{"id":3158,"date":"2011-02-09T08:03:49","date_gmt":"2011-02-09T06:03:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr-blog\/?p=3158"},"modified":"2017-03-12T21:26:19","modified_gmt":"2017-03-12T20:26:19","slug":"wer-bei-bild-de-anonymisiert-wird-den-kennt-bald-die-ganze-welt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wer-bei-bild-de-anonymisiert-wird-den-kennt-bald-die-ganze-welt-2\/","title":{"rendered":"Wer bei bild.de anonymisiert wird, den kennt bald die ganze Welt"},"content":{"rendered":"[:de]\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-left alignleft\" style=\"margin-right: 15px;margin-bottom: 10px\" title=\"Das italienische Model Mona L. m\u00f6chte nicht erkannt werden\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/mona.jpg\" alt=\"Das italienische Model Mona L. m\u00f6chte nicht erkannt werden\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Erst letzte Woche <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr-blog\/2011\/02\/natascha-k-aus-osterreich-wer-das-wohl-sei-mag\/\" target=\"_blank\">berichteten wir<\/a> \u00fcber das Ph\u00e4nomen der unzureichenden Anonymisierung in einem Urteil \u00fcber eine gewisse &#8220;Natascha K&#8221;. Bild digital hat nun f\u00fcr die Medien wie auf Bestellung ein Beispiel geliefert, das plakativer nicht sein k\u00f6nnte. Vorgestern wurde auf bild.de\u00a0 \u00fcber einen verschwundenen M\u00fcnchener Tankstellenchef namens &#8220;Peter M.&#8221; <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/regional\/muenchen\/aktuell\/2011\/02\/07\/moosheimers-mutter\/wir-sind-tief-enttaeuscht.html\" target=\"_blank\">berichtet<\/a>, der nun wieder aufgetaucht ist und seine Abwesenheit damit begr\u00fcndete, er sei entf\u00fchrt worden, was m\u00f6glicherweise nicht stimmte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">M\u00f6chte die Presse in ihrer Berichterstattung den Namen einer Person nennen, hat sie zwischen dem Interesse des Betroffenen am Schutz seiner Privatsph\u00e4re auf der einen Seite und dem Informationsinteresse der \u00d6ffentlichkeit auf der anderen Seite abzuw\u00e4gen. Als Besonderheiten in der hier zu treffenden Abw\u00e4gung sind zu nennen, dass der Tankstellenchef nicht nur angebliches Opfer einer Straftat ist und daher m\u00f6glicherweise besonderen Schutzes bedarf, sondern zugleich T\u00e4ter sein k\u00f6nnte, indem er eine Straftat vorget\u00e4uscht hat, die so nicht passiert ist. Erw\u00e4hnt wird au\u00dferdem ein Haftbefehl gegen ihn wegen Untreue und Betrugs. Bei der Verdachtsberichterstattung f\u00e4llt die Abw\u00e4gung nach den daf\u00fcr von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien noch schwieriger aus, da die Stigmatisierung des Betroffenen wegen eines blo\u00dfen Verdachts vermieden werden soll. Ob hier bild.de \u00fcber den Tankstellenchef so berichten darf, dass er identifizierbar ist, soll uns nicht weiter besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auff\u00e4llig ist, dass bild.de zwar den Eindruck vermittelt, man sch\u00fctzte die Person, \u00fcber die berichtet wird, durch Abk\u00fcrzung des Nachnamens, aber gleichzeitig dabei alle nur denkbaren Informationen liefert, um zweifelsfrei die Identit\u00e4t des &#8220;Peter M.&#8221; preis zugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der \u00dcberschrift und im weiteren Artikel wird er bezeichnet als &#8220;Peter M.