{"id":37902,"date":"2018-02-20T19:50:17","date_gmt":"2018-02-20T18:50:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de?p=37902"},"modified":"2020-05-05T23:29:33","modified_gmt":"2020-05-05T21:29:33","slug":"bgh-entscheidet-erneut-ueber-jameda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/bgh-entscheidet-erneut-ueber-jameda\/","title":{"rendered":"BGH: Jameda muss Arzt-Profile l\u00f6schen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_50889\" aria-describedby=\"caption-attachment-50889\" style=\"width: 472px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-50889\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/\u00c4rzte-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"472\" height=\"289\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-50889\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Chinnapong &#8211; Adobe Stock<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es gibt eine neue Entwicklung in der Jameda-Rechtsprechung des BGH. Am 20.02.2018 hat der BGH (AZ <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%2030\/17\" title=\"BGH, 20.02.2018 - VI ZR 30\/17: jameda.de - Speicherung und &Uuml;bermittlung personenbezogener Daten...\">VI ZR 30\/17<\/a> &#8211; Urteil lag bei Verfassung des Artikels noch nicht vor) erneut \u00fcber einen Jameda-Fall entschieden. Aus der <a href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;Datum=Aktuell&amp;Sort=3&amp;nr=80981&amp;linked=pm&amp;Blank=1\">Pressemitteilung<\/a> des BGH ergibt sich eine sehr interessante Entwicklung.<\/p>\n<h2><strong>Im Jahr 2014: Keine L\u00f6schung der Profile<\/strong><\/h2>\n<p>In einem Jameda-Urteil vom 23.09.2014 (AZ <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20358\/13\" title=\"BGH, 23.09.2014 - VI ZR 358\/13: Kein Anspruch eines Arztes auf L&ouml;schung seiner Daten aus einem ...\">VI ZR 358\/13<\/a>) hatte der BGH bereits \u00fcber die Zul\u00e4ssigkeit der Speicherung von personenbezogenen Daten entschieden. Damals begehrte ein Arzt nicht nur die <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/jameda-bewertung-loeschen-lassen\">Beseitigung einzelner Bewertungen<\/a>, sondern\u00a0die vollst\u00e4ndige L\u00f6schung seines Profils. Der BGH erteilte ihm eine Absage. Pikant am damaligen Fall war, dass der Arzt erst w\u00e4hrend des Revisionsverfahrens vorgetragen hatte, dass Jameda &#8220;<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/news-ticker\/bewertungen-bei-jameda-gleiches-recht-fuer-alle\">Premium-Pakete<\/a>&#8221; anbiete, die den \u00c4rzten eine vorteilhaftere Darstellung bieten.<\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen den Nutzern des &#8220;Premium-Paktes&#8221; und den &#8220;anderen \u00c4rzten&#8221; sei folgender: Beim Aufruf des Arztprofils werde bei den \u00c4rzten mit Premium-Paket keine Werbung konkurrierender \u00c4rzte eingeblendet. Bei den Profilen der \u00c4rzte ohne Premium-Paket werde hingegen Werbung der im r\u00e4umlichen Umfeld konkurrierender \u00c4rzte gleicher Fachrichtung mit &#8220;besserer&#8221; Bewertung eingeblendet. Zu dem Problem hatten wir bereits im folgende Beitrag berichtet:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/news-ticker\/bewertungen-bei-jameda-gleiches-recht-fuer-alle\">Bewertungen bei jameda \u2013 Gleiches Recht f\u00fcr alle?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieser Vortrag zu der unterschiedlichen Behandlung der Profile konnte im damaligen Urteil aus prozessualen Gr\u00fcnden nicht ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\">\n<p><a class=\"typeform-share button myButton\" style=\"display: inline-block; text-decoration: none; background-color: #273f94; color: white; cursor: pointer; font-family: Helvetica,Arial,sans-serif; font-size: 20px; line-height: 50px; text-align: center; margin: 0; height: 50px; padding: 0px 33px; border-radius: 0px; max-width: 100%; white-space: nowrap; overflow: hidden; text-overflow: ellipsis; font-weight: bold; -webkit-font-smoothing: antialiased; -moz-osx-font-smoothing: grayscale;\" href=\"https:\/\/arnolampmann.typeform.com\/to\/tKRoYv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-mode=\"popup\" data-hide-headers=\"true\" data-hide-footer=\"true\" data-submit-close-delay=\"10\">Bewertungs-Schnelltest<\/a> <script> (function() { var qs,js,q,s,d=document, gi=d.getElementById, ce=d.createElement, gt=d.getElementsByTagName, id=\"typef_orm_share\", b=\"https:\/\/embed.typeform.com\/\"; if(!gi.call(d,id)){ js=ce.call(d,\"script\"); js.id=id; js.src=b+\"embed.js\"; q=gt.call(d,\"script\")[0]; q.parentNode.insertBefore(js,q) } })() <\/script><\/p>\n<\/div>\n<h2><strong>Im Jahr 2018: L\u00f6schung der Profile m\u00f6glich<\/strong><\/h2>\n<p>In der aktuellen Entscheidung wurde der Vortrag zu der unterschiedlichen Behandlung der Profile ber\u00fccksichtigt und f\u00fchrte zu einer abweichenden, gegenteiligen Abw\u00e4gung der grundrechtlichen Interessenlage und damit zum Erfolg des klagenden Arztes.