{"id":38499,"date":"2018-04-12T06:08:06","date_gmt":"2018-04-12T05:08:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de?p=38499"},"modified":"2018-04-12T06:08:06","modified_gmt":"2018-04-12T05:08:06","slug":"boehmermann-erdogan-gedicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/boehmermann-erdogan-gedicht\/","title":{"rendered":"B\u00f6hmermann der Buhmann? Entscheidung \u00fcber Erdogan-Gedicht soll im Mai erfolgen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_38500\" aria-describedby=\"caption-attachment-38500\" style=\"width: 458px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-38500 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Fotolia_165904396_XS.jpg\" alt=\"B\u00f6hmermann Erdogan Gedicht\" width=\"458\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Fotolia_165904396_XS.jpg 458w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Fotolia_165904396_XS-90x51.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 458px) 100vw, 458px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38500\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Trueffelpix &#8211; fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Das OLG Hamburg verhandelte am 27. Februar erneut \u00fcber die Frage, ob das allseits bekannte und mit hoher Brisanz geladene \u201eSchm\u00e4hgedicht\u201c von Comedian Jan B\u00f6hmermann \u00fcber den t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Erdogan weitestgehend verboten bleiben soll. <\/i><\/p>\n<p><i>Das<\/i><i> Urteil wird am 15. Mai 2018 verk\u00fcndet.<\/i><\/p>\n<h2><b>Ursprung der Aff\u00e4re im M\u00e4rz 2016<\/b><\/h2>\n<p>Zur Auffrischung der Entstehungshistorie: Am 31.03.2016 verlas B\u00f6hmermann in seiner Sendung \u201eNeo Magazin Royale\u201c bei ZDF Neo die ber\u00fcchtigten Zeilen \u2013 ein erz\u00fcrnter t\u00fcrkischer Staatspr\u00e4sident beantragte daraufhin eine einstweilige Verf\u00fcgung vor dem Hamburger Landgericht, hatte der Moderator diesen dabei doch unter anderem als \u201esackdoof, feige und verklemmt\u201c bezeichnet, sowie ihn mit Kinderpornografie und Sodomie in Verbindung gebracht.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst gaben die Hamburger Richter im Zuge eines Eilverfahrens dem Staatspr\u00e4sidenten weitestgehend Recht (LG Hamburg, 17.05.2016, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=324%20O%20255\/16\" title=\"LG Hamburg, 17.05.2016 - 324 O 255\/16: Einstweilige Verf&uuml;gung gegen Jan B&ouml;hmermann wegen teilwe...\">324 O 255\/16<\/a>): So handele es sich bei dem Text zwar insgesamt um Satire, schm\u00e4hende und ehrverletzende Aussagen seien dennoch unzul\u00e4ssig \u2013 der \u00fcberwiegende Teil des Gedichtes stelle eben solche dar, so das Landgericht. Im Zuge einer einstweiligen Verf\u00fcgung wurde B\u00f6hmermann die Wiederholung eben dieser Zeilen dementsprechend untersagt.<\/p>\n<p>Auch im Hauptverfahren best\u00e4tigten die Richter diese Entscheidung (LG Hamburg, 10.02.2017, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=324%20O%20402\/16\" title=\"LG Hamburg, 10.02.2017 - 324 O 402\/16: Erdo&#x11F;an gegen B\u00f6hmermann auch im Hauptsacheverfahr...\">324 O 402\/16<\/a>) \u2013 wir berichteten:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urteil-in-der-boehmermann-affaere-das-landgericht-hamburg-verkuendet-seine-entscheidung\">Urteil in der B\u00f6hmermann-Aff\u00e4re: Das Landgericht Hamburg hat seine Entscheidung verk\u00fcndet<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Gegen diese Entscheidung legten sowohl Erdogan als auch B\u00f6hmermann Berufung ein: Der t\u00fcrkische Politiker wollte das Gedicht in seiner Gesamtheit verbieten lassen, der Late-Night Moderator pochte auf eine gro\u00dfz\u00fcgigere Auslegung der Kunstfreiheit sowie eine differenzierte Analyse des Textes als Gesamtwerk &#8211; auch hierzu berichteten wir bereits:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/news-ticker\/erdogan-legt-berufung-gegen-boehmermann-urteil-ein\">B\u00f6hmermann-Urteil: Erdogan legt Berufung ein<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2><b>Die Kernfrage lautet: Schm\u00e4hgedicht oder zul\u00e4ssige Satire? <\/b><\/h2>\n<p>Das Oberlandesgericht Hamburg teilte Inder m\u00fcndlichen Verhandlung durch den Vorsitzenden Richter Buske seine Auffassung mit, dass es sich bei dem Gedicht zun\u00e4chst grunds\u00e4tzlich um Satire handele. Diese Satirefreiheit kenne dennoch Grenzen, sp\u00e4testens bei Verletzungen der Menschenw\u00fcrde seien diese erreicht. Laut Aussage der Richter habe man dar\u00fcber zu entscheiden, ob das Gedicht als Gesamtwerk zu sehen sei, dementsprechend also zur Bewertung die Umst\u00e4nde der Ver\u00f6ffentlichung miteinbezogen werden m\u00fcssten \u2013 oder aber alternativ die Ma\u00dfst\u00e4be der Satirefreiheit auf einzelne Passagen oder Zeilen anzuwenden seien.