{"id":39132,"date":"2018-05-06T19:18:51","date_gmt":"2018-05-06T18:18:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de?p=39132"},"modified":"2018-05-07T10:14:28","modified_gmt":"2018-05-07T09:14:28","slug":"hinweispflicht-gericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/verhandlungsstrategie-prozesstaktik\/hinweispflicht-gericht\/","title":{"rendered":"Gericht muss auf Irrt\u00fcmer der Parteien hinweisen, auch wenn der Gegner darauf bereits &#8220;hingewiesen&#8221; hat"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_39136\" aria-describedby=\"caption-attachment-39136\" style=\"width: 424px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-39136 size-full\" title=\"Life is like a box of chocolates \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/box-of-chocolates.jpg\" alt=\"Hinweispflicht Gericht\" width=\"424\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/box-of-chocolates.jpg 424w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/box-of-chocolates-90x60.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-39136\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Michal Ludwiczak \u2013 Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der ZPO-Blog weist heute <a href=\"http:\/\/www.zpoblog.de\/hinweispflicht-\u00a7-139-zpo-gegenseite-entbehrlichkeit\/\">in einem lesenswerten Beitrag<\/a> auf einen landl\u00e4ufigen Irrtum im Zivilprozessrecht hin, der sogar von Oberlandesgerichten perpetuiert wird.<\/p>\n<h2>Umfang der Hinweispflichten<\/h2>\n<p>Gem. \u00a7 139 PZO muss hat\u00a0das Gericht<\/p>\n<ul>\n<li>durch Hinweise dahin zu wirken, dass die Parteien sich rechtzeitig und vollst\u00e4ndig \u00fcber alle erheblichen Tatsachen erkl\u00e4ren, insbesondere ungen\u00fcgende Angaben zu den geltend gemachten Tatsachen erg\u00e4nzen, die Beweismittel bezeichnen und die sachdienlichen Antr\u00e4ge stellen sowie<\/li>\n<li>eine Partei auf einen Gesichtspunkt hinzuweisen, den eine Partei erkennbar \u00fcbersehen oder f\u00fcr unerheblich gehalten hat, wenn dieser f\u00fcr die Entscheidung relevant ist.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Niederlage nur mit Vorwarnung<\/h2>\n<p>Hintergrund dieser Regelung ist, dass eine Partei, die den Sachverhalt oder die Rechtslage offenbar verkannt hat, den Rechtsstreit nicht nur deswegen verlieren soll, weil sie im Vertrauen auf diese falsche Einsch\u00e4tzung f\u00fcr sie g\u00fcnstigen Vortrag unterl\u00e4sst. Die Parteien des Rechtsstreits k\u00f6nnen somit in gewissem Umfang darauf vertrauen, auf solche Irrt\u00fcmer vom Gericht \u2013 zum Beispiel in der m\u00fcndlichen Verhandlung \u2013 \u00a0hingewiesen zu werden bzw. darauf, einen Rechtsstreit nicht alleine wegen eines solchen Irrtums ohne Vorwarnung zu verlieren.<\/p>\n<p>In den Gr\u00fcnden einer \u2013 h\u00e4ufig \u00fcberraschend \u2013 negativen gerichtlichen Entscheidung, m\u00fcssen\u00a0betroffene Parteien jedoch h\u00e4ufig lesen, dass sie sich zwar in einem gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/139.html\" title=\"&sect; 139 ZPO: Materielle Prozessleitung\">\u00a7 139 ZPO<\/a> relevanten Irrtum befunden haben m\u00f6gen, das Gericht dennoch nicht zu einem Hinweis verpflichtet gewesen sei, weil die betroffene Partei bereits durch den Prozessgegner \u201edie gebotene Unterrichtung erhalten\u201c habe oder \u201e\u00fcber die Rechtslage unterrichtet war\u201c (<a href=\"http:\/\/www.zpoblog.de\/hinweispflicht-\u00a7-139-zpo-gegenseite-entbehrlichkeit\/\">j\u00fcngere Rechtsprechungsnachweise dazu im ZPO-Blog<\/a>).<\/p>\n<h2>Gegnerischer Interessenvortrag\u00a0\u2260 gerichtlicher Hinweis<\/h2>\n<p>Benedikt Windau weist in seinem ZPO-Blog nun zu recht \u2013 zusammengefasst \u2013 darauf hin, dass dies bereits deshalb falsch ist, weil der &#8220;Hinweis&#8221; durch den &#8220;parteiischen&#8221; Gegner eine v\u00f6llig andere Qualit\u00e4t hat, als der des &#8220;unparteiischen&#8221; Gerichts:<\/p>\n<blockquote><p>Die \u201ehinweisbed\u00fcrftige\u201c Partei darf zu Recht annehmen, dass der Gegner v\u00f6llig andere Interessen verfolgt und allein deshalb anderer Ansicht ist (so ausdr\u00fccklich auch <em>Nober\/Ghassemi-Tabar<\/em>: NJW 2017, 3265, 3266, ebenso <em>Rensen<\/em>, MDR\u00a02006, 366, 367). Aufgrund dieser erkennbar anderen Interessenlage muss die betroffene Partei rechtlichen Ausf\u00fchrungen und \u201eHinweisen\u201c des Gegners nicht die gleiche Bedeutung beimessen, wie Hinweisen des Gerichts.<\/p><\/blockquote>\n<p>Am Rande weist Windau \u2013 \u00fcbrigens selbst Richter und daher wohl aus Erfahrung \u2013 darauf hin, dass insbesondere der bei Anw\u00e4lten sehr beliebte Hinweis, der gegnerische Parteivortrag nicht schl\u00fcssig sei, nicht nur prozessual unbeachtlich, sondern auch prozesstaktisch unklug sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Denn ihren Vortrag kann die Partei \u2013 im Rahmen der Verstp\u00e4tungsregeln \u2013 n\u00e4mlich jederzeit nachbessern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ZPO-Blog weist heute in einem lesenswerten Beitrag auf einen landl\u00e4ufigen Irrtum im Zivilprozessrecht hin, der sogar von Oberlandesgerichten perpetuiert wird. Umfang der Hinweispflichten Gem. \u00a7 139 PZO muss hat\u00a0das Gericht durch Hinweise dahin zu wirken, dass die Parteien sich rechtzeitig und vollst\u00e4ndig \u00fcber alle erheblichen Tatsachen erkl\u00e4ren, insbesondere ungen\u00fcgende Angaben zu den geltend gemachten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":39136,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[17284],"tags":[1295,3335,3361,17283],"class_list":["post-39132","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-verhandlungsstrategie-prozesstaktik","tag-gericht","tag-featured","tag-hinweispflicht","tag-zpo"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39132","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=39132"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39132\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/39136"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=39132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=39132"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=39132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}