{"id":24002,"date":"2015-08-04T15:46:17","date_gmt":"2015-08-04T14:46:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=24002"},"modified":"2017-04-07T10:22:11","modified_gmt":"2017-04-07T09:22:11","slug":"olg-koeln-das-urheberrecht-geht-der-meinungs-und-pressefreiheit-grundsaetzlich-vor-auch-bei-fuer-die-oeffentlichkeit-interessanter-berichterstattung-ueber-staatliche-vorgaenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/olg-koeln-das-urheberrecht-geht-der-meinungs-und-pressefreiheit-grundsaetzlich-vor-auch-bei-fuer-die-oeffentlichkeit-interessanter-berichterstattung-ueber-staatliche-vorgaenge\/","title":{"rendered":"OLG K\u00f6ln: Das Urheberrecht geht der Meinungs- und Pressefreiheit grunds\u00e4tzlich vor, auch bei f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit interessanter Berichterstattung \u00fcber staatliche Vorg\u00e4nge"},"content":{"rendered":"<p><!--:de--><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-24010\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Geheimagent.jpg\" alt=\"Mysterious man waiting in the fog\" width=\"424\" height=\"283\" \/>Zu den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gegen die Betreiber des Blogs <a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\">netzpolitk.org<\/a> ist bereits viel Interessantes, Richtiges und auch Falsches geschrieben worden. Insbesondere, da Fragen aus dem Strafrecht nicht unsere Spezialgebiete betreffen, wollen wir der umfangreichen Berichterstattung auch nichts hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Zum Thema passt allerdings die folgende Entscheidung, in der es ebenfalls um &#8220;geleakte&#8221; Dokumente und die Frage der &#8211; urheberrechtlichen &#8211; Zul\u00e4ssigkeit von deren Ver\u00f6ffentlichung geht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.internet-law.de\/2015\/07\/olg-koeln-waz-gruppe-darf-militaerische-lageberichte-der-bundeswehr-nicht-veroeffentlichen.html\" target=\"_blank\">Thomas Stadler<\/a> weist aktuell auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts K\u00f6ln hin (OLG K\u00f6ln, Urteil v. 12.6.2015, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20U%205\/15\" title=\"OLG K&ouml;ln, 12.06.2015 - 6 U 5\/15: Urheberrecht bei Dokumenten der milit&auml;rischen Unterrichtung de...\">6 U 5\/15<\/a>), die ein Urteil des Landgericht K\u00f6ln best\u00e4tigt, wonach der WAZ-Gruppe untersagt wird, milit\u00e4rische Lageberichte der Bundeswehr (\u201eAfghanistan Papiere\u201c) im Internet zu ver\u00f6ffentlichen. Damit werde das Urheberrecht der Verfasser verletzt.<\/p>\n<p>Die Beklagte hatte sich unter Bezugnahme auf die Auffassung\u00a0Hoeren\/Herring aus dem Aufsatz \u201eUrheberrechtsverletzung durch WikiLeaks? Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit vs. Urheberinteressen\u201c (MMR 2011, 143) haupts\u00e4chlich mit dem Argument verteidigt, dass auch im Urheberrecht die entgegenstehenden Interessen ausnahmsweise miteinander abgewogen werden m\u00fcssen, wenn das Urheberrecht als Handhabe gegen die Ver\u00f6ffentlichung vertraulicher Dokumente eingesetzt werde.\u00a0Dazu sei eine weite Auslegung der Schrankenbestimmungen notwendig und insbesondere eine Ausweitung des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/51.html\" title=\"&sect; 51 UrhG: Zitate\">\u00a7 51 UrhG<\/a> im Informationsinteresse der Allgemeinheit, das im Streitfall einem nur behaupteten Geheimhaltungsinteresse und sonstigen Verwertungsinteressen der Kl\u00e4gerin vorgehe. Ein\u00a0<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/37\/37027\/1.html\" target=\"_blank\">lesenswertes Interview<\/a>\u00a0mit Herrn Prof. Hoeren dazu findet sich hier.<\/p>\n<p>Im Jahre 2013 hatte der Europ\u00e4ische Gerichtshof\u00a0Europ\u00e4ische Menschenrechtsgerichtshof (EGMR) dies noch anders gesehen und in seiner Entscheidung vom\u00a010.01.2013 \u2013\u00a0<a href=\"http:\/\/hudoc.echr.coe.int\/sites\/eng\/pages\/search.aspx?i=001-115845\" target=\"_blank\">Az. 36769\/08<\/a>\u00a0\u2013 betont, dass zwischen\u00a0Meinungs- und Pressefreiheit bestehe eine Wechselwirkung bestehe, welche im Wege einer einzelfallbezogenen Abw\u00e4gung der jeweils betroffenen Interessen unbedingt zu ber\u00fccksichtigen sei. Dabei sei der grundlegenden Bedeutung der Meinungs- und Pressefreiheit im Rahmen einer demokratischen Grundordnung besonders Rechnung zu tragen.<\/p>\n<p>Dem folgten weder Landgericht noch Oberlandesgericht. Neben der Auslegung und Anwendung der urheberrechtlichen Vorschriften bed\u00fcrfe es keiner gesonderten Grundrechtsabw\u00e4gung. Die Abw\u00e4gung habe vielmehr im Rahmen der Auslegung und Anwendung der Schrankenregelungen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/50.html\" title=\"&sect; 50 UrhG: Berichterstattung &uuml;ber Tagesereignisse\">\u00a7\u00a7 50<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/51.html\" title=\"&sect; 51 UrhG: Zitate\">51 UrhG<\/a> zu erfolgen.<\/p>\n<p>Das Oberlandesgericht K\u00f6ln betont f\u00fcr den konkreten Fall, dass\u00a0die Interessenlage es nicht rechtfertige, Dokumente ungek\u00fcrzt zu ver\u00f6ffentlichen.\u00a0Die Ver\u00f6ffentlichung einzelner Ausz\u00fcge aus den Dokumenten reiche\u00a0aus, um die Sichtweise der Kl\u00e4gerin auf die von ihr in den Berichten behandelten Nationen und die Lage im jeweiligen Land wiederzugeben. (la)<\/p>\n<p>(Bild:\u00a0\u00a9 stokkete\u00a0\u2013 Fotolia.com)<!--:--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gegen die Betreiber des Blogs netzpolitk.org ist bereits viel Interessantes, Richtiges und auch Falsches geschrieben worden. Insbesondere, da Fragen aus dem Strafrecht nicht unsere Spezialgebiete betreffen, wollen wir der umfangreichen Berichterstattung auch nichts hinzuf\u00fcgen. 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