{"id":29987,"date":"2017-04-24T05:46:57","date_gmt":"2017-04-24T04:46:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=29987"},"modified":"2018-11-06T19:16:26","modified_gmt":"2018-11-06T18:16:26","slug":"kundenzufriedenheitsnachfragen-per-e-mail-sind-unzulaessig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/kundenzufriedenheitsnachfragen-per-e-mail-sind-unzulaessig\/","title":{"rendered":"Achtung, Onlineh\u00e4ndler: Kundenzufriedenheitsnachfragen per E-Mail sind grunds\u00e4tzlich unzul\u00e4ssig!"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_30918\" aria-describedby=\"caption-attachment-30918\" style=\"width: 447px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-30918 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Spam-E-Mail1.jpg\" alt=\"Kundenzufriedenheitsnachfrage per Mail\" width=\"447\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Spam-E-Mail1.jpg 447w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Spam-E-Mail1-90x54.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 447px) 100vw, 447px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30918\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Thomas Reimer &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Ein beliebtes Mittel im Rahmen des Customer Relations Management ist das\u00a0Anschreiben von Kunden, Patienten, oder G\u00e4sten im Rahmen des so genannten After-Sales-Marketing mit der Bitte, doch eine Bewertung f\u00fcr den genutzten Service oder das gekaufte Produkt zu hinterlassen.<\/em><\/p>\n<p>Das Kammergericht Berlin hat in einem aktuellen Urteil solche Kundenzufriedenheitsanfragen f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt und Ausnahmen an strenge Regeln gekn\u00fcpft (KG Berlin,\u00a0Beschluss v. 7.2.2017, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=5%20W%2015\/17\" title=\"5 W 15\/17 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">5 W 15\/17<\/a>).<\/p>\n<h2>Das Landgericht erachtete die Feedbackanfrage noch als zul\u00e4ssig<\/h2>\n<p>Das LG Berlin hatte im Rahmen seiner Entscheidung (LG Berlin,\u00a0\u00a016.01.2017, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=16%20O%20544\/16\" title=\"LG Berlin, 16.01.2017 - 16 O 544\/16\">16 O 544\/16<\/a>) die Bewertungsanfrage per E-Mail noch als zul\u00e4ssig erachtet und hierbei auf eine Interessenabw\u00e4gung abgestellt, die zu Gunsten des werbenden Online-H\u00e4ndlers ausfallen solle.\u00a0Auch\u00a0das\u00a0<a>Landgericht Coburg (LG Coburg, Urteil v. 17.2.2012, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=33%20S%2087\/11\" title=\"LG Coburg, 17.02.2012 - 33 S 87\/11: Wettbewerbsversto&szlig; im Internet: Unzumutbare Bel&auml;stigung dur...\">33 S 87\/11<\/a>)<\/a>\u00a0vertrat\u00a0im Jahr 2012 \u00a0die Ansicht, dass in der \u00dcbersendung einer Kundenzufriedenheitsanfrage keine unzumutbare Bel\u00e4stigung zu sehen sei und die Feedbackanfrage damit zul\u00e4ssig sei.<\/p>\n<h2>Das Kammergericht Berlin stellte klar:\u00a0Kundenzufriedenheitsnachfragen sind grunds\u00e4tzlich unzul\u00e4ssig<\/h2>\n<p>Das KG Berlin unterstellt solchen Feedbackanfragen jedoch grunds\u00e4tzlich werbenden Charakter, da sie Kunden an das Unternehmen binden und weitere Kaufentscheidungen f\u00f6rdern sollen. Das erstmalige Zusenden einer Werbe-Email ohne vorherige Einwilligung des Adressaten stellt danach einen Versto\u00df gegen das <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/wettbewerbsrecht\">Wettbewerbsrecht<\/a> und einen unmittelbaren Eingriff in den Gesch\u00e4ftsbetrieb dar.<\/p>\n<p>Zahlreiche Gerichte haben solche Feedbackanfragen bereits \u00e4hnlich beurteilt:<\/p>\n<ul>\n<li>OLG K\u00f6ln, Urteil v. 19.04.2014 &#8211; Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20U%20222\/12\" title=\"OLG K&ouml;ln, 19.04.2013 - 6 U 222\/12: Wettbewerbswidrigkeit von Kundenzufriedenheitsbefragungen\">6 U 222\/12<\/a><\/li>\n<li>OLG Dresden, Urteil v. 24.04.2016 &#8211; Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=14%20U%201773\/13\" title=\"OLG Dresden, 26.04.2016 - 14 U 1773\/13: Spam - Unzumutbare Bel&auml;stigung durch Zusendung von Emai...