{"id":2979,"date":"2011-01-31T07:59:07","date_gmt":"2011-01-31T05:59:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr-blog\/?p=2979"},"modified":"2011-01-31T07:59:07","modified_gmt":"2011-01-31T05:59:07","slug":"der-blogger-und-der-skandal-oder-lauditoire-cest-moi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/der-blogger-und-der-skandal-oder-lauditoire-cest-moi\/","title":{"rendered":"Der Blogger und der Skandal oder l\u00b4auditoire, c&#039;est moi!"},"content":{"rendered":"<p><!--:de--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-25128\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Ludwig.jpg\" alt=\"Ludwig\" width=\"260\" height=\"264\" \/>In der letzten Woche schlug ein &#8220;Schleichwerbungsskandal&#8221; in der Bloggerszene hohe Wellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der <a href=\"http:\/\/meedia.de\/details-topstory\/article\/schleichwerbesumpf-in-der-blogger-szene_100032816.html\" target=\"_blank\">&#8220;Topstory&#8221;<\/a> des Internetmagazins meedia.de zufolge wusste der &#8220;bekannte&#8221; Blogger Sascha Pallenberg (WTH?) von &#8220;dutzenden Unterlagen&#8221;, die angeblich beweisen sollten, dass seit Monaten rund hundert Blogs systematisch Schleichwerbung betreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Skandalmeldung zufolge erhielten Blogger 30 bis 70 Euro pro eingebundenem Werbe-Link, der aber nicht als solcher gekennzeichnet werden sollte. Daf\u00fcr mussten sie einen Knebelvertrag mit Geheimhaltungsverpflichtung und Vertragsstrafenbewehrung von 5.001 Euro Strafe zahlen. Dahinter &#8220;stecken&#8221; sollte die Internetfirma Onlinekosten.de GmbH, Betreiberin des ber\u00fchmten Blogs Basicthinking.de, wie meedia.de in einem <a href=\"http:\/\/meedia.de\/details-topstory\/article\/basicthinking-steckt-hinter-blog-sumpf_100032897.html?tx_ttnews[backPid]=23&amp;cHash=02a6bf45d3\" target=\"_blank\">Update <\/a>berichtete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So weit so skandal\u00f6s.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am Donnerstag &#8220;packte&#8221; der Herr Schmallenberg dann auf seiner Internetseite <a href=\"http:\/\/www.netbooknews.de\/32977\/basicthinking-onlinekosten-gmbh-und-der-keyword-spam\/\" target=\"_blank\">netbooknews.de<\/a> zum von ihm selbst geschaffenen &#8220;Bloggergate&#8221; &#8220;aus&#8221;. Nach v\u00f6llig uninteressanten und -skandal\u00f6sen Details zum angeblichen &#8220;Skandal&#8221; hatte er &#8211; <a href=\"http:\/\/www.netbooknews.de\/uber-nbn\/\" target=\"_blank\">nach eigenen Angaben<\/a> von Beruf: &#8220;Techblogger und Consultant&#8221; &#8211; auch rechtliche Hinweise f\u00fcr den gemeinen Blogger parat:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#8220;In den USA muessen Blogger ihre Werbekunden und Sponsoren nennen. Per Gesetz wohlgemerkt, denn ansonsten riskiert man eine entsprechende Abmahnung. Waere dies auch ein Modell fuer Deutschland? Ich hoffe, dass es nicht so weit kommen wird, denn was im Land des \u201eAbmahn-Wahn\u201c dann los sein wuerde, koennen wir uns in unseren kuehnsten Traeumen nicht ausmalen.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.chip.de\/news\/Schleichwerbungs-Affaere-Skandal-im-Blogbezirk_47021047.html\" target=\"_blank\">Chip Online<\/a> griff diese juristische Einsch\u00e4tzung auf und machte daraus:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#8220;Denn w\u00e4hrend in den USA strenge Vorschriften herrschen, nach denen Blogger s\u00e4mtliche Kooperationen offenzulegen haben, gibt es in Deutschland keine Gesetze, die Blog-Leser oder Google-Nutzer vor derartigen unheiligen Allianzen sch\u00fctzen.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Toll, diese Blogger! Es gibt zwar kein Gesetz gegen die begangenen Ruchlosigkeiten, dennoch stellt man sich vereint dagegen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese\u00a0rechtliche Einsch\u00e4tzung d\u00fcrfte falsch sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Verschleiern von Werbung ist gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TMG\/6.html\" title=\"&sect; 6 TMG: Besondere Pflichten bei kommerziellen Kommunikationen\">\u00a7 6 Abs. 1 Nr. 1 TMG<\/a> rechtswidrig und stellt gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TMG\/16.html\" title=\"&sect; 16 TMG: (weggefallen)\">\u00a7 16 TMG<\/a> eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbu\u00dfe bis zu f\u00fcnfzigtausend