{"id":26153,"date":"2016-08-29T06:33:11","date_gmt":"2016-08-29T05:33:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=26153"},"modified":"2017-12-28T16:22:29","modified_gmt":"2017-12-28T15:22:29","slug":"verbot-von-presseanfragen-diffamierungsversuchs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/verbot-von-presseanfragen-diffamierungsversuchs\/","title":{"rendered":"LG Berlin best\u00e4tigt Verbot eines als Presseanfrage getarnten Diffamierungsversuchs"},"content":{"rendered":"
\"Verbot
\u00a9 egokhan \u2013 Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n[:de]Bereits im Juli 2016 berichteten wir von einer einstweiligen Verf\u00fcgung des Landgerichts Berlin<\/a>, mit der dem Antragsgegner\u00a0verboten worden war, vorget\u00e4uschte Presseanfragen zu dem Zweck zu stellen, den Antragsteller unter diesem Deckmantel als angeblichen Betr\u00fcger zu diffamieren (LG Berlin, Beschluss v. 5.7.2016, Az. 35 O 261\/16<\/a>).<\/em><\/p>\n

Das Landgericht Berlin hat in Gestalt eines anderen Spruchk\u00f6rpers in einem \u00e4hnlichen Fall eine weitere einstweilige Verf\u00fcgung nach m\u00fcndlicher Verhandlung aktuell durch Urteil best\u00e4tigt. Danach ist es dem Schuldner verboten, einen Gesch\u00e4ftspartner des Gl\u00e4ubigers \u00a0unter dem Vorwand zu kontaktieren, er stelle als “investigativer Journalist” Recherchen in Bezug auf angebliche, durch den Gl\u00e4ubiger begangene Straftaten an (LG Berlin, Urteil\u00a0v. 19.7.2016, Az. 16\u00a0O 226\/16<\/a>).<\/p>\n

Bei Zuwiderhandlung droht dem Schuldner ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000,00 \u20ac. Die Entscheidung ist nicht rechtskr\u00e4ftig. Der Streitwert wurde mit 50.000,00 \u20ac festgesetzt.<\/p>\n

Was war passiert?<\/h3>\n

Der Schuldner hatte zun\u00e4chst gegen\u00fcber dem Gl\u00e4ubiger eine ausstehende Geldforderung behauptet, die dieser bestritt. Kurz darauf kontaktierte\u00a0er\u00a0unter dem Vorwand der journalistischen Aufarbeitung eines Sachverhalts einen Gesch\u00e4ftspartner des Gl\u00e4ubigers per E-Mail und behauptete, er recherchiere zu\u00a0durch den Gl\u00e4ubiger angeblich begangene, nicht n\u00e4her konkretisierte\u00a0Straftaten.<\/p>\n

Um seiner “investigativen Rechercheanfrage” das n\u00f6tige Gewicht zu verleihen, sprach der Schuldner in seiner E-Mail im Plural und von einem “freien Medienunternehmen in Deutschland”,\u00a0in dessen Namen die Recherchen gef\u00fchrt w\u00fcrden. Eine Nachpr\u00fcfung ergab jedoch, dass die\u00a0unter der angegebenen Internetadresse erreichbare GmbH\u00a0bereits seit fast einem Jahr liquidiert worden war. \u00a0Vor Gericht konnte\u00a0der Schuldner die angedeuteten\u00a0strafrechtlichen Vorw\u00fcrfe nicht ansatzweise substantiieren und auch\u00a0nicht erkl\u00e4ren, wie\u00a0der kontaktierte Gesch\u00e4ftspartner \u00a0zu deren Aufkl\u00e4rung h\u00e4tte beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n

Rechtsanwalt Arno Lampmann von der Kanzlei LHR:<\/p>\n

\u201cDie Pressefreiheit gilt f\u00fcr jeden. Daf\u00fcr ist nicht Voraussetzung, (hauptberuflicher) Journalist zu sein. Es steht daher selbstverst\u00e4ndlich jedem frei, den Betreffenden auch unangenehme Fragen zu stellen, Recherchen anzustellen und dar\u00fcber zu berichten. Voraussetzung daf\u00fcr ist aber nat\u00fcrlich, dass es sich bei der Kontaktaufnahme auch tats\u00e4chlich um eine journalistische Recherche und nicht wie zum \u00a0Beispiel im vorliegenden Fall um einen schn\u00f6den Erpressungsversuch handelt.<\/p><\/blockquote>\n

(la)<\/p>\n[:]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

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