{"id":26858,"date":"2016-12-05T07:34:20","date_gmt":"2016-12-05T06:34:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=26858"},"modified":"2018-12-28T18:38:49","modified_gmt":"2018-12-28T17:38:49","slug":"football-leaks-mesut-oezil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/football-leaks-mesut-oezil\/","title":{"rendered":"Football Leaks: &quot;Das sieht richtig \u00fcbel aus&quot; \u2013 Allerdings nicht f\u00fcr Mesut \u00d6zil, sondern f\u00fcr den SPIEGEL"},"content":{"rendered":"[:de]<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-26874 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/fussballundgeld.jpg\" alt=\"Football Leaks Mesut \u00d6zil\" width=\"424\" height=\"283\" \/><em>Der SPIEGEL hat nach seiner letzten &#8220;Enth\u00fcllungsaktion&#8221; wieder einmal zugeschlagen. Aktuell geht es unter dem Titel #footballeaks\u00a0um nach eigenen Angaben &#8220;schmutzige Gesch\u00e4fte aus der Welt des Fu\u00dfballs&#8221;.<\/em><\/p>\n<p><em>Insbesondere die Story \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/mesut-oezil-und-seine-steuertricks-das-sieht-richtig-uebel-aus-a-1124095.html\">Mesut \u00d6zil<\/a> ist jedoch bestenfalls\u00a0misslungen.<\/em><\/p>\n<h2>Bereits\u00a0im Juli 2016 lag der SPIEGEL mit seinem &#8220;\u00c4rztepranger&#8221; daneben<\/h2>\n<p>Bereits\u00a0Juli 2016 hatte der SPIEGEL unter der \u00dcberschrift\u00a0\u201ePharmalohn f\u00fcr \u00c4rzte: Vielen Dank f\u00fcr die Millionen!\u201c\u00a0eine\u00a0Interaktive <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/diagnose\/euros-fuer-aerzte-datenbank-wie-viel-hat-mein-arzt-bekommen-a-1102819.html\">Datenbank mit den Namen von mehr als 20.000 \u00c4rzten<\/a>\u00a0zusammengetragen, die im letzten Jahr Geld von der Pharmaindustrie erhalten hatten.\u00a0Was sich nach seri\u00f6sem Investigativjournalismus anh\u00f6rte, war jedoch nicht nur rechtlich fragw\u00fcrdig (Stichwort: Datenschutz der genannten \u00c4rzte) sondern\u00a0hatte auch nur einen geringen Informationsgehalt, geschweige denn echten Enth\u00fcllungscharakter.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/tausende-aerzte-am-spiegel-online-pranger-ist-die-datenbank-zu-zahlungen-an-aerzte-rechtmaessig\">Wir berichteten<\/a>.<\/p>\n<p>Denn die genannten \u00c4rzte hatten \u2013 was der SPIEGEL eher beil\u00e4ufig erw\u00e4hnte \u2013 \u00a0<em>freiwillig<\/em> an einer von der Pharmaindustrie im Rahmen\u00a0von Transparenzbem\u00fchungen selbst initiierten Umfrage\u00a0teilgenommen. Es war daher davon auszugehen, dass ohnehin nur solche \u00c4rzte auf der Liste stehen, die nur geringe Betr\u00e4ge erhalten und deswegen auch kein\u00a0Problem damit hatten, in einer solchen Liste\u00a0aufzutauchen. Die Datenbank war somit\u00a0so aussagekr\u00e4ftig, wie es\u00a0eine Umfrage\u00a0unter SPIEGEL-Autoren zu der Frage w\u00e4re, wann sie\u00a0das letzte Mal wohl eine richtig schlechte Story ver\u00f6ffentlicht haben.