{"id":23325,"date":"2015-03-11T08:05:46","date_gmt":"2015-03-11T07:05:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=23325"},"modified":"2017-04-07T10:29:49","modified_gmt":"2017-04-07T09:29:49","slug":"phaenomene-im-internet-heute-am-beispiel-pferdeherpes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/phaenomene-im-internet-heute-am-beispiel-pferdeherpes\/","title":{"rendered":"Ph\u00e4nomene im Internet \u2013 heute am Beispiel \u201ePferdeherpes\u201c"},"content":{"rendered":"

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Wir sind in unserer Kanzlei unter anderem auf das Presserecht spezialisiert. In diesem Rechtsgebiet k\u00e4mpfen wir mit, oder gegen \u2013wir wissen es oft selber nicht- den neuen Kommunikationsformen. Die Kommunikation im Internet und in den sozialen Medien entwickelt sich schnell. Die Art und Weise \u00e4ndert sich st\u00e4ndig.<\/p>\n

Die Gesellschaft bezieht ihre Informationen nicht mehr aus der guten alten Tageszeitung und um 20.15 Uhr w\u00e4hrend der Tagesschau. Das Internet bietet eine un\u00fcberschaubare Menge an Informationen auf unterschiedlichsten Plattformen und allen denkbaren und undenkbaren Quellen.<\/p>\n

Bevor rechtliche Einordnungen dieser Entwicklungen vorgenommen werden ist es wichtig, diese erst einmal zu kategorisieren und Ph\u00e4nomene zu beschreiben.<\/p>\n

Wir freuen uns heute, einen Gastbeitrag von Linda Ortmann einbringen zu d\u00fcrfen. Die Studentin beschreibt den Verlauf eines speziellen Themas, vom Ursprung \u00fcber die Verbreitung, die Verbreitungswege bis zu dem Zeitpunkt, als sich das Thema in den Medien erledigte.<\/p>\n

\u201ePferdeherpes und Medien \u2013 es beginnt mit einer gro\u00dfen Schlagzeile im Februar 2015<\/strong><\/p>\n

\u201eAngst vor t\u00f6dlichem Pferde-Virus\u201c lautet die \u00dcberschrift des Berichtes des WDR vom 17.2.2015, den ich als Initialz\u00fcndung einer Welle von Berichterstattungen \u00fcber das Herpesvirus bei Pferden wahrgenommen habe.<\/p>\n

Nach einigen Erkrankungen in den Niederlanden und Belgien -\u00fcber den genauen Ursprungsort gibt es verschiedene Quellen- trat die Krankheit Mitte Februar zum ersten Mal in diesem Jahr im Bergischen Land auf.<\/p>\n

W\u00e4hrend sich die Berichterstattung \u00fcber Erkrankungen im Ausland in Grenzen hielt und in der deutschen Presse nahezu keine Beachtung fand, ist der Bericht des WDR der erste einer ganzen Reihe. Weitere Berichte folgten dem Muster des WDR. Stellvertretend ist hier der Artikel der Aachener Zeitung \u201eT\u00f6dliche[r] Pferdeherpes auch im Bergischen Land\u201c vom 20.2.2015 zu nennen. Die Artikel beziehen sich haupts\u00e4chlich auf den Vorfall im Bergischen Land und die Mortalit\u00e4t der Krankheit, sowie auf die unter Quarant\u00e4ne gestellten Reitst\u00e4lle.<\/p>\n

Nach dem Erscheinen des Berichts des WDR und der nachfolgenden Verbreitung in der Tagespresse, entwickelte sich rasch eine Popularit\u00e4t des Themas auch in sozialen Netzwerken, wie beispielsweise der Plattform facebook.<\/p>\n

Vom WDR-Bericht ausgehend wird das Thema in den sozialen Netzwerken gro\u00df gemacht…<\/strong><\/p>\n

Dort gaben die betroffenen Pensionsbetriebe hilfreiche Tipps bei akutem Herpesbefall und Pr\u00e4vention vor Ausbreitung der Krankheit. Es wurden auch Gruppen gebildet, z.B. Aktuelle Situation Druse, Herpes \u201eQuarant\u00e4ne\u201c in welcher sich innerhalb von ca. einer Woche \u00fcber 5.000 Mitglieder angemeldet haben. Die Gruppe hat nach eigener Beschreibung den Zweck \u00fcber F\u00e4lle von Pferdeherpes sowie unter Quarant\u00e4ne gestellte St\u00e4lle zu informieren. Neben diesen Informationen findet man in der Gruppe zahllose Diskussionen der Mitglieder \u00fcber das Thema \u201eHerpes\u201c sowie den Umgang mit dem Thema.<\/p>\n

Auch beim Nachrichtenportal Twitter wurde das Thema behandelt. Die Masse der Berichterstattungen hat dort nach dem WDR-Bericht zu-, jedoch an Sachlichkeit abgenommen. Erst ist die Rede von Ger\u00fcchten, pl\u00f6tzlich ist im ganzen Bergischen Land fast jedes Pferd betroffen – angeblich!<\/p>\n

\u2026und bricht ab, als Tier\u00e4rzte den Wind aus den Segeln nehmen<\/strong><\/p>\n

Am 23.2.2015 gab es Entwarnung. Der Solinger Bote berichtete \u00fcber einen Zusammenschluss mehrerer Tier\u00e4rzte und Kliniken, die im Rahmen einer Informationsveranstaltung die betroffenen Pferdebesitzer zur Ruhe mahnen und medizinische Aufkl\u00e4rungsarbeit leisten. Dies wird auch durch das rp-Online Magazin aufgegriffen. \u201ePanik nach Pferde-Herpes: Verband gibt Entwarnung\u201c lautet die \u00dcberschrift des Artikels vom 24.2.2015.<\/p>\n

Die kurze, aber hei\u00dfe Phase der Berichterstattungen ist damit beendet. Kaum mehr gibt es Nachrichten von panischen Pferdem\u00e4dchen auf Twitter und auch der Zufluss zu den Informationsgruppen auf facebook nimmt deutlich ab. \u201eDas Thema ist durch, zumindest f\u00fcr dieses Jahr. Bei der n\u00e4chsten Impf-Phase im Winter geht es wieder los.\u201c schreibt eine Nutzerin und schlie\u00dft ihre Gruppe.<\/p>\n

Die letzten mir bekannten Artikel \u00fcber das Herpesvirus erschienen am 1. und 2.3.2015. Dort schafft es das Thema l\u00e4ngst nicht mehr in die Schlagzeilen: AGRARtotal berichtete mit \u201ePferdeherpes im Rheinland\u201c \u00fcber drei eingeschl\u00e4ferte Pferde. Nur bei einem sei das Virus sicher festgestellt worden. Ein gleichnamiger Artikel wird nur einen Tag sp\u00e4ter bei Western News ver\u00f6ffentlicht, der noch einmal aus gegebenem Anlass \u00fcber die allgemeine Krankheit berichtet. Seitdem ist es still.\u201c<\/p>\n

\u00a0Informationsinteresse?<\/strong><\/p>\n

Bei dem un\u00fcberschaubaren Wust an Informationen stelle ich mir diverse Fragen, deren Antwort ich schuldig bleiben werde:<\/p>\n