{"id":22273,"date":"2014-09-03T06:53:05","date_gmt":"2014-09-03T05:53:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=22273"},"modified":"2017-04-07T10:40:38","modified_gmt":"2017-04-07T09:40:38","slug":"landgericht-frankfurt-stoppt-umstrittene-fahrdienste-uber-und-uber-pop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/landgericht-frankfurt-stoppt-umstrittene-fahrdienste-uber-und-uber-pop\/","title":{"rendered":"Landgericht Frankfurt stoppt umstrittene Fahrdienste Uber und Uber POP"},"content":{"rendered":"

<\/p>\n

\"Uber-Logo\"Das Landgericht Frankfurt hat die rasante Fahrt des Taxi-Konkurrenten Uber im einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahren – zumindest vorerst – gestoppt.<\/p>\n

Die Taxi Deutschland Servicegesellschaft f\u00fcr Taxizentralen eG hat als Antragstellerin im Eilverfahren ein Verbot erwirkt, wonach es Uber ab sofort bundesweit untersagt ist, Bef\u00f6rderungsw\u00fcnsche von Fahrg\u00e4sten \u00fcber Apps an Fahrer zu vermitteln, die nicht im Besitz einer speziellen Genehmigung nach dem Personenbef\u00f6rderungsgesetz sind.<\/p>\n

Eine Ausnahme von dem Verbot gilt nur dann, wenn das verlangte Entgelt die Betriebskosten der Fahrt nicht \u00fcberschreitet. Uber hatte offenbar bereits eine b\u00f6se Vorahnung und hinterlegte beim Landgericht Frankfurt eine Schutzschrift. Erfolglos.<\/p>\n

Kritik an \u201eShare Economy\u201c<\/strong><\/p>\n

Diensteanbieter wie Uber und AirBnB sehen sich als Pioniere einer neuen, nachhaltigeren Gesellschaftsordnung, in der alle alles teilen. Hierzu z\u00e4hlen auch Carsharing Unternehmen und die Mitfahrzentrale. Im Kern ist allen gemein, dass die Gesellschaft insgesamt weniger Ressourcen verbraucht und somit zur Nachhaltigkeit beitr\u00e4gt. Doch anders als Carsharing und Mitfahrzentrale stehen Uber und AirBnB in st\u00e4ndiger Kritik.<\/p>\n

Genauso wie AirBnB proklamiert Uber die liberale Marktideologie \u201eje weniger Regeln, desto besser\u201c. Die Preise werden allein durch Angebot und Nachfrage geregelt. Ein Vorwurf an Uber geht dahin, dass das Modell zu einem ungleichberechtigten Zugang zu Mobilit\u00e4t f\u00fchre. Preise steigen z.B. schlechtem Wetter an. Das herk\u00f6mmliche Taxi hat feste Tarife. Uber kann daher g\u00fcnstiger, aber auch wesentlich teurer sein. Auch Sicherheitsrisiken sowie schlechte Bedingungen f\u00fcr die Fahrer sind immer wieder Thema der Kritik, da die Fahrer auf eigene Rechnung arbeiten, in vielen L\u00e4ndern ohne Versicherungsschutz und die \u00fcblichen Lizenzen. In Berlin und Hamburg hatten die Beh\u00f6rden schon entsprechende Verbote erlassen. Anders als der aktuelle Beschluss des Landgerichts Frankfurt (Beschluss vom 25.08.2014, Az.: 2-03 O 329\/14<\/a>)<\/strong> galten diese Verbote jedoch nur auf kommunaler Ebene. Eine Reaktion von Uber auf das Verbot ist deshalb zu erwarten.<\/p>\n

Wettbewerbsversto\u00df f\u00fchrt zu bundesweitem Verbot<\/strong><\/p>\n

Sowohl die Antragstellerin als auch Uber bieten gleichartige Dienstleistungen innerhalb desselben Abnehmerkreises an. Nach Auffassung des Gerichts f\u00fchre dies zu einem Wettbewerbsverh\u00e4ltnis. Das Verhalten von Uber sei nicht mit bestehenden Marktverhaltensregeln zu vereinbaren. Personenbef\u00f6rderungen d\u00fcrften nach dem Personenbef\u00f6rderungsgesetz nur mit entsprechender Genehmigung angeboten und durchgef\u00fchrt werden. Uber vermittle diese Dienste jedoch an Personen, die keinen \u201eF\u00fchrerschein zur Fahrgastbef\u00f6rderung\u201c (auch \u201ePersonenbef\u00f6rderungsschein\u201c) besitzen. Auch wenn Uber nicht selbst die Bef\u00f6rderungsleistungen erbringe, hafte sie zumindest als Teilnehmerin an dem vom jeweiligen Fahrer begangenen Versto\u00df, da sie am berechneten Fahrpreis beteiligt sei. Uber berief sich in der Schutzschrift darauf, dass sie vor der Fahrt nur einen Entgeltvorschlag unterbreite und die Verg\u00fctung selbst nicht festsetze. Nach Auffassung des Landgerichts konnte dieser Vortrag Uber nicht von der Haftung befreien, da\u00a0 Uber bei Unterbreitung der Vorschl\u00e4ge alle Umst\u00e4nde f\u00fcr die Entgeltberechnung und damit der Versto\u00df gegen das Personenbef\u00f6rderungsgesetz bekannt sei. Die Vorschl\u00e4ge seien daher auf Rechtsverletzungen angelegt. Da Uber auf eine Abmahnung der Taxi Deutschland Servicegesellschaft keine strafbewehrte Unterlassungserkl\u00e4rung abgegeben hat, sei auch die Wiederholungsgefahr gegeben. (th)<\/p>\n

