{"id":37445,"date":"2018-05-08T07:45:49","date_gmt":"2018-05-08T06:45:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de?p=37445"},"modified":"2019-08-28T08:59:13","modified_gmt":"2019-08-28T07:59:13","slug":"deutschland-und-amerika-sind-loot-boxen-illegales-gluecksspiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/e-sportrecht\/deutschland-und-amerika-sind-loot-boxen-illegales-gluecksspiel\/","title":{"rendered":"Deutschland und USA: Sind Loot-Boxen illegales Gl\u00fccksspiel?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_37449\" aria-describedby=\"caption-attachment-37449\" style=\"width: 346px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-37449 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Fotolia_165218677_XS-1.jpg\" alt=\"Loot-Boxen illegales Gl\u00fccksspiel\" width=\"346\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Fotolia_165218677_XS-1.jpg 346w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Fotolia_165218677_XS-1-44x44.jpg 44w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Fotolia_165218677_XS-1-90x90.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 346px) 100vw, 346px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-37449\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 ivector &#8211; fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Mikrotransaktionen werden bei Videospielen schon seit Jahren immer beliebter. Besonders beliebt sowohl bei Herstellern, als auch bei Spielern sind so genannte Loot-Boxen. Jetzt ist eine politische bzw. rechtliche Diskussion\u00a0dar\u00fcber\u00a0aufgeflammt, ob es sich bei Loot-Boxen um illegales Gl\u00fccksspiel handeln k\u00f6nnte.<\/i><\/p>\n<h2>Was sind Loot-Boxen?<\/h2>\n<p>Bei Loot-Boxen (&#8220;Loot&#8221; hei\u00dft auf deutsch &#8220;Beute&#8221; oder &#8220;Raubgut&#8221;) handelt es sich um Beh\u00e4lter, in denen zuf\u00e4llige Spiel-Gegenst\u00e4nde enthalten sind. Meistens sind dies optische Aufbesserungen f\u00fcr Spieler-Avatare. Es kann sich aber auch um neue F\u00e4higkeiten f\u00fcr Charaktere oder bessere Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde handeln.<\/p>\n<p>Der Spieler kann diese Boxen in Spielen wie Overwatch oder Star-Wars Battlefront II sowohl durch Level-Ups im Spiel, als auch durch Bezahlung erhalten. Je h\u00f6her das Level des Spielers wird, desto l\u00e4nger muss er bis zum n\u00e4chsten Level-Up spielen und somit auch auf die n\u00e4chste kostenlose Loot-Box warten.<\/p>\n<p>Loot-Boxen k\u00f6nnen bei den meisten Spielen auch durch Bezahlung mit Geld oder mit einer In-Game-W\u00e4hrung erlangt werden. Die In-Game-W\u00e4hrung wiederum erh\u00e4lt der Spieler durch fortdauerndes Spielen des Spiels. Er kann sie aber auch gegen Zahlung einer echten W\u00e4hrung fr\u00fcher bekommen.<\/p>\n<h2>Gemeinsamkeiten von Gl\u00fccksspiel und Loot-Boxen<\/h2>\n<p>Von Experten wird kritisiert, dass die &#8220;Jagd&#8221; nach Loot-Boxen, \u00e4hnlich wie herk\u00f6mmliches Gl\u00fccksspiel, bestimmte Auswirkungen auf das menschliche Gehirn hat. Allein die Hoffnung auf einen m\u00f6glichen &#8220;Gewinn&#8221; bewirkt die Aussch\u00fcttung von Gl\u00fcckshormonen im menschlichen K\u00f6rper. Ein tats\u00e4chlicher Gewinn verst\u00e4rkt die Aussch\u00fcttung von Hormonen zwar, ist aber nicht zwingend notwendig. Diesen Mechanismus machen sich offenbar nicht nur traditionelle Gl\u00fccksspiele, sondern auch die Erfinder der Loot-Boxen zunutze.<\/p>\n<h2>Ilegales Gl\u00fccksspiel in Deutschland?<\/h2>\n<p>Loot-Boxen liegen nach der deutschen Rechtslage in einem Grenzgebiet zwischen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/284.html\" title=\"&sect; 284 StGB: Unerlaubte Veranstaltung eines Gl&uuml;cksspiels\">\u00a7 284 StGB<\/a> und erlaubten Kauftransaktionen innerhalb eines Spiels.