{"id":35678,"date":"2017-11-13T06:29:07","date_gmt":"2017-11-13T05:29:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de?p=35678"},"modified":"2018-11-06T19:12:32","modified_gmt":"2018-11-06T18:12:32","slug":"na-wie-war-ich-zulaessige-feedback-anfrage-oder-werbemuell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/datenschutzrecht\/na-wie-war-ich-zulaessige-feedback-anfrage-oder-werbemuell\/","title":{"rendered":"&#8220;Na, wie war ich?&#8221;: Zul\u00e4ssige Feedback-Anfrage oder Werbem\u00fcll?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_35680\" aria-describedby=\"caption-attachment-35680\" style=\"width: 424px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-35680 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Feedback-Anfrage.jpg\" alt=\"Feedback-Anfrage\" width=\"424\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Feedback-Anfrage.jpg 424w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Feedback-Anfrage-90x60.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-35680\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Photographee.eu &#8211; fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ganz klar: Man darf als Gewerbetreibender nur Werbung per E-Mail verschicken, wenn der Empf\u00e4nger vor dem Versand seine Einwilligung dazu erteilt hat.<\/p>\n<p>Dazu muss der Kunde sein Interesse konkret bekunden und das auch explizit best\u00e4tigen, damit der Versender mit einer solchen Best\u00e4tigung auch die Versandgenehmigung im Ernstfall nachweisen kann.<\/p>\n<p>Im Verlauf einer normalen Gesch\u00e4ftsbeziehung kann aber eine Feedback-Anfrage unter Umst\u00e4nden eine unzul\u00e4ssige Bel\u00e4stigung darstellen, weil die Genehmigung zur Adress-Verwendung oft nicht \u00fcber den Einkauf-Prozess hinaus vorliegt. Daraus folgen Verst\u00f6\u00dfe gegen das <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/persoenlichkeitsrecht\">Pers\u00f6nlichkeitsrecht<\/a> und das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/datenschutzrecht\">Datenschutzrecht<\/a> der Empf\u00e4nger sowie gegen das <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/wettbewerbsrecht\">Wettbewerbsrecht<\/a>.<\/p>\n<h2>Der Normalfall ist das (Double)-Opt-In<\/h2>\n<p>Normalerweise geht zul\u00e4ssiger E-Mailversand so: Ein User findet einen Newsletter-Button, klickt auf \u201eJa, m\u00f6chte ich\u201c, dann erh\u00e4lt er eine Anmelde-Best\u00e4tigung per mail, die er nochmals best\u00e4tigen muss. Dieses Anmeldeverfahren nennt man Double-Opt-In und schlie\u00dft aus, dass unverlangt Mails versendet werden.<\/p>\n<h2>Ausnahmsweise ist eine Einwilligung nicht notwendig<\/h2>\n<p>Viele Shop-Betreiber und immer mehr Anbieter von Bewertungsdiensten und Empfehlungsprogrammen f\u00fchlen sich daran aber nicht gebunden und zitieren immer \u00f6fter <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a> , der die Ausnahmen des &#8220;Opt-in-Paragrafen&#8221; 7 Abs. 2 UWG definiert, wenn sie z.B. nach einer Transaktion nachfragen, ob alles in Ordnung war und ob man den Dienstleistern oder Warenlieferanten nicht positiv bewerten m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich greift hier auch die Pflicht zum vorherigen Double-Opt-In. Argumente dagegen bedienen allesamt nur dem Bed\u00fcrfnis, ein grunds\u00e4tzlich unzul\u00e4ssiges und wettbewerbswidriges Verhalten zu legitimieren.<\/p>\n<h2>Die Ausnahme gilt nur bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen<\/h2>\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a> ist eine E-Mail-Werbung zwar u.a. zumutbar, wenn<\/p>\n<ul>\n<li>es eine Gesch\u00e4ftsbeziehung gibt, aus der die E-Mail-Adresse stammt,<\/li>\n<li>mit der Werbung eigene \u00e4hnliche Waren oder Dienstleistungen angepriesen werden sollen,<\/li>\n<li>der Kunde der Verwendung der Adresse nicht widersprochen hat und<\/li>\n<li>der Kunde bereits bei Erhebung der Adresse darauf hingewiesen worden ist, dass er der weiteren Verwendung seiner Daten jederzeit widersprechen kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Viele Versender vergessen allerdings, dass es sich bei diesen Regeln nicht um \u201eOder-\u201c sondern um \u201eUnd-\u201c Bestimmungen handelt. Nur wenn alle Bedingungen des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a> erf\u00fcllt sind, d\u00fcrfen entsprechende Mails versendet werden.