{"id":24779,"date":"2015-12-14T06:49:58","date_gmt":"2015-12-14T05:49:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=24779"},"modified":"2017-12-12T11:25:44","modified_gmt":"2017-12-12T10:25:44","slug":"lg-muenchen-i-weist-antrag-auf-einstweilige-verfuegung-zurueck-bild-pranger-ist-zulaessig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/lg-muenchen-i-weist-antrag-auf-einstweilige-verfuegung-zurueck-bild-pranger-ist-zulaessig\/","title":{"rendered":"LG M\u00fcnchen I weist Antrag auf einstweilige Verf\u00fcgung zur\u00fcck: BILD-Pranger ist zul\u00e4ssig"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_24788\" aria-describedby=\"caption-attachment-24788\" style=\"width: 359px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-24788 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/mob.jpg\" alt=\"LG M\u00fcnchen Pranger der Schande Bild\" width=\"359\" height=\"334\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-24788\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9\u00a0wickerwood \u2013 Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><!--:de--><em>Im Oktober 2015 hatte die BILD einen &#8220;Pranger der Schande&#8221; errichtet.<\/em><\/p>\n<p>Dargestellt wurden\u00a040 Screenshots fremdenfeindlicher Hass-Kommentare von\u00a0Facebooknutzern mit deren vollst\u00e4ndigen Namen nebst\u00a0Profilbildern. Wir hatten dar\u00fcber sowohl bei uns im Magazin <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/verletzt-der-pranger-der-schande-persoenlichkeitsrechte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/presse-und-medienrecht\/ist-pranger-der-schande-von-bild-wegen-facebook-hasskommentaren-zulaessig\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>, als auch in einem <a href=\"http:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/bild-internet-pranger-facebook-hetzer-persoenlichkeitsrechte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel in der Legal Tribune\u00a0ONLINE (LTO)<\/a>\u00a0berichtet.<\/p>\n<h3><strong>Ausgerechnet die BILD<\/strong><\/h3>\n<p>Abgesehen davon, dass sich nicht nur der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/72746\/wer-hass-saet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BILDBlog fragt<\/a>, weshalb sich ausgerechnet die BILD-Zeitung dazu berufen f\u00fchlt, den Hass einfach gestrickter, \u201cbesorgter\u201d B\u00fcrger\u00a0anzuprangern, den sie f\u00fcr gew\u00f6hnlich selbst regelm\u00e4\u00dfig s\u00e4t, hatten wir die Auffassung vertreten, dass der &#8220;Pranger&#8221; rechtlich zul\u00e4ssig sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<h3><strong>LG M\u00fcnchen I weist Antrag auf einstweilige Verf\u00fcgung zur\u00fcck<\/strong><\/h3>\n<p>Wie die LTO am 11.12.2015 <a href=\"http:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/lg-muenchen-urteil-7o2002815-bild-pranger-facebook-hetze-fluechtlinge-persoenlichkeitsrecht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">berichtet<\/a>, teilt das Landgericht M\u00fcnchen I offenbar unsere Meinung und hat einen\u00a0Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verf\u00fcgung einer &#8220;angeprangerten&#8221; Facebooknutzerin nach m\u00fcndlicher Verhandlung zur\u00fcckgewiesen. Dies teilte die Anwaltskanzlei Raue LLP am Freitag mit, die den Axel Springer-Verlag bei dem Verfahren vertrat. Die \u00f6ffentliche Wiedergabe der Facebook-Kommentare in der Printausgabe und der Onlineversion verletze weder die Pers\u00f6nlichkeitsrechte der Antragstellerin, noch sei sie urheberrechtlich zu beanstanden (LG M\u00fcnchen I, Urteil v. 10.12.2015, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=7%20O%2020028\/15\" title=\"LG M&uuml;nchen I, 10.12.2015 - 7 O 20028\/15: Antrag auf einstweilige Verf&uuml;gung zur&uuml;ckgewiesen: BILD...