{"id":23443,"date":"2015-03-25T08:02:17","date_gmt":"2015-03-25T07:02:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=23443"},"modified":"2017-04-07T10:28:57","modified_gmt":"2017-04-07T09:28:57","slug":"phaenomene-im-internetdas-kann-ich-ihnen-nicht-uebersetzen-fremdenhass-im-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/phaenomene-im-internetdas-kann-ich-ihnen-nicht-uebersetzen-fremdenhass-im-internet\/","title":{"rendered":"Ph\u00e4nomene im Internet: \u201eDas kann ich Ihnen nicht \u00fcbersetzen\u201c – Fremdenhass auf Facebook"},"content":{"rendered":"

\"hundtollwut\"Wir freuen uns, heute einen Artikel einer unserer neuen Autoren pr\u00e4sentieren zu d\u00fcrfen. Katharina Reber ist Studentin, kennt sich in der Kommunikation im Netz gut aus und kommentiert heute einen Beitrag aus SPON<\/a>:<\/p>\n

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Virtuelle Beleidigungen und \u00fcble Nachreden unterscheiden sich rein rechtlich nicht von solchen auf der Stra\u00dfe. Doch gibt es einen gro\u00dfen Unterschied zwischen den Hemmschwellen von Beleidigungen und Beschimpfungen, sobald wir uns von der Stra\u00dfe vor den Computer bewegen?<\/p>\n

Ob in Onlineforen, auf Nachrichtenseiten oder im privaten Chat. Mit der virtuellen Mauer zwischen uns und dem Rest der Welt f\u00fchlen wir uns oftmals sicherer und selbstbewusster, als von Angesicht zu Angesicht.<\/p>\n

\u201eNein. Ich kann das nicht.\u201c<\/strong><\/p>\n

Menschenrechtler aus Litauen haben nun in einem Experiment die Verschiebung dieser nat\u00fcrlichen Schwelle aufzeigen wollen. Probanden wurden unter dem Vorwand, f\u00fcr einen vermeintlichen Werbespot an einem Casting teilzunehmen, mit anderen Mitstreitern in einen Warteraum gesetzt. Ein schwarzer Mitbewerber \u2013 selbst Schauspieler \u2013 bat seine Konkurrenten, ihm Kommentare auf seiner Facebookseite zu \u00fcbersetzen, da er die Sprache noch nicht gut genug beherrsche.<\/p>\n

Die zun\u00e4chst simple Aufgabe wird f\u00fcr die Mitbewerber schnell zur unl\u00f6sbaren Aufgabe, als sie erkennen, was sie ihrem Gegen\u00fcber ins Gesicht sagen sollen. Worte wie \u201eAffe\u201c oder \u201eSklave\u201c werden verwendet. Die Teilnehmer sind sichtlich fassungslos, m\u00f6chten den Text nicht \u00fcbersetzen. Die Schwelle, einer realen Person solche Worte des offensichtlichen Hasses von Angesicht zu Angesicht entgegenzubringen, ist f\u00fcr sie zu gro\u00df.<\/p>\n

Die Hemmschwelle im Internet ist geringer<\/strong><\/p>\n

Im Internet, vor der Tastatur und mit dem sicheren Abstand des world wide webs f\u00e4llt dies oftmals leichter. Aktuelle Meldungen solcher Art sind uns auch aus Deutschland nicht unbekannt, wenn wieder Zitate eines ehemaligen Sprechers von PEGIDA ver\u00f6ffentlicht werden. \u201eViehzeug\u201c und \u201eGelumpe\u201c in Bezug auf Menschen anderer ethnischer Abstammung haben dasselbe Kaliber, wie die \u00c4u\u00dferungen im Experiment der Litauer.<\/p>\n

Die Rechtsprechung macht keine Unterschiede<\/strong><\/p>\n

Worte sind schnell geschrieben. Sich populistischen Meinungs\u00e4u\u00dferungen anzuschlie\u00dfen geht \u00fcber einen Klick auf den \u201eGef\u00e4llt mir\u201c Button. Seinen Mitmenschen den offenen Hass Auge in Auge entgegenzubringen, ist wesentlich schwieriger.<\/p>\n

F\u00fcr die Gesch\u00e4digten gibt es kaum einen Unterschied zwischen gelesenem und pers\u00f6nlich empfangenem Hass. Und die Gesetzgebung unterscheidet im Fall von Beleidigungen oder rassistischen \u00c4u\u00dferungen auch nicht zwischen dem gesprochenen und dem geschriebenen Wort.<\/p>\n

Das Video mit deutschen Untertiteln finden sie unter diesem Link.<\/a><\/p>\n

Dieses Ph\u00e4nomen besch\u00e4ftigt sicherlich nicht nur Juristen sondern aus anderer Perspektive auch Soziologen, Psychologen, Philosophen. F\u00fcr uns stellt sich die Frage, wie die unterschiedlichen Verhaltensweisen juristisch zu bewerten sind. Das gesprochene Wort ist gegen\u00fcber dem im Internet geschriebenen Wort fl\u00fcchtig – dies wird vor allem im Rahmen der Beweisbarkeit relevant. Die Intensit\u00e4t des Eingriffs in die Pers\u00f6nlichkeitsrechte des Betroffenen d\u00fcrften jedoch unterschiedlich zu bewerten sein.<\/p>\n

Die Gesellschaft beginnt gerade damit, sich diesen Fragen zu stellen. Wir sind gespannt, wie es weitergeht und werden sicherlich aktiv an dem Prozess teilnehmen. (ro)<\/p>\n

(Bild: \u00a9 tverkhovinets – Fotolia.com)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

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