{"id":21127,"date":"2014-03-26T06:21:31","date_gmt":"2014-03-26T05:21:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=21127"},"modified":"2017-04-07T10:53:12","modified_gmt":"2017-04-07T09:53:12","slug":"rechtsverletzende-fahndungsaufrufe-auf-facebook","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/rechtsverletzende-fahndungsaufrufe-auf-facebook\/","title":{"rendered":"Rechtsverletzende Fahndungsaufrufe auf Facebook"},"content":{"rendered":"<p><!--:de--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17182\" alt=\"unclesam\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/unclesam.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/unclesam.jpg 150w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/unclesam-44x44.jpg 44w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/unclesam-90x90.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Das soziale Netzwerk Facebook wird immer h\u00e4ufiger durch Privatpersonen dazu genutzt, Fahndungsaufrufe zu ver\u00f6ffentlichen. Die Nutzer erhoffen sich nicht zu Unrecht eine m\u00f6glichst breite Streuung ihres Anliegens und verkennen dabei die rechtliche Brisanz, die mit einer solchen Ver\u00f6ffentlichung einhergeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu beachten ist bei einer Ver\u00f6ffentlichung von Daten oder Fotos hinsichtlich einer bestimmten Person immer das Pers\u00f6nlichkeitsrecht des durch die Ver\u00f6ffentlichung Betroffenen. Jeder darf grunds\u00e4tzlich selbst dar\u00fcber entscheiden, inwiefern Dritte pers\u00f6nliche Daten oder Fotos \u00f6ffentlich machen d\u00fcrfen (vgl. BVerfG, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=NJW%201973,%201226\" title=\"BVerfG, 05.06.1973 - 1 BvR 536\/72: Der Soldatenmord von Lebach\">NJW 1973, 1226<\/a>, 1227f.). Nach den Vorgaben der Verdachtsberichterstattung d\u00fcrfen die Medien unter bestimmmten Voraussetzungen identifizierend berichten und sogar Fahndungsbilder ver\u00f6ffentlichen, obwohl der Grundsatz &#8220;in dubio pro reo&#8221; bis zu einer rechtskr\u00e4ftigen Verurteilung Bestand hat. Die besonders strengen Voraussetzungen hinsichtlich einer identifizierenden Berichterstattung w\u00e4hrend eines Ermittlungsverfahrens k\u00f6nnen <a title=\"Die BILD als Sheriff \u00fcber der Rechtsordnung\" href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/presse-und-medienrecht\/die-bild-zeitung-als-sheriff-uber-der-rechtsordnung\" target=\"_blank\">hier<\/a> nachgelesen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Letztlich ist bei der immer erforderlichen Abw\u00e4gung der widerstreitenden Rechte aufgrund der <a title=\"Prangerwirkung des Internets\" href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/lg-munchen-i-und-die-prangerwirkung-des-internets-anonyme-rechtsverletzungen-durfen-anonym-bleiben\" target=\"_blank\">Prangerwirkung<\/a> eines Verdachtsberichts, der den Betroffenen &#8211; oftmals selbst bei einem sp\u00e4teren Unschuldsbeweis &#8211; mit einem Makel behaftet, das allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrecht besonders stark zu gewichten und damit besonders sch\u00fctzenswert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Neuerdings <a title=\"Aktuelles Beispiel eines Fahndungsaufrufs bei Facebook\" href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/kriminalitaet\/facebook-fahndung-fahndung-mit-facebook,25733026,26054788.html\" target=\"_blank\">mehren sich die Nachrichten \u00fcber private Fahndungsaufrufe bei Facebook<\/a>. Die Polizei, <a title=\"Polizei fahndet \u00fcber Facebook\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/kriminalitaet\/fahndung-mit-facebook-gefaellt-mir-12693365.html\" target=\"_blank\">die die Fahndungsplattform Facebook l\u00e4ngst f\u00fcr sich entdeckt hat<\/a>, r\u00e4t dringend von solchen eigenm\u00e4chtigen Fahndungsaufrufen durch Privatpersonen ab. Zum einen obliegt die Strafverfolgung immer und ausschlie\u00dflich den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden. Dieser Grundsatz ist ausnahmslos zu gew\u00e4hrleisten, weil eine Verletzung des Grundsatzes im schlimmsten denkbaren Fall zu einer <a title=\"Gefahr durch Mob\" href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/presse-und-medienrecht\/%E2%80%9Etatort-internet%E2%80%9C-verbot-der-ausstrahlung-durch-einstweilige-verfugung\" target=\"_blank\">Lynchjustiz des Mobs<\/a> f\u00fchren kann. Zum anderen kann ein privater Fahndungsaufruf wegen einer damit einhergehenden Pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzung nicht unerhebliche rechtliche Konsequenzen gegen den Verfasser des Fahnungsaufrufs nach sich ziehen. Neben der kostentr\u00e4chtigen Durchsetzung zivilrechtlicher Unterlassungs- und Geldentsch\u00e4digungsanspr\u00fcche droht auch eine Strafanzeige wegen \u00fcbler Nachrede gem\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/186.html\" title=\"&sect; 186 StGB: &Uuml;ble Nachrede\">\u00a7 186 StGB<\/a>, falls sich der dem Fahndungsaufruf zugrunde liegende Verdacht nicht best\u00e4tigen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In einem <a title=\"ARD-Interview RA Haberkamm \" href=\"http:\/\/mediathek.daserste.de\/sendungen_a-z\/7726194_ratgeber-internet\/17897152_extra-interview-zu-der-internetreporter-wo-ist\" target=\"_blank\">Interview mit der ARD<\/a> stellt Rechtsanwalt Niklas Haberkamm zudem klar, dass eine Pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzung durch einen Fahndungsaufruf sogar dann vorliegen kann, wenn der Vorwurf hinsichtlich der Straftat berechtigt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zuletzt besteht bei der Ver\u00f6ffentlichung von Fahndungsfotos auf Facebook auch die <a title=\"Urheberrechtsverletzung durch Ver\u00f6ffentlichung eines Fahndungsfotos\" href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/presse-und-medienrecht\/natascha-k-ein-phantombild-und-das-urheberrecht\" target=\"_blank\">Gefahr einer Urheberrechtsverletzung<\/a>, weshalb auch aus diesem Grund von einer eigenm\u00e4chtigen Ermittlung durch Privatpersonen abzuraten ist. (ha)<\/p>\n<p><!--:--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das soziale Netzwerk Facebook wird immer h\u00e4ufiger durch Privatpersonen dazu genutzt, Fahndungsaufrufe zu ver\u00f6ffentlichen. Die Nutzer erhoffen sich nicht zu Unrecht eine m\u00f6glichst breite Streuung ihres Anliegens und verkennen dabei die rechtliche Brisanz, die mit einer solchen Ver\u00f6ffentlichung einhergeht. 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