<\/p>\n<h2>D<strong>ie Unterlagen aus #footballeaks unterliegen dem Steuergeheimnis und sind gestohlene Dokumente<\/strong><\/h2>\n<p>Auch bei der aktuellen Berichterstattung des SPIEGEL zu den vermeintlich schmutzigen Gesch\u00e4ften aus der Welt des Fu\u00dfballs handelt es sich \u2013 vorsichtig ausgedr\u00fcckt \u2013\u00a0nicht um eine journalistische Glanzleistung. Jedenfalls, was die &#8220;Enth\u00fcllungen&#8221; zu den <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/mesut-oezil-und-seine-steuertricks-das-sieht-richtig-uebel-aus-a-1124095.html\">Steuervorg\u00e4ngen des Fu\u00dfballers Mesut \u00d6zil<\/a> angeht.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist darauf hinzuweisen, dass es sich dabei nicht um rechtm\u00e4\u00dfig erlangte Informationen, sondern um einen von der &#8220;Enth\u00fcllungsplattform&#8221; Football Leaks dem SPIEGEL zur Verf\u00fcgung gestellten Datensatz von 1,9 Terabyte, handelt.\u00a0&#8220;Das entspricht dem Datenumfang von 500.000 Bibeln&#8221;, betont der SPIEGEL stolz, w\u00e4hrend die Journalisten\u00a0\u00fcberhaupt nicht zu interessieren scheint, dass die Informationen\u00a0aus einem\u00a0Hackerangriff auf die spanische Steuerkanzlei Senn Ferrero im April 2016 stammen und somit gestohlen wurden. Zudem unterliegen die Erkenntnisse dem Steuergeheimnis als\u00a0besondere Form des Datenschutzes.<\/p>\n<h2>Mesut \u00d6zil hat sich v\u00f6llig korrekt verhalten<\/h2>\n<p>Bei der Lekt\u00fcre des &#8220;Enth\u00fcllungsberichts&#8221; zu Mesut \u00d6zil sucht\u00a0man zudem\u00a0die Pointe vergeblich.<\/p>\n<p>Bei\u00a0Football Leaks soll es nach eigener Definiton des SPIEGELS um das &#8220;Aufdecken illegaler Zahlungen an Spielerberater und Investoren ebenso auf wie die Versuche, Millionen an der Steuer vorbei zu schmuggeln dank Offshore-Gesch\u00e4ften&#8221; gehen.<\/p>\n<p>Allein: Diesbez\u00fcglich hat sich Mesut \u00d6zil nichts vorzuwerfen. Er hat weder mittels Offshore-Firmen, noch auf andere Weise versucht, Gelder am Fiskus vorbeizuschleusen oder Einnahmen zu verschleiern. Im Gegenteil. Die Hinweise auf die brav in Deutschland gegr\u00fcndete\u00a0\u00d6zil Marketing GmbH mit Sitz in\u00a0D\u00fcsseldorf und die deutsche Anwaltskanzlei aus M\u00fclheim\u00a0an der Ruhr klingen geradezu kleinb\u00fcrgerlich.<\/p>\n<p>Ein Fehlverhalten behauptet der SPIEGEL noch nicht einmal, sondern breitet lediglich gen\u00fcsslich\u00a0Inhalt vertraulicher und, wie im Bereich betont wird, sogar geheimer Dokumente aus, die\u00a0von v\u00f6llig normalen Vorg\u00e4ngen zeugen, die insbesondere dann entstehen, wenn der Fiskus mehrerer unterschiedlicher L\u00e4nder, im Fall \u00d6zils offenbar Deutschland, Gro\u00dfbritannien und Spanien Steuern einfordert.<\/p>\n<p>Ein SPIEGEL-Redakteur kann sich offenbar nicht vorstellen, dass es zwangsl\u00e4ufig zu Konflikten kommt, wenn 3 Steuerrechtsregime und die damit korrespondierenden Anspr\u00fcche unter einen Hut gebracht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<h2>Es geht um Nachzahlungen und einen Vergleichsvertrag mit seinem Vater<\/h2>\n<p>H\u00f6hepunkt der Story: Eine Nachzahlung in H\u00f6he von 2 Millionen Euro wegen der Einsch\u00e4tzung der spanischen Steuerbeh\u00f6rden, dass\u00a0Zahlungen Real Madrids an seine Berater \u00d6zil steuerrerechtlich als geldwerter Vorteil als Einkommen zur Last fallen sollen. Der Betrag\u00a0klingt hoch, ist aber nat\u00fcrlich im Verh\u00e4ltnis gesehen nichts besonderes. Dann soll es\u00a0einen &#8220;Geheimvertrag&#8221; \u00fcber eine\u00a0Abfindung in H\u00f6he von 8,1 Millionen Euro mit\u00a0seinem Vater geben. Der Betrag relativiert sich ebenfalls, wenn man bedenkt, dass dieser offenbar f\u00fcr 5 Jahre Gesch\u00e4ftsf\u00fchrert\u00e4tigkeit in der \u00d6zil Marketing GmbH geschlossen wurde.