\">7 O 20028\/15<\/a>).<\/p>\n<h3><strong>Urherrechtliche Begr\u00fcndung &#8211; soweit ersichtlich &#8211; bedenklich<\/strong><\/h3>\n<p>Die Entscheidung scheint zur Zeit noch nicht ver\u00f6ffentlicht zu sein, die Begr\u00fcndung ist nicht vollst\u00e4ndig bekannt. Auch wenn die Entscheidung im Ergebnis richtig sein mag, erscheinen\u00a0die bisher auf LTO genannten\u00a0Argumente zur urheberrechtlichen Unbedenklichkeit der Ver\u00f6ffentlichung des Profilbilds zweifelhaft.<\/p>\n<p>Mit dem Verweis auf europarechtliche Vorgaben bezieht sich das Landgericht M\u00fcnchen I offenbar auf die EuGH-Entscheidung, die zu einem &#8220;embedded&#8221; YouTube-Video nach einer Vorlage durch den BGH ergangen ist\u00a0(EuGH, Beschluss v. 21.10.2014, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=C-348\/13\" title=\"EuGH, 21.10.2014 - C-348\/13: BestWater International - Vorabentscheidungsersuchen - Rechtsangle...\">C-348\/13<\/a>). Danach stellt eine Verlinkung\u00a0auf ein an anderer Stelle \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemachtes urheberrechtlich gesch\u00fctztes Werk sogar dann keine Rechtsverletzung dar, wenn\u00a0eine Grafik von einer fremden Seite in eine\u00a0Website so eingebunden wird, dass sie als Teil der\u00a0Website (Inline-Link) erscheint. Dies allerdings nur dann wenn sich die \u00f6ffentliche Zug\u00e4nglichmachung<\/p>\n<ul>\n<li>sich nicht an ein neues Publikum richtet und<\/li>\n<li>keine anderen technischen Mittel zur Einbindung verwendet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach diesen Vorgaben handelt es sich bei\u00a0der Gestaltung auf BILD, die\u00a0nicht aus\u00a0Verlinkungen der Facebookbeitr\u00e4ge, sondern aus\u00a0schlichten Vervielf\u00e4ltigungen in Gestalt von Screenshots besteht, grunds\u00e4tzlich um Eingriffe in das Urheberrecht der jeweiligen Fotografen (die nat\u00fcrlich mit den Abgebildeten meist nicht\u00a0identisch sind).<\/p>\n<h3><strong>Schrankenbestimmungen sind eng auszulegen<\/strong><\/h3>\n<p>Auch die vom Gericht bem\u00fchten Schrankenbestimmungen d\u00fcrften nicht einschl\u00e4gig sein. Die analoge Anwendung ist nur begrenzt m\u00f6glich. Wie alle auf der Sozialbindung des geistigen Eigentums beruhenden Schrankenbestimmungen ist die der Meinungs- und Pressefreiheit sowie dem Informationsinteresse der \u00d6ffentlichkeit dienende Regelung grunds\u00e4tzlich eng auszulegen, weil sie das Ergebnis einer schon vom Gesetzgeber vorgenommenen Abw\u00e4gung zweier verfassungsrechtlicher Positionen darstellt (BGH, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=GRUR%202002,%201050\" title=\"BGH, 11.07.2002 - I ZR 285\/99: Axel Springer Verlag unterliegt gegen&uuml;ber Focus im Streit um Fel...\">GRUR 2002, 1050<\/a>, 1051 -Zeitungsbericht als Tagesereignis).<\/p>\n<h3><strong><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/48.html\" title=\"&sect; 48 UrhG: &Ouml;ffentliche Reden\">\u00a7 48 UrhG<\/a>, \u00f6ffentliche Reden<\/strong><\/h3>\n<p>Die analoge\u00a0Anwendung der Schrankenbestimmung des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/48.html\" title=\"&sect; 48 UrhG: &Ouml;ffentliche Reden\">\u00a7 48 UrhG<\/a> auch auf die Profilbilder erscheint bedenklich, da\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/48.html\" title=\"&sect; 48 UrhG: &Ouml;ffentliche Reden\">\u00a7 48 UrhG<\/a> im Interesse der \u00d6ffentlichkeit an schneller Unterrichtung\u00a0und\u00a0der Pressefreiheit das Urheberrecht\u00a0an bestimmten \u00f6ffentlich gehaltenen Reden einschr\u00e4nkt. Diese Reden d\u00fcrfen unter den in \u00a7 48 genannten Umst\u00e4nden \u00fcber das Zitatrecht des \u00a7 51 hinaus in ihrem Wortlaut zustimmungs- und verg\u00fctungsfrei wiedergegeben werden (Dreier\/Schulze\/Dreier <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/48.html\" title=\"&sect; 48 UrhG: &Ouml;ffentliche Reden\">UrhG \u00a7 48<\/a> Rn. 1). Die Verwendung der Abbildung des Redners ist f\u00fcr die Erf\u00fcllung dieses gesetzgeberischen Zwecks allerdings nicht erforderlich, so dass es bereits an der f\u00fcr einen Analogie erforderlichen Regelungsl\u00fccke fehlen d\u00fcrfte.