{"id":23968,"date":"2015-07-29T06:53:05","date_gmt":"2015-07-29T05:53:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=23968"},"modified":"2017-04-07T10:22:32","modified_gmt":"2017-04-07T09:22:32","slug":"berichte-aus-der-parallelwelt-teil-9-hirschurne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/berichte-aus-der-parallelwelt-teil-9-hirschurne\/","title":{"rendered":"Berichte aus der Parallelwelt, Teil 9 &#8211; Hirschurne"},"content":{"rendered":"<p><!--:de--><em><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-23970\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/hirsch.jpg\" alt=\"hirsch\" width=\"424\" height=\"283\" \/>Ein Werk der angewandten Kunst (hier: Urne mit Hirschmotiv) ist gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/2.html\" title=\"&sect; 2 UrhG: Gesch&uuml;tzte Werke\">\u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG<\/a> gesch\u00fctzt, wenn es sich dabei um eine pers\u00f6nliche geistige Sch\u00f6pfung im Sinn des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/2.html\" title=\"&sect; 2 UrhG: Gesch&uuml;tzte Werke\">\u00a7 2 Abs. 2 UrhG<\/a> handelt. <\/em><\/p>\n<p><em>Eine solche setzt eine individuelle Pr\u00e4gung voraus, deren \u00e4sthetischer Gehalt einen solchen Grad erreicht hat, dass nach Auffassung der f\u00fcr Kunst empf\u00e4nglichen und mit Kunstanschauungen einigerma\u00dfen vertrauten Kreise von einer &#8220;k\u00fcnstlerischen&#8221; Leistung gesprochen werden kann (mit Verweis auf BGH, Urteil vom 13.11.2013 &#8211; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20143\/12\" title=\"I ZR 143\/12 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">I ZR 143\/12<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=MIR%202013,%20Dok.%20097\" title=\"BGH, 13.11.2013 - I ZR 143\/12: Geburtstagszug - Sch&ouml;pfungsh&ouml;he bei angewandter Kunst\">MIR 2013, Dok. 097<\/a> &#8211; Geburtstagszug m. w. N.).<\/em><\/p>\n<p>Ein Hirsch macht noch keinen K\u00fcnstler. Doch sollte individuell erbrachte grafisch-k\u00fcnstlerische Leistung immer auch als solche gesch\u00fctzt werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Der Meinung war auch das OLG K\u00f6ln und entschied, dass die grafisch geschm\u00fcckten Urnen einer Kl\u00e4gerin eigensch\u00f6pferischen Leistungen entsprechen und damit Urheberrecht genie\u00dfen (OLG K\u00f6ln, Urteil v. 20.2.2015, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20U%20131\/14\" title=\"6 U 131\/14 (3 zugeordnete Entscheidungen)\">6 U 131\/14<\/a>).<\/p>\n<p>Im Fall standen sich zwei Unternehmerinnen gegen\u00fcber, die grafisch aufgewertete Urnen vertreiben. Das Sortiment beider Unternehmerinnen enthielt unter anderem die Motive \u201eHirsch\u201c und Gipfelkreuz\u201c. Die Kl\u00e4gerin war der Meinung, die Beklagte w\u00fcrde Ihr Sortiment gezielt nachahmen und die entworfenen Motive kopieren. Gegenstand des Berufungsverfahrens war jedoch nur noch das Motiv \u201eHirsch\u201c, da dem Motiv \u201eGipfelkreuz\u201c bereits die Schutzf\u00e4higkeit in erster Instanz abgesprochen wurde. Die erste Instanz wurde nun vom OLG best\u00e4tigt. Bei der Urne mit dem Motiv \u201eHirsch\u201c der Beklagten handelt es sich um eine Kopie der Arbeit der Kl\u00e4gerin. Diese hat mit ihrem Motiv eine pers\u00f6nliche geistige Sch\u00f6pfung erbracht und damit ein Werk angewandter Kunst erschaffen.<\/p>\n<p>Man muss also noch lange kein K\u00fcnstler sein, um k\u00fcnstlerische Arbeit zu leisten. Solange f\u00fcr \u201eKunst empf\u00e4ngliche\u201c und mit Kunstanschauung \u201eeinigerma\u00dfen vertraute Kreise\u201c eine k\u00fcnstlerische Leistung erkennen k\u00f6nnen. Werke angewandter Kunst bed\u00fcrfen keiner gesteigerten Anforderung an eine Sch\u00f6pfungsh\u00f6he.<\/p>\n<p>Man kann nur hoffen, dass diese Kreise einen Pollock nicht f\u00fcr eine Serviette zum Pinselabstreichen halten. (re)<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserer freien Autorin Katharina Reber. Er ist Teil unseren neuen Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n<p>(Bild:\u00a0\u00a9 awhelin \u2013 Fotolia.com)<!--:--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Werk der angewandten Kunst (hier: Urne mit Hirschmotiv) ist gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG gesch\u00fctzt, wenn es sich dabei um eine pers\u00f6nliche geistige Sch\u00f6pfung im Sinn des \u00a7 2 Abs. 2 UrhG handelt. 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