&#8221;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#8220;Peter M. sitzt im Rollstuhl und spricht von Entf\u00fchrung&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">aber das war es dann auch schon an Anonymisierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit Merkmalen zur Identifizierung geizt der Artikel nicht:<\/p>\n<blockquote style=\"text-align: justify\"><p><em>&#8211; &#8220;Peter M. (48)&#8221;<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; &#8220;M\u00fcnchen&#8221;<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; &#8220;seiner Tankstelle in der Richard-Strauss-Stra\u00dfe&#8221; (der Stra\u00dfenname verlinkt zur Adresse der Tankstelle in Google Maps)<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; &#8220;&#8230;seiner Verp\u00e4chterin (Bavaria Petrol, die Red.)&#8221;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber damit nicht genug: In dem Artikel sind drei Bilder zu sehen. Auf jedem dieser Bilder ist ein Foto des Peter M. zu sehen. F\u00fcr das Bildnis eines Betroffenen gelten \u00fcbrigens versch\u00e4rfte Regeln, da sich ein Bild auch dem fl\u00fcchtigen Leser eher einpr\u00e4gt und damit eine noch schwerere Pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzung darstellen kann. Jedoch wurde eine zeitlang auch nach Peter M. gefahndet, und f\u00fcr die Zeit der Fahndung kann der Presse eine Bildver\u00f6ffentlichung gestattet sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der vollst\u00e4ndige Name des Peter M. findet sich schlie\u00dflich unter jedem der oben eingeblendeten Fotos, wobei ein drittes Foto in der Galerie ein Portr\u00e4t zeigt samt einer Bildunterschrift mit vollem Namen. <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/corporate-site\/ueber-bild-de\/artikel-ueber-bild-de.html\" target=\"_blank\">Erstklassiger Journalismus<\/a> \u00e0 la Bild digital.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch auch damit ist noch lange nicht Schluss: Im ersten Absatz des Artikels ist der Name des &#8220;Peter M.&#8221; verlinkt. Unter dem Link findet sich ein \u00e4lterer Artikel, in welchem der volle Name\u00a0 in der \u00dcberschrift und im Text genannt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die vergebliche Anonymisierung durch Abk\u00fcrzung des Nachnamens mutet da an wie ein schlechter Scherz. (ca)<\/p>\n[:en]\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-left alignleft\" style=\"margin-right: 15px;margin-bottom: 10px\" title=\"Das italienische Model Mona L. m\u00f6chte nicht erkannt werden\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/gallery\/vpv\/mona.jpg\" alt=\"Das italienische Model Mona L. m\u00f6chte nicht erkannt werden\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Erst letzte Woche <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr-blog\/2011\/02\/natascha-k-aus-osterreich-wer-das-wohl-sei-mag\/\" target=\"_blank\">berichteten wir<\/a> \u00fcber das Ph\u00e4nomen der unzureichenden Anonymisierung in einem Urteil \u00fcber eine gewisse &#8220;Natascha K&#8221;. Bild digital hat nun f\u00fcr die Medien wie auf Bestellung ein Beispiel geliefert, das plakativer nicht sein k\u00f6nnte. Vorgestern wurde auf bild.de\u00a0 \u00fcber einen verschwundenen M\u00fcnchener Tankstellenchef namens &#8220;Peter M.&#8221; <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/regional\/muenchen\/aktuell\/2011\/02\/07\/moosheimers-mutter\/wir-sind-tief-enttaeuscht.html\" target=\"_blank\">berichtet<\/a>, der nun wieder aufgetaucht ist und seine Abwesenheit damit begr\u00fcndete, er sei entf\u00fchrt worden, was m\u00f6glicherweise nicht stimmte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">M\u00f6chte die Presse in ihrer Berichterstattung den Namen einer Person nennen, hat sie zwischen dem Interesse des Betroffenen am Schutz seiner Privatsph\u00e4re auf der einen Seite und dem Informationsinteresse der \u00d6ffentlichkeit auf der anderen Seite abzuw\u00e4gen. Als Besonderheiten in der hier zu treffenden Abw\u00e4gung sind zu nennen, dass der Tankstellenchef nicht nur angebliches Opfer einer Straftat ist und daher m\u00f6glicherweise besonderen Schutzes bedarf, sondern zugleich T\u00e4ter