<\/p>\n<h3><strong><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/51.html\" title=\"&sect; 51 UrhG: Zitate\">\u00a7 51 UrhG<\/a> , Zitate <\/strong><\/h3>\n<p>\u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Schranke des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/51.html\" title=\"&sect; 51 UrhG: Zitate\">\u00a7 51 UrhG<\/a>. Auch hier ist nicht ersichtlich, wie\u00a0die Ver\u00f6ffentlichung des Facebookprofilfotos dem Zitatzweck \u00fcberhaupt dienen k\u00f6nnen soll, nach dem das zitierte Werk zur Erl\u00e4uterung des Inhalts des aufnehmenden Werks verwendet werden muss. Sprich: Das Facebookprofilbild gibt f\u00fcr die von BILD &#8220;angeprangerte&#8221; Nachricht \u00fcberhaupt nichts her.<\/p>\n<h3><strong><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/50.html\" title=\"&sect; 50 UrhG: Berichterstattung &uuml;ber Tagesereignisse\">\u00a7 50 UrhG<\/a> , Berichterstattung \u00fcber Tagesereignisse<\/strong><\/h3>\n<p>Schlie\u00dflich d\u00fcrfte auch der <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/50.html\" title=\"&sect; 50 UrhG: Berichterstattung &uuml;ber Tagesereignisse\">\u00a7 50 UrhG<\/a> der BILD nicht helfen,\u00a0dessen Ausnahme dem Informationsinteresse der Allgemeinheit dient. Diese soll in anschaulicher Form \u00fcber aktuelle Tagesereignisse unterrichtet werden k\u00f6nnen, ohne dass der Berichterstatter die Urheberrechte\u00a0an jedem einzelnen der im Zuge der Berichterstattung akustisch oder optisch in Erscheinung tretenden gesch\u00fctzten Werke erwerben m\u00fcsste (Dreier\/Schulze\/Dreier <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/50.html\" title=\"&sect; 50 UrhG: Berichterstattung &uuml;ber Tagesereignisse\">UrhG \u00a7 50<\/a> Rn. 1). Denn es\u00a0handelt sich bei\u00a0den Hetzbeitr\u00e4gen auf Facebook\u00a0nicht (mehr)\u00a0um aktuelle Tagesereignisse. F\u00fcr Online-Archive, in denen Beitr\u00e4ge f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht werden, gilt die Schranke ohnehin nicht\u00a0(BGH <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=MMR%202011,%20544\" title=\"BGH, 05.10.2010 - I ZR 127\/09: Kunstausstellung im Online-Archiv\">MMR 2011, 544<\/a> \u2013 \u00f6ffentliches Zug\u00e4nglichmachen von Werken aus einem Online-Archiv).<\/p>\n<p>Neben den Entscheidungsgr\u00fcnden sind wir insbesondere auch auf die Antragsfassung und -begr\u00fcndung gespannt. Daran wird zu beurteilen sein, ob die die Entscheidung haltbar oder &#8211; zumindest teilweise &#8211; vom OLG zu korrigieren sein wird.<\/p>\n<p><!--:--><\/p>\n<div class=\"grammarly-disable-indicator\"><\/div>\n<div class=\"grammarly-disable-indicator\"><\/div>\n<div class=\"grammarly-disable-indicator\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Oktober 2015 hatte die BILD einen &#8220;Pranger der Schande&#8221; errichtet. Dargestellt wurden\u00a040 Screenshots fremdenfeindlicher Hass-Kommentare von\u00a0Facebooknutzern mit deren vollst\u00e4ndigen Namen nebst\u00a0Profilbildern. Wir hatten dar\u00fcber sowohl bei uns im Magazin hier und hier, als auch in einem Artikel in der Legal Tribune\u00a0ONLINE (LTO)\u00a0berichtet. 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