{"id":23610,"date":"2015-05-18T06:32:01","date_gmt":"2015-05-18T05:32:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=23610"},"modified":"2017-04-07T10:26:24","modified_gmt":"2017-04-07T09:26:24","slug":"berichte-aus-der-parallelwelt-teil-3-der-doppelte-boden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/berichte-aus-der-parallelwelt-teil-3-der-doppelte-boden\/","title":{"rendered":"Berichte aus der Parallelwelt, Teil 3 – Der doppelte Boden"},"content":{"rendered":"

\"SchatztruheZitat aus einem anwaltlichen Schreiben:<\/p>\n

\u201eIch nehme gemeinsam mit meiner Mandantin zur Kenntnis, dass Sie es f\u00fcr erforderlich hielten, eine einstweilige Verf\u00fcgung zu erwirken, obgleich Sie im Besitz einer vollstreckbaren Unterwerfungserkl\u00e4rung sind, aus der wiederum gerade keine Rechte abgeleitet werden. Dieses Gebaren lasse ich unkommentiert […].\u201c<\/p><\/blockquote>\n

Doppelte B\u00f6den sind die \u00e4lteste Masche, um billige Taschenspielertricks oder wertvolles (Diebes-) Gut im sicheren Schein der Unscheinbarkeit zu vertuschen. Es ist da. Man sieht es nur nicht.<\/p>\n

Doppelte B\u00f6den gibt es auch in nichtstofflichen Universen. Sie verstecken sich zwischen Zeilen, hinter Metaphern oder in Ironie und Sarkasmus. Der empathisch Minimalstgebildete hat fr\u00fch gelernt, diesen doppelten Boden zu erkennen. Oder eher: das zu erkennen, was sich in diesem doppelten Boden verbirgt.<\/p>\n

Was will der Dichter uns damit sagen?<\/em> oder der Autor will zum nachdenken anregen<\/em> sind die konditionierten Reize, die unser Hirn auf die Suche nach dem doppelten Boden schicken. Wir kommen mit hechelnder Zunge zur\u00fcck gelaufen wie ein Pawlowscher Hund und pr\u00e4sentieren Interpretationen, Intentionen und Inspirationen.<\/p>\n

Die Ironie und der Sarkasmus sind l\u00e4ngst zum massentauglichen Stilmittel mutiert und statt einer klaren Aussage wird lieber von Grund auf negiert.<\/p>\n

Das ist gut<\/em> ist zu einfach. Das finde ich nicht uninteressant<\/em> klingt soviel eloquenter.<\/p>\n

Das geht nicht<\/em> zu einf\u00e4ltig? Wie w\u00e4re es mit Das ist gar nicht so sinnvoll<\/em>.<\/p>\n

Damit werden nicht nur zwei Zeilen im Artikel sondern auch \u2013 mit einer vorangegangenen kurzen Denkpause \u2013 entscheidende Konversationsminuten gef\u00fcllt.<\/p>\n

Die Matrix hinter Dazu sage ich jetzt mal nichts<\/em>, das lasse ich unkommentiert<\/em> und ich m\u00f6chte ja niemandem zu nahe treten, aber… <\/em>wird jedoch nicht ernsthaft in einem doppelten Boden versteckt. Maximal wird die Klappe aufgelassen oder der Schl\u00fcssel, beschriftet und f\u00fcr alle sichtbar, neben das Schloss gelegt.<\/p>\n

Neugierige und Langfinger willkommen. Offensichtlich subtil.<\/p>\n

Da muss auch der Abiturient nicht lange \u00fcberlegen, wenn er ein Gebaren wie solches liest. Der Kommentar hinter dem Antikommentar springt den Rezipienten an wie ein \u00fcberm\u00fctiger Hund (wo wir wieder bei Pawlow w\u00e4ren) und das soll er ja auch. Darauf ist er konditioniert und daf\u00fcr wird er ja erst von der Leine gelassen. Bildlich gesprochen. Und das ist gar nicht mal so subtil, wie es den Anschein macht. Anschein machen soll.<\/p>\n

Das imagin\u00e4re P.S: Ich bin nur daf\u00fcr verantwortlich, was ich sage. Nicht f\u00fcr das, was du verstehst <\/em>darf zwar aus markenschutzrechtlichen Gr\u00fcnden (die Industrie f\u00fcr lustige und nachdenkliche Spr\u00fcchepostkarten hat sich diesen und einige weitere S\u00e4tze wie z.B. Tr\u00e4ume nicht dein Leben sondern lebe deinen Traum<\/em> exklusivrechtlich gesichert) nicht unter das Anschreiben gesetzt werden, sichert dem Adressanten aber den warmen Platz auf dem Diplomatiesofa und erlaubt trotzdem eine bissige Spitze in Richtung des Adressaten, Intention offensichtlich.<\/p>\n

Ob man sich so etwas auch sparen kann, lasse ich in diesem Fall einmal unkommentiert.<\/p>\n

(Bild: Schatztruhe enth\u00fcllt leuchtendes Geheimnis \u00a9 Smileus)<\/p>\n

Der Beitrag stammt von unserer freien Autorin Katharina Reber. Er ist Teil unserer neuen Reihe “Berichte aus der Parallelwelt”. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge, Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Zitat aus einem anwaltlichen Schreiben: \u201eIch nehme gemeinsam mit meiner Mandantin zur Kenntnis, dass Sie es f\u00fcr erforderlich hielten, eine einstweilige Verf\u00fcgung zu erwirken, obgleich Sie im Besitz einer vollstreckbaren Unterwerfungserkl\u00e4rung sind, aus der wiederum gerade keine Rechte abgeleitet werden. Dieses Gebaren lasse ich unkommentiert […].\u201c Doppelte B\u00f6den sind die \u00e4lteste Masche, um billige Taschenspielertricks […]<\/p>\n","protected":false},"author":26,"featured_media":23656,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[1,3382],"tags":[102,1252,1426],"class_list":["post-23610","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-magazin","category-kurioses-und-interessantes","tag-anwaltsdeutsch","tag-sprache","tag-anwalt"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23610","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/26"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23610"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23610\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23610"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23610"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23610"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}