<\/p>\n<p>Illegales Gl\u00fccksspiel ist jede \u00f6ffentliche Veranstaltung von Gl\u00fccksspiel, die nicht von den Beh\u00f6rden genehmigt wurde. Der Gl\u00fccksspielbegriff ist nach der Rechtssprechung des BGH einheitlich zu \u00a7 3 Abs. 1 Gl\u00fcStV auszulegen. Danach ist ein Gl\u00fccksspiel immer dann gegeben, wenn eine Gewinnchance, die von einem zuf\u00e4lligen Ereignis abh\u00e4ngt gegen ein Entgelt angeboten wird. Mit Loot-Boxen kann die Chance auf den Erhalt von spielinternen Gegenst\u00e4nde erworben werden, die in einem daf\u00fcr vorgegeben Rahmen durch das Zufallsprinzip bestimmt wird. Das Anbieten der Boxen in den Spielen ist \u00f6ffentlich, sodass die Frage, ob es sich um illegales Gl\u00fccksspiel nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/284.html\" title=\"&sect; 284 StGB: Unerlaubte Veranstaltung eines Gl&uuml;cksspiels\">\u00a7 284 StGB<\/a> handelt, lediglich davon abh\u00e4ngt ob die Gegenst\u00e4nde in Spielen ein &#8220;Gewinn&#8221; im Rechtssinne darstellen.<\/p>\n<h2>\u201eGewinn\u201c oder \u201ewertloser\u201c Gegenstand<\/h2>\n<p>Ein &#8220;Gewinn&#8221; w\u00e4ren diese Gegenst\u00e4nde nur dann, wenn sie einen nicht unerheblichen Verm\u00f6genswert darstellen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die Annahme eines Verm\u00f6genswertes ist in zwei F\u00e4llen denkbar. Einerseits wird ein Verm\u00f6genswert dann gegeben sein, wenn dieselben Gegenst\u00e4nde innerhalb des Spiels auch einzeln gegen ein Entgelt gekauft werden k\u00f6nnten, andererseits, wenn die Gegenst\u00e4nde auf Plattformen mit dem Einverst\u00e4ndnis des Herstellers unter den Spielern gehandelt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Solche \u201eMarketplaces\u201c werden gerade von gro\u00dfen Spiele-Plattformen, wie zum Beispiel Steam oder Origin betreiben, wobei die Spielehersteller selbst entscheiden k\u00f6nnen, ob sie ihre Gegenst\u00e4nde f\u00fcr den Handel freischalten. Sind diese beiden M\u00f6glichkeiten nicht gegeben, wird es sich nicht um einen Verm\u00f6genswert handeln, sondern lediglich um einen Gegenstand mit einem subjektiv-ideellen Wert. Ein etwaiger Verkauf der Gegenst\u00e4nde auf anderen Plattformen, f\u00fcr die der Hersteller nicht verantwortlich ist, kann diesem nicht zugerechnet werden.<\/p>\n<p>Der Spielehersteller kann beide Alternativen, die potentiell zu einem illegalen Gl\u00fccksspiel f\u00fchren, ohne weitere Probleme verhindern. Inwiefern dies seinen wirtschaftlichen Interessen entspricht ist hingegen eine andere Frage.<\/p>\n<h2>Wie sieht die Rechtslage in den USA aus?<\/h2>\n<p>In den USA ist die Diskussion \u2013 insbesondere durch Stimmen konservativer Politiker \u2013 ebenfalls in den Fokus ger\u00fcckt. Die amerikanische Rechtslage ist vor allem entscheidend, da viele Entwickler von Spielen in Amerika ihren Sitz haben. Die Spielehersteller richten sich daher gr\u00f6\u00dftenteils nach dem amerikanischen Recht, zumal sie in Amerika auch einen gro\u00dfen Teil ihres Absatzes erzielen.<\/p>\n<p>Nach dem amerikanischen Recht wird Gl\u00fccksspiel wie folgt definiert: \u201epayment of price for the chance to win a prize\u201c. Es muss also ein Preis gezahlt werden, um die M\u00f6glichkeit zu erhalten, einen Preis zu gewinnen. \u00c4hnlich wie im deutschen Recht.<\/p>\n<p>Allerdings ist im amerikanischen Recht anerkannt, dass auch die Gefahr bestehen muss, den gezahlten Preis vollst\u00e4ndig zu verlieren. Gerade das ist bei Loot-Boxen nicht der Fall, der Spieler erh\u00e4lt immer einen Gegenwert f\u00fcr den gezahlten Preis. Dieser Gegenwert ist vielleicht oft nicht das, was der Spieler gerne gehabt h\u00e4tte. Diese Wahrnehmung ist jedoch rein subjektiv. Jeder Spieler h\u00e4tte zu jeder Zeit den einen oder anderen Gegenstand lieber oder er bevorzugt bestimmte Dinge f\u00fcr bestimmte Charaktere.