<\/p>\n<p>Der BGH f\u00fchrt in der Pressemitteilung aus:<\/p>\n<p>Der vorliegende Fall unterscheidet sich vom damaligen in einem entscheidenden Punkt. Mit der vorbeschriebenen, mit dem Bewertungsportal verbundenen Praxis verl\u00e4sst die Beklagte ihre Stellung als &#8220;neutraler&#8221; Informationsmittler. W\u00e4hrend sie bei den nichtzahlenden \u00c4rzten dem ein Arztprofil aufsuchenden Internetnutzer die &#8220;Basisdaten&#8221; nebst Bewertung des betreffenden Arztes anzeigt und ihm mittels des eingeblendeten Querbalkens &#8220;Anzeige&#8221; Informationen zu \u00f6rtlich konkurrierenden \u00c4rzten bietet, l\u00e4sst sie auf dem Profil ihres &#8220;Premium&#8221;-Kunden \u2013 ohne dies dort dem Internetnutzer hinreichend offenzulegen \u2013 solche \u00fcber die \u00f6rtliche Konkurrenz unterrichtenden werbenden Hinweise nicht zu.<\/p>\n<p>Nimmt sich die Beklagte aber in dieser Weise zugunsten ihres Werbeangebots in ihrer Rolle als &#8220;neutraler&#8221; Informationsmittler zur\u00fcck, dann kann sie ihre auf das Grundrecht der Meinungs- und Medienfreiheit (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/5.html\" title=\"Art. 5 GG\">Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/MRK\/10.html\" title=\"Art. 10 MRK: Freiheit der Meinungs&auml;u&szlig;erung\">Art. 10 EMRK<\/a>) gest\u00fctzte Rechtsposition gegen\u00fcber dem Recht der Kl\u00e4gerin auf Schutz ihrer personenbezogenen Daten (Recht auf informationelle Selbstbestimmung, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/2.html\" title=\"Art. 2 GG\">Art. 2 Abs. 1<\/a> i. V. m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/1.html\" title=\"Art. 1 GG\">Art. 1 Abs. 1 GG<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/MRK\/8.html\" title=\"Art. 8 MRK: Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens\">Art. 8 Abs. 1 EMRK<\/a>) auch nur mit geringerem Gewicht geltend machen. Das f\u00fchrt hier zu einem \u00dcberwiegen der Grundrechtsposition der Kl\u00e4gerin, so dass ihr ein &#8220;schutzw\u00fcrdiges Interesse an dem Ausschluss der Speicherung&#8221; ihrer Daten (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BDSG\/29.html\" title=\"&sect; 29 BDSG: Rechte der betroffenen Person und aufsichtsbeh&ouml;rdliche Befugnisse im Fall von Geheimhaltungspflichten\">\u00a7 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG<\/a>) zuzubilligen ist.<\/p>\n<h2><strong>Arzt kann L\u00f6schung auf Jameda verlangen<\/strong><\/h2>\n<p>Das Ergebnis ist ein Paukenschlag und d\u00fcrfte Musik in den Ohren der \u00c4rzte sein: Sie k\u00f6nnen nicht nur die <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/reputationsmanagement-2\/jameda-bewertung-loeschen\">L\u00f6schung einzelner Jameda-Bewertungen<\/a>, sondern die L\u00f6schung des gesamten Profils auf Jameda verlangen.<\/p>\n<p>Wie man auf einzelne Jameda-Bewertungen reagieren kann, haben wir im folgenden Beitrag bereits beschrieben:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/negative-bewertungen\">Negative Bewertungen: Die 5 gr\u00f6\u00dften Fehler und die 5 besten Reaktionsm\u00f6glichkeiten<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Jameda sieht das anders<\/h2>\n<p>Jameda selbst sieht das laut einer heutigen <a href=\"https:\/\/www.jameda.de\/presse\/pressemeldungen\/?meldung=207\">Pressemitteilung<\/a> offenbar etwas anders. Dort wird behauptet, dass \u00c4rzte sich nach wie vor nicht aus Jameda l\u00f6schen lassen k\u00f6nnten. Diese Aussage ist \u2013 gelinde gesagt \u2013 gewagt.<\/p>\n<p>Es ist nachvollziehbar, dass Jameda das Narrativ um die BGH-Entscheidung, die das (bisherige) Gesch\u00e4ftsmodell in seinen Grundfesten ersch\u00fcttert, gerne kontrollieren und ihm einen positiven Spin geben m\u00f6chte. Ebenfalls trifft zu, dass Gerichte immer nur \u00fcber den konkreten Sachverhalt entscheiden und \u00a0entsprechende Urteile daher nicht unbesehen auf zuk\u00fcnftige F\u00e4lle \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Dennoch lehnt sich Jameda mit seiner Aussage, dass \u00c4rzte sich &#8220;weiterhin&#8221; nicht auf von der Plattform l\u00f6schen lassen k\u00f6nnten, ziemlich weit aus dem Fenster.