{"id":36801,"date":"2018-01-17T06:30:37","date_gmt":"2018-01-17T05:30:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de?p=36801"},"modified":"2023-08-30T16:55:06","modified_gmt":"2023-08-30T14:55:06","slug":"kuendigung-wegen-tonmitschnitt-verletzung-der-unbefangenheit-des-wortes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/kuendigung-wegen-tonmitschnitt-verletzung-der-unbefangenheit-des-wortes\/","title":{"rendered":"K\u00fcndigung wegen Gespr\u00e4chs-Mitschnitt: Verletzung der Unbefangenheit des Wortes"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_36802\" aria-describedby=\"caption-attachment-36802\" style=\"width: 414px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-36802 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Fotolia_186576795_XS.jpg\" alt=\"Unbefangenheit des Wortes Pers\u00f6nlichkeitsrecht\" width=\"414\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Fotolia_186576795_XS.jpg 414w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Fotolia_186576795_XS-90x63.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 414px) 100vw, 414px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-36802\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 adam121- fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Darf man ein Personalgespr\u00e4ch heimlich mitschneiden? Das hessische Landesarbeitsgericht beantwortete diese Frage mit einem klaren Nein. Es liege ein eindeutige Verletzung des allgemeinen <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/medienrecht-persoenlichkeitsrecht\/\">Pers\u00f6nlichkeitsrechts<\/a> in Form der Unbefangenheit des Wortes vor.<\/em><\/p>\n<h2>Angespannte Arbeitsverh\u00e4ltnisse<\/h2>\n<p>Wenn Kollegen als \u201eLow-Performer\u201c, \u201efaule Mistk\u00e4fer\u201c oder \u201efaule Schweine\u201c bezeichnet werden, ist das definitiv nicht der Umgang, den der Arbeitgeber in seinem Unternehmen w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Ein Arbeitnehmer aus Hessen erhielt f\u00fcr diese Aussagen zwei Abmahnungen. Als er zum wiederholten Mal eine Kollegin beleidigte und ihr pers\u00f6nlich drohte, lud ihn die Personalabteilung zu einem Gespr\u00e4ch ein. Bei diesem Gespr\u00e4ch legte der Arbeitnehmer sein Handy auf den Tisch und zeichnete das Gespr\u00e4ch ohne darauf hinzuweisen auf. Daraufhin wurde er von seiner Arbeitgeberin fristlos gek\u00fcndigt und klagte gegen diese K\u00fcndigung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main.<\/p>\n<h2>Verletzung der Unbefangenheit des Wortes<\/h2>\n<p>Sowohl das Arbeitsgericht Frankfurt am Main, als auch das hessische Landesarbeitsgericht sahen in diesem Verhalten einen Grund f\u00fcr eine fristlose K\u00fcndigung aus wichtigem Grund (Hess. LAG, Urteil v. 23.8.2017, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20Sa%20137\/17\" title=\"LAG Hessen, 23.08.2017 - 6 Sa 137\/17: Rechtm&auml;&szlig;ige au&szlig;erordentliche K&uuml;ndigung wegen heimlich auf...\">6 Sa 137\/17<\/a>). Dieser Grund sei die Verletzung des allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrechts aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/2.html\" title=\"Art. 2 GG\">Art. 2 Abs. 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/1.html\" title=\"Art. 1 GG\">Art. 1 Abs. 2 GG<\/a>.<\/p>\n<p>Das allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrecht umfasst nach der Rechtsprechung auch das Recht der Unbefangenheit des Wortes. Unter der Unbefangenheit des Wortes versteht man, dass jeder selbst bestimmen kann an welchen Personenkreis seine Aussage gelangen soll. Bei einer Aufzeichnung ist diese Sicherheit nicht gegeben, da sie mit der Stimme des Redenden, unbegrenzt oft vor anderen Personen wiedergegeben werden kann. Eine so schwerwiegende Verletzung der R\u00fccksichtnahmepflichten des Arbeitnehmers stellt nach der Ansicht des Gerichts einen Grund zur au\u00dferordentlichen K\u00fcndigung eines Arbeitsverh\u00e4ltnisses dar.<\/p>\n<h2>Smartphones als \u201eTod der Privatsph\u00e4re\u201c?<\/h2>\n<p>Der Arbeitnehmer wendete zwar ein, er habe das Smartphone offen auf den Tisch gelegt, allerdings sah das Gericht hierin keinen validen Einwand. Nur weil ein Smartphone auf dem Tisch liegt, m\u00fcsse man nicht damit rechnen, dass das Gespr\u00e4ch aufgezeichnet wird.<\/p>\n<p>Eine mehr als verst\u00e4ndliche Aussage, da das Smartphone allgegenwertig ist. Ansonsten m\u00fcsste wohl jeder Mensch um seine Privatsph\u00e4re bangen, da jeder zu jeglicher Zeit aufgezeichnet werden k\u00f6nnte, ohne dass er dies will. Zumindest in dieser Hinsicht wird das Smartphone also noch nicht den \u201eTod der Privatsph\u00e4re\u201c herbeif\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darf man ein Personalgespr\u00e4ch heimlich mitschneiden? Das hessische Landesarbeitsgericht beantwortete diese Frage mit einem klaren Nein. Es liege ein eindeutige Verletzung des allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrechts in Form der Unbefangenheit des Wortes vor. 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