\">14 U 1773\/13<\/a><\/li>\n<li>AG\u00a0D\u00fcsseldorf, Urteil vom 27.10.2014, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=20%20C%206875\/14\" title=\"AG D&uuml;sseldorf, 27.10.2014 - 20 C 6875\/14: Feedbackanfrage als Werbemail\">20 C 6875\/14<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Sp\u00e4testens mit der aktuellen Entscheidung des KG Berlin d\u00fcrfte die Richtung, in der die Rechtsprechung auch in Zukunft tendieren wird, klar sein.<\/p>\n<h2><strong>Praxistipp\u00a0<\/strong><\/h2>\n<p>Jedwede elektronische Zusendung von Werbematerial ist ohne Einwilligung des Adressaten eine unzumutbare Bel\u00e4stigung, die einen Unterlassungsanspruch ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Das Berliner Kammergericht hat die Rechtslage dankenswerterweise\u00a0auf den Punkt gebracht\u00a0und sich nicht mit allen m\u00f6glichen Eventualit\u00e4ten zu befasst, die von kreativen Werbemail-Versendern zur Legitimation ihrer Aktionen immer wieder herangezogen werden. Ohne Einwilligung ist eine E-Mail-Werbung schlicht unzul\u00e4ssig.<\/p>\n<h2>Ausnahmsweise kann eine Feedbackanfrage zul\u00e4ssig sein<\/h2>\n<p>Allenfalls ausnahmsweise kann die Werbung per E-Mail\u00a0auch ohne\u00a0ausdr\u00fcckliche Einwilligung des Adressaten zul\u00e4ssig sein. Dies allerdings nur unter den im\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a>\u00a0abschlie\u00dfend geregelten Bedingungen.\u00a0Darin erleichtert der Gesetzgeber dem Unternehmer eine solche Werbung, weil keine ausdr\u00fcckliche Einwilligung des Adressaten erforderlich ist (sondern nur ein fehlender Widerspruch, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 Nr. 3 UWG<\/a>).<\/p>\n<p>Notwendig ist dann aber ein <strong>klarer<\/strong> und <strong>deutlicher<\/strong> Hinweis (bei Erhebung der Adresse und bei jeder Verwendung) darauf, dass der Kunde der Verwendung jederzeit widersprechen kann, ohne dass hierf\u00fcr andere als die \u00dcbermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 Nr. 4 UWG<\/a>. Ein solcher Hinweis fehlte vorliegend bei Erhebung der Adresse des Antragstellers. Unter diesen Umst\u00e4nden besteht keine Veranlassung, die hier streitgegenst\u00e4ndliche Kundenzufriedenheitsanfrage ausnahmsweise als zul\u00e4ssig anzusehen.<\/p>\n<p>Juristisch gut beratene \u00a0Onlineh\u00e4ndler haben also durchaus auch weiterhin die M\u00f6glichkeit, Feedbackanfragen auf legalem Wege zu versenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein beliebtes Mittel im Rahmen des Customer Relations Management ist das\u00a0Anschreiben von Kunden, Patienten, oder G\u00e4sten im Rahmen des so genannten After-Sales-Marketing mit der Bitte, doch eine Bewertung f\u00fcr den genutzten Service oder das gekaufte Produkt zu hinterlassen. Das Kammergericht Berlin hat in einem aktuellen Urteil solche Kundenzufriedenheitsanfragen f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt und Ausnahmen an strenge [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":30918,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[15,8],"tags":[13803,13804,13805],"class_list":["post-29987","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wettbewerbsrecht-kartellrecht","category-datenschutzrecht","tag-customer-relations","tag-feedback","tag-spam-email"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29987","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29987"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29987\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30918"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29987"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29987"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29987"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}