<\/p>\n<h2>Dies gilt auch f\u00fcr \u00fcbliche Feedback-Anfragen<\/h2>\n<p>Aktuell hat das Kammergericht Berlin ein die Zul\u00e4ssigkeit feststellendes Urteil des Landgerichts Berlin aufgehoben (KG Berlin, Beschluss v. 16.01.2017, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=5%20W%2015\/17\" title=\"5 W 15\/17 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">5 W 15\/17<\/a>) . Das LG war noch der Meinung gewesen, dass solche Feedback-Mails heute normales Gesch\u00e4ftsgebaren seien und keine unerw\u00fcnschte Werbung darstellten. Dem ersten Teil dieser Einsch\u00e4tzung pflichtete das KG was noch bei:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Wenn das Landgericht ausf\u00fchrt, Kundenbewertungen nach Abschluss einer Verkaufstransaktion \u00fcber das Internet seien inzwischen weit verbreitet, allgemein \u00fcblich und objektiv sinnvoll, so kann dem ohne weiteres zugestimmt werden,\u2026&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Unerw\u00fcnschte Werbung seien diese Feedback-Anfragen aber nur dann nicht,<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;soweit jeweils der dem Unternehmer ohne weiteres m\u00f6gliche und zumutbare Weg einer nachvertraglichen Werbung unter den Voraussetzungen des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a> eingehalten worden ist und eingehalten wird.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<h3>Auch die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) \u00e4ndert daran nichts<\/h3>\n<p>Es gibt \u00dcberlegungen, ob es <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 Abs. 1<\/a> UAbs. 1 lit. f DSGVO, diese strenge Rechtslage zugunsten der Versender von E-Mail-Werbung beeinflussen k\u00f6nnte. Dieser tritt mit der neuen Datenschutzgrundverordnung, (DSGVO) am 25. Mai 2018 in Kraft. Diese Vorschrift erlaubt die Verarbeitung personenbezogener Daten, wenn sie zur Wahrung der berechtigten Interessen des Verantwortlichen oder eines Dritten erforderlich sind, sofern nicht die Interessen oder Grundrechte und Grundfreiheiten der betroffenen Person, die den Schutz personenbezogener Daten erfordern, \u00fcberwiegen.<\/p>\n<p>Zu diesem berechtigten Interesse geh\u00f6rt nach Erw\u00e4gungsgrund 47 zur DSGVO das Bestehen eines (Rechts-)Verh\u00e4ltnisses zwischen Verantwortlichem und Betroffenem, wobei insbesondere das Interesse des Verantwortlichen an Direktwerbung genannt wird, worunter auch der Versand von Newsletter-Werbung fallen kann.<\/p>\n<p>Es spricht somit vieles daf\u00fcr, dass die E-Mail-Werbung zumindest bei Bestandskunden in Zukunft ohne Weiteres zul\u00e4ssig werden k\u00f6nnte. Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/95.html\" title=\"Art. 95 DSGVO: Verh&auml;ltnis zur Richtlinie 2002\/58\/EG\">Art. 95 DSGVO<\/a> gilt der <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a> als \u201ebesondere Regelung\u201c aus der ePrivacy-Richtlinie (Art. 13 2002\/58\/EG) jedoch auch weiterhin. Das bedeutet, dass <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a> auch unter der DSGVO erhalten bleiben wird, mit der Folge, dass Newsletter-Werbung auch im Rahmen bestehender Kundenverh\u00e4ltnisse nur bei Einhaltung der strengen Voraussetzungen zul\u00e4ssig ist.<\/p>\n<h2>Praxishinweis:<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/datenschutzrecht\/e-mail-marketing\">E-Mail-Marketing<\/a> ist und bleibt nur mit Einwilligung der Empf\u00e4nger oder bei bestehender Gesch\u00e4ftsbeziehung unter besonderen Voraussetzungen zul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Bestandskundenwerbung ist nur zul\u00e4ssig, wenn die Voraussetzungen des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>kumulativ vorliegen. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 Nr. 2 UWG<\/a> erlaubt eine Direktwerbung lediglich f\u00fcr eigene \u00e4hnliche Waren und Dienstleistungen. Die \u00c4hnlichkeit muss im Hinblick auf die bereits gekauften Waren oder Dienstleistungen gegeben sein. Eine generelle Imagewerbung, wie sie mit einer allgemeinen H\u00e4ndlerbewertung einhergeht, d\u00fcrfte dieser eng zu fassenden Ausnahme nicht unterfallen.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund dieser Unsicherheiten ist H\u00e4ndlern zu empfehlen, die Einwilligung in die geplante Direktwerbung stets nach Art und Umfang auch in Bezug auf sp\u00e4tere Kundenbefragungen vorher beim Adressaten einzuholen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz klar: Man darf als Gewerbetreibender nur Werbung per E-Mail verschicken, wenn der Empf\u00e4nger vor dem Versand seine Einwilligung dazu erteilt hat. Dazu muss der Kunde sein Interesse konkret bekunden und das auch explizit best\u00e4tigen, damit der Versender mit einer solchen Best\u00e4tigung auch die Versandgenehmigung im Ernstfall nachweisen kann. 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