{"id":277,"date":"2008-01-17T10:45:00","date_gmt":"2008-01-17T08:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/wordpress\/?p=277"},"modified":"2008-01-17T10:45:00","modified_gmt":"2008-01-17T08:45:00","slug":"immerhin-1000-euro-von-der-bahn-fur-verschutteten-kaffee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/immerhin-1000-euro-von-der-bahn-fur-verschutteten-kaffee\/","title":{"rendered":"Immerhin: 1000 Euro von der Bahn f\u00fcr versch\u00fctteten Kaffee"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify\">Der Fall <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stella_Liebeck\">Stella Liebeck vs. McDonald&#8217;s<\/a>, in dem der Kl\u00e4gerin aufgrund eines versch\u00fctteten Kaffees in erster Instanz rund eine halbe Million Dollar zugesprochen wurde, muss oft als Beispiel f\u00fcr kuriose Schadensersatzprozesse herhalten. In Deutschland undenkbar? Nicht unbedingt, wenn auch mit bescheidenerem Ausgang: Das <span class=\"gericht\">Amtsgericht Berlin-Tiergarten<\/span> (<em>Urteil<\/em> <span class=\"datum\">vom 24. 7. 2007<\/span><span class=\"az\"> &#8211; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20C%20381\/06\" title=\"AG Berlin-Tiergarten, 24.07.2007 - 6 C 381\/06: Haftung f&uuml;r Eisenbahnen: Unverschuldetes Versch&uuml;...\">6 C 381\/06<\/a>) sieht in der Kaffeeversch\u00fcttung durch einen Zugbegleiter w\u00e4hrend einer Reise im ICE einen Betriebsunfall, der ein Schmerzensgeld von 1.000 Euro rechtfertigt, das auch mit &#8220;entgangenen Urlaubsfreuden&#8221; begr\u00fcndet wird.<\/span><\/p>\n<p>Aus dem Tatbestand:<\/p><\/div>\n<div><span style=\"font-style: italic\"><\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Um 11.30 Uhr versch\u00fcttete der Bahnangestellte X hei\u00dfen Kaffee, der sich \u00fcber den linken Arm der Kl. ergoss. Auf Grund der dadurch verursachten Schmerzen geriet die Kl. in einen schock\u00e4hnlichen Zustand. Der Bahnangestellte f\u00fchrte die Kl. in ein Extraabteil, wo sie sich der durchtr\u00e4nkten Kleidung entledigen konnte. Durch den mitreisenden Arzt Dr. P wurde eine Erstversorgung durchgef\u00fchrt, bei der eine Verbrennung zweiten Grades diagnostiziert wurde.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p><\/span><\/div>\n<p><span style=\"font-style: italic\"><br \/>\nDie Bahn weigerte sich, neben den Reinigungs- und Arztkosten ein Schmerzensgeld zu zahlen &#8211; das Gericht sah den Anspruch gleichwohl:<\/p>\n<p><\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-style: italic\">&#8220;Es mag hier dahingestellt bleiben, ob die Handlung nun von dem Zugbegleiter oder dem unbekannten dritten Fahrgast ausging. Jedenfalls kann ein innerer Zusammenhang des Unfalls mit dem Bahnbetrieb auch durch die f\u00fcr diesen Verkehr typische r\u00e4umliche Enge gegeben sein. Diese herrscht insbesondere in einem Gro\u00dfraumabteil. Es ist durchaus mit Hindernissen im Gang zu rechnen. Ebenso ist es typisch, dass Fahrg\u00e4ste auch w\u00e4hrend der Fahrt unvermittelt aufstehen, schlie\u00dflich sind sie nicht f\u00fcr die Dauer der Fahrt an ihrem Sitz festgeschnallt. Dadurch ergibt sich nat\u00fcrlich die erh\u00f6hte Gefahr, dass trotz aller gebotenen Sorgfalt andere Fahrg\u00e4ste oder Zugpersonal, beispielsweise durch Umrennen oder Ansto\u00dfen, direkt oder mittelbar beeintr\u00e4chtigt werden. Die weiterhin sitzenden Fahrg\u00e4ste sind zudem auf Grund ihrer festen Sitzposition stark in ihren Ausweichm\u00f6glichkeiten eingeschr\u00e4nkt. [&#8230;]<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-style: italic\"><span style=\"font-style: italic\">Die Kl. hat daher einen Anspruch auf Schmerzensgeld, wobei das Gericht 1000 Euro f\u00fcr angemessen h\u00e4lt. Dabei ist zu ber\u00fccksichtigten, dass die Schmerzen relativ lange anhielten, die Abheilung lange andauerte und eine Narbe zur\u00fcckblieb, die, sofern die Kl. nicht lang\u00e4rmlige Kleidung tr\u00e4gt, deutlich zu sehen ist. Bez\u00fcglich der entgangenen Urlaubserholung ist zu ber\u00fccksichtigen, dass der Urlaub zwar beeintr\u00e4chtigt, aber nicht g\u00e4nzlich verhindert wurde.&#8221;<\/span><\/p>\n<p><\/span><\/p>\n<p>Gefunden im aktuellen Heft der NJW, wo u.a ein interessanter Verweis zum Anspruch auf Schadensersatz nach Verbr\u00fchen durch Kaffee in einem \u00e4gyptischen Flugzeug zu finden ist. Merke: Kaffee im Fernverkehr ist gef\u00e4hrlich. Daher lieber Tomatensaft. (zie)<small><small><br \/>\n<\/small><\/small><\/p>\n<p><small><small><\/small><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fall Stella Liebeck vs. McDonald&#8217;s, in dem der Kl\u00e4gerin aufgrund eines versch\u00fctteten Kaffees in erster Instanz rund eine halbe Million Dollar zugesprochen wurde, muss oft als Beispiel f\u00fcr kuriose Schadensersatzprozesse herhalten. In Deutschland undenkbar? 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