Euro geahndet werden kann. Dar\u00fcber hinaus ist es nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/4.html\" title=\"&sect; 4 UWG: Mitbewerberschutz\">\u00a7 4 Nr. 3 UWG<\/a> unlauter, den Werbecharakter von gesch\u00e4ftlichen Handlungen zu verschleiern. Schlie\u00dflich w\u00e4re da noch die so genannte Blacklist, der Anhang zu <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/3.html\" title=\"&sect; 3 UWG: Verbot unlauterer gesch&auml;ftlicher Handlungen\">\u00a7 3 Abs. 3 UWG<\/a>, wonach gem. Ziff. 11 der vom Unternehmer finanzierte Einsatz redaktioneller Inhalte zu Zwecken der Verkaufsf\u00f6rderung, ohne dass sich dieser Zusammenhang aus dem Inhalt oder aus der Art der optischen oder akustischen Darstellung eindeutig ergibt (als Information getarnte Werbung) verboten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mittlerweile r\u00e4umt auch der bekannte Blogger Pallenberg auf seiner Seite in <a href=\"http:\/\/www.netbooknews.de\/33031\/einige-persoenliche-anmerkungen-zu-bloggergate\/\" target=\"_blank\">&#8220;einigen pers\u00f6nlichen Anmerkungen zu &#8220;Bloggergate<\/a>&#8221; ein (die Eigenkreation mit dem Zusatz &#8220;Gate&#8221; gefiel ihm wohl doch zu gut, als dass er diese nun weglassen wollte), dass er mit seinen vollmundigen Ank\u00fcndigungen ein bisschen \u00fcbertrieben hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass im Netz \u00fcbertrieben, &#8220;gespinned&#8221; und manchmal nat\u00fcrlich auch schlichtweg dreist gelogen wird, um der eigenen virtuellen Pr\u00e4senz zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, ist nichts neues und daher auch in diesem Zusammenhang nicht sonderlich bemerkenswert. Das eigentlich Interessante ist daher mE an dem (angek\u00fcndigten) &#8220;Skandal&#8221;, dass viele Blogger und darunter sogar solche, die rechtlich vorgebildet sein sollten, in ihrer eigenen Welt zu leben scheinen, in der auch eigene Regeln gelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Denn Schleichwerbung durch Blogger, so lautete die selbstbewusste Ansage, sei &#8211; obwohl rechtlich irrelevant &#8211; nat\u00fcrlich trotzdem &#8220;unehrenhaft&#8221; und daher zu unterlassen. Blogger, so erfuhr der Leser zahlreicher Publikationen, sind auch und insbesondere dann, wenn der unf\u00e4hige Gesetzgeber offenbar keine Verhaltensregeln f\u00fcr die konkrete Situation vorgesehen hat, nat\u00fcrlich mit einer Art Blogger-Natur-Recht gesegnet, das ihnen in jeder Lebenslage Richtig und Falsch vorgibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese Einstellung erkl\u00e4rt, dass so mancher virtueller &#8220;Blogger-Shitstorm&#8221; im Internet in einer schn\u00f6den Steifbrise im eigenen RSS-Feed ver\u00f6det, bevor das im eigenen Sud Erdachte das Licht der Realit\u00e4t erblickt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Ph\u00e4nomen als solches ist aber anderseits auch leicht zu erkl\u00e4ren. ME liegt die Selbstherrlichkeit mancher Web 2.0-Protagonisten in der Infrastruktur von Blogs, Twitter, Facebook und sonstiger &#8220;social media&#8221; begr\u00fcndet. Vor allem Facebook und Twitter zeichnen sich dadurch aus, dass man grunds\u00e4tzlich nicht von der ungefilterten \u00d6ffentlichkeit, sondern nur von einem durch den Verfasser selbst erlesenen Publikum konsumiert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Facebookfreunde muss man erst freischalten. Tweets liest nur der, der sich aktiv als Follower meldet und der bei Nichtgefallen nicht wieder geblockt wird. Das hei\u00dft, dass das Publikum der social media und somit auch die herrschende Meinung, anders als in herk\u00f6mmlichen Medien ganz besonders vom Verfasser der Inhalte bestimmt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit anderen Worten: Da nur Gleichgesinnte das lesen, was geschrieben wird und potentieller Widerspruch und Kritik selten sind, bietet vor allem die Bloggerszene einen optimalen N\u00e4hrboden f\u00fcr merkw\u00fcrdige Ger\u00fcchte und Mythen, die, da sie bis zum Wirklichkeitstest so massenhaften und konzentrierten Zuspruch erhalten haben, sp\u00e4ter schwer zu entzaubern sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es wird Zeit f\u00fcr die Renaissance! (la)<\/p>\n<p><!--:--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der letzten Woche schlug ein &#8220;Schleichwerbungsskandal&#8221; in der Bloggerszene hohe Wellen. 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