<\/p>\n<p>Wie diese Diskussion in den USA ausgehen wird, l\u00e4sst sich anhand vergangener F\u00e4lle wie folgt vermuten.<\/p>\n<h2>Fr\u00fchere Rechtssprechung<\/h2>\n<p>Bereits in den 1990er Jahren gab es eine Debatte dar\u00fcber, ob es sich bei Baseball-Karten um illegales Gl\u00fccksspiel handelt oder nicht. Die Hersteller der Sammelkarten fingen irgendwann an, ihren Karten-Packs goldene, besonders seltene Karten hinzuzuf\u00fcgen. Schon damals stellten Gerichte zur Beurteilung, ob es sich bei dem Angebot dieser Packs um Gl\u00fccksspiel handeln k\u00f6nnte, darauf ab, dass der K\u00e4ufer jedesmal einen Gegenwert erh\u00e4lt, wenn er die Kartenpackungen kauft, er also seinen Kaufpreis nie vollst\u00e4ndig riskiert. Denselben Grunds\u00e4tzen folgte die Rechtssprechung bei dem Verkauf von Pokemon-Sammelkarten. Ob sich diese Rechtssprechung durch den wachsenden politischen Druck \u00e4ndern wird, bleibt abzuwarten.<\/p>\n<h2>Fazit und Ausblick<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend in den USA &#8211; soweit die Rechtslage nicht durch die Politik ver\u00e4ndert wird &#8211; wohl kein Grund zur Sorge besteht, sollten die Spielehersteller in Deutschland Vorsicht walten lassen. Je nach Ausgestaltung der Loot-Boxen kann daraus rechtlich schnell ein illegales Gl\u00fccksspiel werden. Die Grenzen des Gl\u00fccksspiels sollten jedoch klar erkennbar bleiben. Wo f\u00e4ngt Gl\u00fccksspiel an und wo h\u00f6rt es auf? Ist auch jeder Kauf von Gummib\u00e4rchen im Supermarkt Gl\u00fccksspiel, weil man hofft viele rote zu bekommen und mehrheitlich wei\u00dfe erh\u00e4lt? Diese Art des Schutzes der Erwartungshaltung von K\u00e4ufern kann nicht der Sinn der Regelungen zu illegalem Gl\u00fccksspiel sein.<\/p>\n<p>In den Niederlanden zeichnet sich jetzt die potentielle Entwicklung f\u00fcr Deutschland ab. Die niederl\u00e4ndische Gl\u00fccksspielbeh\u00f6rde hat einige Spieleentwickler aufgefordert ihre Loot-Boxen zu \u00e4ndern. Bis Mitte Juni sollen die Spielehersteller daf\u00fcr sorgen, dass die &#8220;Gewinne&#8221; keinen wirtschaftlichen Wert mehr besitzen, ansonsten droht ein Verbot. \u00c4hnlich k\u00f6nnten auch die deutschen Beh\u00f6rden verfahren, da sich die Rechtslage in den streitigen Punkten nicht unterscheidet.<\/p>\n<p>Inwiefern das Verbot eines Features, welches sowohl vielen Spielern Freude bereitet, als auch im Interesse des Unternehmens ist, notwendig ist, bleibt offen. Unserer Meinung nach w\u00e4re es sinnvoll \u2013 insbesondere aus Jugendschutzgr\u00fcnden eine Regulierung vorzunehmen. Ob dies allerdings \u00fcber das Strafrecht geschehen sollte, ist fraglich. Es sind einige andere L\u00f6sungsans\u00e4tze denkbar, zum Beispiel die Schaffung eines neuen Fall auf der schwarzen Liste im <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/wettbewerbsrecht\">Wettbewerbsrecht<\/a> oder die Anpassung von USK-Freigaben.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnten auch Mitbewerber eine problematische Ausgestaltung von In-game-features \u00fcber den Weg des Rechtsbruchs (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/3a.html\" title=\"&sect; 3a UWG: Rechtsbruch\">\u00a7 3a UWG<\/a>) mittels <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/schutz-vor-abmahnungen\">Abmahnungen und einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahren<\/a> sanktionieren ohne, dass ein Versto\u00df auch sofort \u00a0den Staatsanwalt auf den Plan rufen w\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mikrotransaktionen werden bei Videospielen schon seit Jahren immer beliebter. Besonders beliebt sowohl bei Herstellern, als auch bei Spielern sind so genannte Loot-Boxen. 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