<\/p>\n<h2><strong>Berichterstattung erfordert \u00fcberwiegendes Informationsinteresse<\/strong><\/h2>\n<p><em>Ausnahmsweise<\/em> kann\u00a0eine &#8211; zutreffende &#8211; <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/verdachtsberichterstattung\">Berichterstattung auch \u00fcber rechtswidrig erlangte Dokumente\u00a0<\/a>zul\u00e4ssig sein, wenn es\u00a0sich bei den Betroffenen um\u00a0bekannte, in der \u00d6ffentlichkeit stehende Personen handelt <em>und<\/em> daran ein \u00fcberwiegendes \u00f6ffentliches Informationsinteresse besteht. In anderen F\u00e4llen hat die Berichterstattung dazu zu unterbleiben.<\/p>\n<p>Ob die Berichterstattung \u00fcber die Steuerakte von Mesut \u00d6zil\u00a0zul\u00e4ssig ist, darf vor diesem Hintergrund bezweifelt werden. Denn Mesut \u00d6zil ist zwar ein bekannter Fu\u00dfballer, der viel Geld verdient. An der\u00a0Offenlegung von bei internationalen Sachverhalten v\u00f6llig normalen Konflikten mit den unterschiedlichen Beh\u00f6rden, wie sie bei jedem anderen Steuerschuldner in einer \u00e4hnlichen Situation vorkommen k\u00f6nnen, besteht ersichtlich kein \u00fcberwiegendes Informationsinteresse.\u00a0Insbesondere gibt es von den\u00a0vom SPIEGEL thematisierten &#8220;schmutzigen Gesch\u00e4ften&#8221; jedenfalls bei \u00d6zil keine Spur.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/reputationsmanagement\"><strong>Wir haben uns auf den Schutz von Unternehmen und Pers\u00f6nlichkeiten spezialisiert. Falls Sie zu den Betroffenen von rechtswidriger\u00a0Berichterstattung geh\u00f6ren, rufen Sie uns gerne an oder schreiben uns eine E-Mail.\u00a0<\/strong><\/a><\/p>\n<p>UPDATE:\u00a0Spiegel Online hat den Beitrag mittlerweile aus rechtlichen Gr\u00fcnden von seiner Seite entfernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[:de]Der SPIEGEL hat nach seiner letzten &#8220;Enth\u00fcllungsaktion&#8221; wieder einmal zugeschlagen. Aktuell geht es unter dem Titel #footballeaks\u00a0um nach eigenen Angaben &#8220;schmutzige Gesch\u00e4fte aus der Welt des Fu\u00dfballs&#8221;. Insbesondere die Story \u00fcber Mesut \u00d6zil ist jedoch bestenfalls\u00a0misslungen. Bereits\u00a0im Juli 2016 lag der SPIEGEL mit seinem &#8220;\u00c4rztepranger&#8221; daneben Bereits\u00a0Juli 2016 hatte der SPIEGEL unter der \u00dcberschrift\u00a0\u201ePharmalohn f\u00fcr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[13,3173],"tags":[142,1884,3342],"class_list":["post-26858","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht","category-sportrecht","tag-datenschutz","tag-spiegel","tag-football-leaks"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26858","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26858"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26858\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}