<\/p>\n<p>Ferner k\u00f6nne dem Gedicht nicht entnommen werden, dass hier tats\u00e4chlich auf die Person Erdogans abgezielt werde &#8211; vielmehr sei &#8220;sonnenklar&#8221;, dass Erdogan hier nicht in aller Ernsthaftigkeit gemeint sein k\u00f6nne. Dennoch teilte Buske mit, dass die Entscheidung der Vorinstanz in den Vorberatungen einhellig als nachvollziehbar und sorgf\u00e4ltig erarbeitet erachtet worden sei.<\/p>\n<h2>B\u00f6hmermann-Anwalt contra OLG Hamburg<\/h2>\n<p>Auf die Aussage, die Zeilen zielten nicht eindeutig auf die Person des Pr\u00e4sidenten ab, st\u00fcrzte sich im Anschluss an die Mitteilung B\u00f6hmermanns Anwalt Christian Schertz: Wenn Erdogan nicht pers\u00f6nlich angegriffen werde, k\u00f6nne es sich faktisch auch nicht um Schm\u00e4hkritik handeln. Denn diese setze immer die unsachliche, direkte und pers\u00f6nliche Diffamierung des Gegenparts voraus &#8211; f\u00fcr eine Schm\u00e4hung sei stets ein realer Bezug erforderlich, an einem solchen mangele es ganz offensichtlich, <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/persoenlichkeitsrecht\">Pers\u00f6nlichkeitsrechte<\/a> des Pr\u00e4sidenten k\u00f6nnten demnach nicht verletzt worden sein.<\/p>\n<p>Zur Kontroverse Schm\u00e4hkritik contra zul\u00e4ssige Satire hatten wir bereits im April 2016 berichtet:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/zum-fall-boehmermann-die-zulaessigkeit-des-schmaehgedichts\">Zum Fall B\u00f6hmermann: Die Zulassung des Schm\u00e4hgedichts<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Besagte Gesamtbetrachtung, ergo die Bewertung des Gedichtes im Rahmen der &#8220;Einbettung&#8221; in die Fernsehshow, sei laut Ansicht des Anwalts bei der Entscheidungsfindung in der Vorinstanz viel zu sehr vernachl\u00e4ssigt worden &#8211; die Zeilen seien im Rahmen einer Satiresendung dargeboten worden, was eindeutig gegen den Charakter einer Schm\u00e4hung spreche.<\/p>\n<p>Dem hielt Mustafa Kaplan, Anwalt des t\u00fcrkischen Staatspr\u00e4sidenten, entgegen, dass der durchschnittliche Zuschauer eine derartige Differenzierung \u00fcberwiegend nicht vornehme &#8211; es verbleibe der Eindruck, Erdogan solle prim\u00e4r beleidigt werden. Dar\u00fcber hinaus sei\u00a0Rassismus und Menschenverachtung stets widerw\u00e4rtig und verabscheuungsw\u00fcrdig, und k\u00f6nne daher auch nie mit der Kunst- oder Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden.<\/p>\n<p>B\u00f6hmermann selber \u00e4u\u00dferte sich prim\u00e4r zu der Frage, inwiefern Satire tats\u00e4chlich vom Zuschauer auch als solche verstanden werden m\u00fcsse: Satire diene dabei prim\u00e4r der Aufkl\u00e4rung, ohne einen Machtanspruch zu verwirklichen &#8211; ihr tieferer Sinn m\u00fcsse dabei nicht von jedermann gleicherma\u00dfen erkennbar und interpretierbar sein.<\/p>\n<h2>Fazit: Entscheidung des Oberlandesgericht noch nicht absehbar<\/h2>\n<p>Die Aussagen im Anschluss an die Verhandlungen sprechen durchaus f\u00fcr eine brisante Entscheidung im Mai. Offenkundig ist man sich \u00fcber eine endg\u00fcltige Bewertung aktuell noch nicht im Klaren: Zwar begr\u00fc\u00dften die Richter am OLG die Entscheidung der Vorinstanz. Ein pers\u00f6nlicher, ernsthafter Angriff gegen Erdogan sei aber aufgrund der offenkundigen \u00dcberzogenheit der Zeilen wiederum nicht anzunehmen. Ob und inwieweit das Geschriebene als Gesamtwerk, unter Einbezug der Art und Weise des Vortrags und Ausstrahlung betrachtet werden wird, ist derweil auch noch offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das OLG Hamburg verhandelte am 27. Februar erneut \u00fcber die Frage, ob das allseits bekannte und mit hoher Brisanz geladene \u201eSchm\u00e4hgedicht\u201c von Comedian Jan B\u00f6hmermann \u00fcber den t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Erdogan weitestgehend verboten bleiben soll. Das Urteil wird am 15. Mai 2018 verk\u00fcndet. 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