-01\/\">Pressemitteilung, vom 14.05.2018, Az. 7 U 34\/17<\/a>).<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Richter haben, wie auch die Vorinstanz, eine Abw\u00e4gung zwischen dem <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/medienrecht-persoenlichkeitsrecht\">allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrecht<\/a> des Pr\u00e4sidenten und der Meinungsfreiheit B\u00f6hmermanns vorgenommen. Dabei haben sie die gewollt \u00fcberspitzte Darstellung \u2013 in Form von Satire \u2013 bei der Aus\u00fcbung der Meinungsfreiheit ber\u00fccksichtigt. Das Gedicht sei im Gesamtkontext der Sendung zu beurteilen. Es sei jedoch eine Aneinanderreihung von Beschimpfungen und daher ein Verbund von unterschiedlichen Meinungs\u00e4u\u00dferungen und kein untrennbares Werk. Jede einzelne Meinungs\u00e4u\u00dferung k\u00f6nne einzeln verboten werden, wenn sie im Gesamtkontext unzul\u00e4ssig sei.<\/p>\n<p>Ebenso wie die Vorinstanz hat das Hanseatische Oberlandesgericht die \u00fcbrigen Passagen damit getrennt von den unzul\u00e4ssigen Passagen des Schm\u00e4hgedichts als zul\u00e4ssig beurteilt und die Gesamtinszenierung des<span id=\"articleText\"> Satire-Gedichts \u201eSchm\u00e4hkritik\u201c als Einheit aufgel\u00f6st und die einzelnen Aussagen getrennt voneinander bewertet. Dies widerspricht den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, nach welchen die Beurteilung des Schm\u00e4hgedichts mitsamt seiner Inszenierung als Gesamtwerk zu beurteilen ist:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<blockquote><p>\u201cK\u00fcnstlerische \u00c4u\u00dferungen sind interpretationsf\u00e4hig und interpretationsbed\u00fcrftig. Ein unverzichtbares Element dieser Interpretation ist die Gesamtschau des Werks. Es verbietet sich daher, einzelne Teile eines Kunstwerks aus dessen Zusammenhang zu l\u00f6sen und gesondert darauf zu untersuchen, ob sie als Straftat zu w\u00fcrdigen sind\u201d (BVerfG, Beschl. v. 17.07.1984, Az. <a title=\"BVerfG, 17.07.1984 - 1 BvR 816\/82: Anachronistischer Zug\" href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=1%20BvR%20816\/82\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1 BvR 816\/82<\/a>).<em><br \/>\n<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Allein deshalb ist die Best\u00e4tigung des erstinstanzlichen Urteils als \u00e4u\u00dferst fragw\u00fcrdig anzusehen. Auch die Nichtzulassung der Revision ist in diesem Zusammenhang schwer nachvollziehbar. Die Erfolgsaussichten einer Nichtzulassungsbeschwerde sind dementsprechend als hoch einzustufen.<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>Es ist daher weiterhin <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/erdogan-legt-berufung-gegen-boehmermann-urteil-ein\">davon auszugehen, dass dieser Rechtsstreit sein Ende fr\u00fchestens vor dem Bundesgerichtshof finden<\/a> wird. Das \u201eSchm\u00e4hgedicht\u201c ist in seiner Gesamtinszenierung ein einheitliches Werk und muss daher auch so in seiner Gesamtschau unter Ber\u00fccksichtigung des Kontextes und des Aussagekerns beurteilt werden. Dabei wird auch der Bundesgerichtshof eine klare Trennlinie zwischen der politischen und der rechtlichen Ebene des Rechtstreits finden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nach der rein rechtlichen Beurteilung kann das Gedicht nicht als unzul\u00e4ssig bewertet werden, weil nur durch die harsche und schwerst beleidigende Art des Gedichts der Aussagekern der Satire im konkreten Kontext\u00a0&#8211; Was muss man als als Staatsoberhaupt erdulden und wogegen kann man sich zur Wehr setzen? &#8211; deutlich wird.<\/p>\n<p>Aufgrund der immer weiteren St\u00e4rkung der Meinungsfreiheit durch die Rechtsprechung musste B\u00f6hmermann letztlich so eindeutig in den verbotenen Bereich der Beleidigungen eindringen, um den Aussagegehalt seiner Satire entsprechend verdeutlichen zu k\u00f6nnen: Abgeschw\u00e4chtere Formen der Beleidungen in einem m\u00f6glichen Graubereich der Meinungsfreiheit h\u00e4tten nicht verdeutlicht, dass auch ein Staatsoberhaupt wie Erdogan, der in seiner Position mehr erdulden muss als der normale B\u00fcrger, nicht alles hinnehmen muss &#8211; wohl aber die vorhergehende zul\u00e4ssige Satire im \u201eextra 3\u201c-Beitrag, der er mit Zensur begegnen wollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Fall B\u00f6hmermann hat das Oberlandesgericht Hamburg heute \u00fcber die Berufung des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdogan und die Berufung des Satirikers Jan B\u00f6hmermann entschieden. 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