<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\">\n<p><a class=\"typeform-share button myButton\" style=\"display: inline-block; text-decoration: none; background-color: #273f94; color: white; cursor: pointer; font-family: Helvetica,Arial,sans-serif; font-size: 20px; line-height: 50px; text-align: center; margin: 0; height: 50px; padding: 0px 33px; border-radius: 0px; max-width: 100%; white-space: nowrap; overflow: hidden; text-overflow: ellipsis; font-weight: bold; -webkit-font-smoothing: antialiased; -moz-osx-font-smoothing: grayscale;\" href=\"https:\/\/arnolampmann.typeform.com\/to\/tKRoYv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-mode=\"popup\" data-hide-headers=\"true\" data-hide-footer=\"true\" data-submit-close-delay=\"10\">Bewertungs-Schnelltest<\/a> <script> (function() { var qs,js,q,s,d=document, gi=d.getElementById, ce=d.createElement, gt=d.getElementsByTagName, id=\"typef_orm_share\", b=\"https:\/\/embed.typeform.com\/\"; if(!gi.call(d,id)){ js=ce.call(d,\"script\"); js.id=id; js.src=b+\"embed.js\"; q=gt.call(d,\"script\")[0]; q.parentNode.insertBefore(js,q) } })() <\/script><\/p>\n<\/div>\n<p>Denn f\u00fcr zuk\u00fcnftige F\u00e4lle wird es darauf ankommen, ob das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/news-ticker\/bewertungen-bei-jameda-gleiches-recht-fuer-alle\">Gesch\u00e4ftsmodell der Ungleichbehandlung von \u00c4rzten<\/a> mit lediglich einem Basiseintrag auf der einen und denen mit einem kostenpflichtigen Premiumeintrag auf der anderen Seite von jameda tats\u00e4chlich rechtskonform korrigiert werden wird. Das ist zwar nicht unm\u00f6glich, d\u00fcrfte sich jedoch recht schwierig gestalten, wenn Jameda nicht einen entscheidenden Effekt seines Modells vollst\u00e4ndig verlieren will: Es liegt auf der Hand, dass ein &#8220;zwangsgelisteter&#8221; Arzt mit lediglich einem Basiseintrag viel eher geneigt sein wird, zu einem kostenpflichtigen Premiumeintrag zu wechseln wenn er damit nicht nur sich selber hervorheben kann, sondern wei\u00df, dass er auch im direkten Vergleich mit den einfach gelistet \u00c4rzten positiver dargestellt wird und damit gewisserma\u00dfen &#8220;zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen&#8221; kann.<\/p>\n<p>Nicht besonders stilsicher ist es schlie\u00dflich, dass Jameda sich nicht verkneifen kann, der klagenden \u00c4rztin, die nach einer jahrelangen Reise durch die Instanzen nunmehr endlich vom h\u00f6chsten deutschen Zivilgericht Recht bekam, \u00a0durch den Hinweis auf den f\u00fcr den Fall nicht entscheidenden Aspekt noch eine Spitze zu setzen, dass der Klage auf L\u00f6schung aus dem Arztverzeichnis &#8220;kritische&#8221; Bewertungen vorausgegangen seien, welche die K\u00f6lner Dermatologin auf jameda von Patienten erhalten hatte.<\/p>\n<p>Sobald die Entscheidung im Volltext vorliegt werden wir hier dazu ausf\u00fchrlicher Stellung nehmen.<\/p>\n<p class=\"hs-cta-wrapper\" id=\"hs-cta-wrapper-9907310d-49f5-4b08-8fd2-4369b7e23dd6\"><span class=\"hs-cta-node hs-cta-9907310d-49f5-4b08-8fd2-4369b7e23dd6\" id=\"hs-cta-9907310d-49f5-4b08-8fd2-4369b7e23dd6\"><a href=\"https:\/\/cta-redirect.hubspot.com\/cta\/redirect\/7036071\/9907310d-49f5-4b08-8fd2-4369b7e23dd6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"hs-cta-img\" id=\"hs-cta-img-9907310d-49f5-4b08-8fd2-4369b7e23dd6\" style=\"border-width:0px;\" src=\"https:\/\/no-cache.hubspot.com\/cta\/default\/7036071\/9907310d-49f5-4b08-8fd2-4369b7e23dd6.png\"  alt=\"\"><\/a><\/span><\/p><script charset=\"utf-8\" defer src=\"https:\/\/js.hscta.net\/cta\/current.js\"><\/script><script type=\"text\/javascript\">window.addEventListener(\"load\", function () {hbspt.cta.load(7036071, \"9907310d-49f5-4b08-8fd2-4369b7e23dd6\", {});});<\/script>\n<h2>UPDATE 4.5.2018<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/datenschutzrecht\/update-die-jameda-entscheidung-des-bgh\">Volltext liegt vor: Die Jameda-Entscheidung des BGH<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt eine neue Entwicklung in der Jameda-Rechtsprechung des BGH. 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