{"id":32433,"date":"2017-08-09T14:51:19","date_gmt":"2017-08-09T13:51:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de?p=32433"},"modified":"2018-04-24T17:07:53","modified_gmt":"2018-04-24T16:07:53","slug":"olg-koeln-weicht-regeln-fuer-verdachtsberichterstattung-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/olg-koeln-weicht-regeln-fuer-verdachtsberichterstattung-auf\/","title":{"rendered":"OLG K\u00f6ln weicht Regeln f\u00fcr Verdachtsberichterstattung auf"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_32434\" aria-describedby=\"caption-attachment-32434\" style=\"width: 470px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-32434\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/129_Verdacht.jpg\" alt=\"Verdachtsberichterstattung\" width=\"470\" height=\"314\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/129_Verdacht.jpg 470w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/129_Verdacht-90x60.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32434\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Andreas Gruhl &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das OLG K\u00f6ln hat am 7. M\u00e4rz 2017 einen nicht ganz unproblematischen Beschluss zum Thema der Verdachtsberichterstattung gefasst (OLG K\u00f6ln, Beschluss v. 7.3.2017, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=15%20U%207\/17\" title=\"15 U 7\/17 (3 zugeordnete Entscheidungen)\">15 U 7\/17<\/a>).<\/p>\n<p>Der Senat widmete sich der Frage, wann denn \u00fcberhaupt eine Verdachtsberichterstattung vorliege und wann Journalisten im Rahmen einer freien Meinungs\u00e4u\u00dferung die Regeln zur Verdachtsberichterstattung au\u00dfer Acht lassen d\u00fcrfen.<\/p>\n<h3>&#8220;Ordnungswidrig&#8221;: Blo\u00dfe Meinungs\u00e4u\u00dferung<\/h3>\n<p>Im vorliegenden Fall hatte der Verf\u00fcgungskl\u00e4ger ein \u00a0zu diesem Zeitpunkt noch nicht unter Denkmalschutz stehendes Bauwerk vors\u00e4tzlich zerst\u00f6rt. Dieses Verhalten \u00a0hielt der Beklagte f\u00fcr ordnungswidrig, obwohl sich diese Ordnungswidrigkeit nur daraus h\u00e4tte ergeben k\u00f6nnen, \u00a0dass dem Verf\u00fcgungskl\u00e4ger der Bescheid, mit dem das Bauwerk \u00a0unter Denkmalschutz vorher bekannt gegeben worden w\u00e4re. \u00a0Dies war aber unstreitig nicht der Fall. Der Verf\u00fcgungskl\u00e4ger wehrte sich somit gegen den im Bericht des Beklagten &#8220;zwischen den Zeilen&#8221; \u00a0transportierten, unzutreffenden Eindruck, er habe ein denkmalgesch\u00fctztes Bauwerk zerst\u00f6rt und damit eine Ordnungswidrigkeit begangen.<\/p>\n<p>Diese Bewertung sei jedoch zul\u00e4ssig, so das OLG K\u00f6ln. Die Zerst\u00f6rung des Bauwerks habe stattgefunden, die Bewertung dieses Verhaltens als ordnungswidrig sei mangels weiterer Details als blo\u00dfe Meinungs\u00e4u\u00dferung zu verstehen.<\/p>\n<p>Rechtsanw\u00e4ltin Birgit Rosenbaum, Fachanw\u00e4ltin f\u00fcr gewerblichen Rechtsschutz und Partnerin bei LHR &#8211; Kanzlei f\u00fcr Marken, Medien, Reputation: &#8220;Das OLG K\u00f6ln ist der Ansicht, dass in F\u00e4llen in denen die Tatsachen feststehen, die rechtliche Bewertung aber zweifelhaft ist, keine Verdachtsberichterstattung vorliege. Sofern die Medien unstreitige Tatsachen darstellen und \u00fcber die rechtliche Beurteilung nur mutma\u00dfen, handele es sich um Meinungs\u00e4u\u00dferungen &#8211; nicht um Verdachtsberichterstattung.&#8221;<!--more--><\/p>\n<h3>Verdachtsberichterstattung &#8211; Unschuldsvermutung gilt f\u00fcr jeden<\/h3>\n<p>Bevor es kompliziert wird: Die Unschuldsvermutung gilt f\u00fcr jeden. Sobald im Rahmen einer Verdachtsberichterstattung berichtet wird, dann sind strenge Regeln einzuhalten. Wenn z.B. in der Zeitung steht, der A habe das Auto des B zerkratzt, dann braucht der Leser keine Erl\u00e4uterung in strafrechtlicher Hinsicht mehr.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/kanzlei\/team\/b-rosenbaum?layer=1\">Rosenbaum:<\/a> &#8220;Die Position des OLG K\u00f6ln er\u00f6ffnet die M\u00f6glichkeit, Artikel so zu formulieren, dass keine Verdachtsberichterstattung vorliegt, obwohl inhaltlich genau \u00fcber einen solchen Verdacht berichtet wird. Die Pers\u00f6nlichkeitsrechte der Betroffenen k\u00f6nnen dadurch schwer beeintr\u00e4chtigt werden. Zudem kommen sie in eine prozessual ung\u00fcnstige Darlegungs-\/Beweislage. Das halte ich als Rechtsanw\u00e4ltin f\u00fcr sehr bedenklich.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das OLG K\u00f6ln hat am 7. 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