sein k\u00f6nnte, indem er eine Straftat vorget\u00e4uscht hat, die so nicht passiert ist. Erw\u00e4hnt wird au\u00dferdem ein Haftbefehl gegen ihn wegen Untreue und Betrugs. Bei der Verdachtsberichterstattung f\u00e4llt die Abw\u00e4gung nach den daf\u00fcr von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien noch schwieriger aus, da die Stigmatisierung des Betroffenen wegen eines blo\u00dfen Verdachts vermieden werden soll. Ob hier bild.de \u00fcber den Tankstellenchef so berichten darf, dass er identifizierbar ist, soll uns nicht weiter besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auff\u00e4llig ist, dass bild.de zwar den Eindruck vermittelt, man sch\u00fctzte die Person, \u00fcber die berichtet wird, durch Abk\u00fcrzung des Nachnamens, aber gleichzeitig dabei alle nur denkbaren Informationen liefert, um zweifelsfrei die Identit\u00e4t des &#8220;Peter M.&#8221; preis zugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der \u00dcberschrift und im weiteren Artikel wird er bezeichnet als &#8220;Peter M.&#8221;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#8220;Peter M. sitzt im Rollstuhl und spricht von Entf\u00fchrung&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">aber das war es dann auch schon an Anonymisierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit Merkmalen zur Identifizierung geizt der Artikel nicht:<\/p>\n<blockquote style=\"text-align: justify\"><p><em>&#8211; &#8220;Peter M. (48)&#8221;<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; &#8220;M\u00fcnchen&#8221;<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; &#8220;seiner Tankstelle in der Richard-Strauss-Stra\u00dfe&#8221; (der Stra\u00dfenname verlinkt zur Adresse der Tankstelle in Google Maps)<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; &#8220;&#8230;seiner Verp\u00e4chterin (Bavaria Petrol, die Red.)&#8221;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber damit nicht genug: In dem Artikel sind drei Bilder zu sehen. Auf jedem dieser Bilder ist ein Foto des Peter M. zu sehen. F\u00fcr das Bildnis eines Betroffenen gelten \u00fcbrigens versch\u00e4rfte Regeln, da sich ein Bild auch dem fl\u00fcchtigen Leser eher einpr\u00e4gt und damit eine noch schwerere Pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzung darstellen kann. Jedoch wurde eine zeitlang auch nach Peter M. gefahndet, und f\u00fcr die Zeit der Fahndung kann der Presse eine Bildver\u00f6ffentlichung gestattet sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der vollst\u00e4ndige Name des Peter M. findet sich schlie\u00dflich unter jedem der oben eingeblendeten Fotos, wobei ein drittes Foto in der Galerie ein Portr\u00e4t zeigt samt einer Bildunterschrift mit vollem Namen. <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/corporate-site\/ueber-bild-de\/artikel-ueber-bild-de.html\" target=\"_blank\">Erstklassiger Journalismus<\/a> \u00e0 la Bild digital.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch auch damit ist noch lange nicht Schluss: Im ersten Absatz des Artikels ist der Name des &#8220;Peter M.&#8221; verlinkt. Unter dem Link findet sich ein \u00e4lterer Artikel, in welchem der volle Name\u00a0 in der \u00dcberschrift und im Text genannt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die vergebliche Anonymisierung durch Abk\u00fcrzung des Nachnamens mutet da an wie ein schlechter Scherz. (ca)<\/p>\n[:]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[:de] Erst letzte Woche berichteten wir \u00fcber das Ph\u00e4nomen der unzureichenden Anonymisierung in einem Urteil \u00fcber eine gewisse &#8220;Natascha K&#8221;. Bild digital hat nun f\u00fcr die Medien wie auf Bestellung ein Beispiel geliefert, das plakativer nicht sein k\u00f6nnte. 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