\u00a0UPDATE <\/strong>am 14.09.2014: Das Landgericht Frankfurt hat eine weitere einstweilige Verf\u00fcgung in Bezug auf Uber erlassen. Diesmal hat 6. Zivilkammer<\/span> mit Beschluss vom 8. September 2014 (Az. 2-06 O 318\/14<\/a>) einem Uber-Fahrer verboten, \u00fcber die Applikationen Auftr\u00e4ge anzunehmen und auszuf\u00fchren.<\/p>\n

\n

“Dem Antragsgegner wird im Wege der einstweiligen Verf\u00fcgung wegen Dringlichkeit ohne m\u00fcndliche Verhandlung bei Meidung von Ordnungsgeld bis 250.000,00 EUR – ersatzweise Ordnungshaft – oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, f\u00fcr jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt, im gesch\u00e4ftlichen Verkehr zur Wettbewerbszwecken Bef\u00f6rderungsw\u00fcnsche von Fahrg\u00e4sten \u00fcber den Dienst \u201cUber Pop\u201d der technischen Applikation \u201cUber\u201d anzunehmen und hierf\u00fcr den von Uber f\u00fcr die Fahrt vorgegebenen Betrag zu vereinnahmen, ohne im Besitz einer Genehmigung nach dem PBefG zu sein, es sei denn, das vom Antragsgegner vereinnahmte Gesamtentgelt f\u00fcr die Bef\u00f6rderungsfahrt \u00fcbersteigt nicht die reinen Betriebskosten der Fahrt”.<\/em><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n

(th)<\/em><\/span><\/p>\n

\u00a0UPDATE<\/strong> am 19.09.2014: Das Landgericht Frankfurt hat die einstweilige Verf\u00fcgung vom 25.08.20124 gegen Uber nach Widerspruch von Uber und m\u00fcndlicher Verhandlung aufgehoben.\u00a0 Die Kammer stellte allerdings klar, dass sie das Angebot nach wie vor f\u00fcr rechtswidrig halte. Allerdings sei die Sache nicht mehr dringlich und somit fehle der Verf\u00fcgungsgrund. Da der Taxi Deutschland Servicegesellschaft bereits seit 2013 die Dienste von Uber bekannt seien, k\u00f6nne eine Entscheidung im Eilverfahren nicht mehr begehrt werden.<\/p>\n

Uber hatte sich in seinem Widerspruch aber auch in der Sache ge\u00e4u\u00dfert und mit Hilfe eines Rechtsgutachtens des Staatsrechtlers und fr\u00fcheren Verteidigungsministers Rupert Scholz (CDU) versucht das Gericht von der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Dienstes zu \u00fcberzeugen. Scholz kam in seinem Gutachten zu dem Schluss, dass es sich bein den Angeboten von Uber um die Vermittlung von Gelegenheitsverkehr handle. Nach seiner Auffassung sei Uber eine elektronische Mitfahrgelegenheit und rechtm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n

Das Gericht zeigte sich – aus unserer Sicht v\u00f6llig zu Recht – davon unbeieindruckt. Der Vorsitzende Richter Frowin Kurth \u00e4u\u00dferte sich in der\u00a0 m\u00fcndlichen Verhandlung dazu folgenderma\u00dfen:<\/p>\n

\n

“Nicht jedes Gutachten, was von einem Hochschullehrer verfasst wurde, ist automatisch geeignet, die Rechtsprechung, wie es vielleicht gew\u00fcnscht ist, zu beeinflussen”<\/p>\n<\/blockquote>\n

(th)<\/p>\n

<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Das Landgericht Frankfurt hat die rasante Fahrt des Taxi-Konkurrenten Uber im einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahren – zumindest vorerst – gestoppt. Die Taxi Deutschland Servicegesellschaft f\u00fcr Taxizentralen eG hat als Antragstellerin im Eilverfahren ein Verbot erwirkt, wonach es Uber ab sofort bundesweit untersagt ist, Bef\u00f6rderungsw\u00fcnsche von Fahrg\u00e4sten \u00fcber Apps an Fahrer zu vermitteln, die nicht im Besitz einer […]<\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":22281,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[1,15],"tags":[1000,2797,2798,2799,2800],"class_list":["post-22273","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-magazin","category-wettbewerbsrecht-kartellrecht","tag-landgericht-frankfurt","tag-uber","tag-fahrdienst","tag-taxi","tag-app-verbot"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22273"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22273\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22281"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22273"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}