{"id":1866,"date":"2010-10-27T18:57:53","date_gmt":"2010-10-27T16:57:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr-blog\/?p=1866"},"modified":"2010-10-27T18:57:53","modified_gmt":"2010-10-27T16:57:53","slug":"verfassungswidrige-vorratsdatenspeicherung-freifahrtsschein-fur-filesharer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/verfassungswidrige-vorratsdatenspeicherung-freifahrtsschein-fur-filesharer\/","title":{"rendered":"Verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung = Freifahrtsschein f\u00fcr Filesharer?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Nicht selten wird die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 02.03.2010 <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/entscheidungen\/rs20100302_1bvr025608.html\" target=\"_blank\">(BVerfG, 1 BvR 256\/08, 2.3.2010)<\/a> zur Vorratsdatenspeicherung als letztes Mittel herangezogen, um sich aus der Verantwortung zu stehlen,\u00a0 nachdem \u201eerfolgreich\u201c auf Tauschb\u00f6rsen urheberrechtlich gesch\u00fctztes Material \u201egetauscht\u201c wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hierbei wird \u00fcbersehen, dass das Bundesverfassungsgericht die Datenspeicherung nicht per se f\u00fcr verfassungswidrig erachtet :<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>\u201c Zusammenfassend ist eine sechsmonatige Speicherung der Telekommunikationsverkehrsdaten in dem vom Gesetzgeber in <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/113a.html\">\u00a7 TKG \u00a7 113a<\/a> <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/113.html\" title=\"&sect; 113 TKG: Verbindungstrennung\">TKG \u00a7 113<\/a>A Absatz I\u2013<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/113.html\" title=\"&sect; 113 TKG: Verbindungstrennung\">TKG \u00a7 113<\/a>A Absatz VIII TKG vorgesehenen Umfang unter den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden nicht von vornherein unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig. F\u00fcr ihre verfassungsrechtliche Unbedenklichkeit ist allerdings Voraussetzung, dass die Ausgestaltung der Speicherung und der Verwendung der Daten dem besonderen Gewicht einer solchen Speicherung angemessen Rechnung tr\u00e4gt.\u201c<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Verfassungswidrigkeit der konkreten Ausgestaltung der betreffenden Regelungen bedeutet selbstverst\u00e4ndlich nicht, dass grunds\u00e4tzlich keine Daten gespeichert werden d\u00fcrften:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201e<em>Die Ausgestaltung einer vorsorglichen Telekommunikationsverkehrsdatenspeicherung, wie sie in <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/113a.html\">\u00a7 TKG \u00a7 113a TKG<\/a> vorgesehen ist, unterliegt besonderen verfassungsrechtlichen Anforderungen insbesondere hinsichtlich der Datensicherheit, des Umfangs der Datenverwendung, der Transparenz und des Rechtsschutzes. Nur wenn diesbez\u00fcglich hinreichend anspruchsvolle und normenklare Regelungen getroffen sind, ist der in einer solchen Speicherung liegende Eingriff verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig im engeren Sinne.\u201c<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Siehe hierzu insbesondere auch die <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/entscheidungen\/rs20100302_1bvr025608.html\" target=\"_blank\">abweichenden Meinungen<\/a> der beteiligten Verfassungsrichter Schluckebier und Eichberger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dies vorweg kann nur der Wunsch, im Internet einen (urheber-) rechtsfreien Raum zu schaffen, Vater des Gedanken sein, auch die Providerauskunft nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/101.html\" title=\"&sect; 101 UrhG: Anspruch auf Auskunft\">\u00a7 101 Abs.1<\/a> bis <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/4.html\" title=\"&sect; 4 UrhG: Sammelwerke und Datenbankwerke\">4<\/a> und <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/9.html\" title=\"&sect; 9 UrhG: Urheber verbundener Werke\">9 UrhG<\/a> sei verfassungswidrig und die Daten nicht verwertbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dem hat das OLG K\u00f6ln folgerichtig auch in seiner neusten Entscheidung <a href=\"http:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/koeln\/j2010\/6_W_79_10beschluss20100721.html\" target=\"_blank\">(Beschluss v. 21.07.10, Az.: 6 W 79\/10)<\/a> eine klare Absage erteilt:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>\u201eFehl geht die Beschwerde aber, soweit sie annimmt, aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 02.03.2010 (a.a.O.) ergebe sich, dass der Zugriff auf die Telekommunikationsdaten des Beschwerdef\u00fchrers im Streitfall unzul\u00e4ssig gewesen sei. Rechtsgrundlage der Provider-Auskunft \u00fcber seine Identit\u00e4t waren nicht die vom Bundesverfassungsgericht f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rten <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/113a.html\">\u00a7\u00a7 113a<\/a> und <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/113b.html\">113b TKG<\/a> sowie (teilweise) <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StPO\/100g.html\" title=\"&sect; 100g StPO: Erhebung von Verkehrsdaten\">\u00a7 100g StPO<\/a>, sondern &#8211; wie im angefochtenen Beschluss zutreffend n\u00e4her ausgef\u00fchrt &#8211; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/101.html\" title=\"&sect; 101 UrhG: Anspruch auf Auskunft\">\u00a7 101 Abs. 1 bis 4 und 9 UrhG<\/a>, wonach Internet-Service-Provider und \u00e4hnliche Dienstleister bei offensichtlicher Verletzung eines nach dem UrhG gesch\u00fctzten Rechtes in gewerblichem Ausma\u00df zur Auskunft \u00fcber den Nutzer ihrer Dienstleistung zu geben haben und dazu nach richterlicher Anordnung auch Verkehrsdaten verwenden d\u00fcrfen. Grunds\u00e4tzliche verfassungsrechtliche Bedenken gegen eine derartige Regelung bestehen nicht (Senat, Beschl. vom 13.04.2010 &#8211; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20W%2028\/10\" title=\"6 W 28\/10 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">6 W 28\/10<\/a>), wie sich bereits aus den auf Ausk\u00fcnfte der Diensteanbieter gegen\u00fcber Nachrichtendiensten, Straf- und Ordnungsbeh\u00f6rden bezogenen Gr\u00fcnden des vorgenannten Urteils ergibt, wonach in einem Rechtsstaat auch das Internet keinen rechtsfreien Raum bilden darf und die M\u00f6glichkeit der individuellen Zuordnung von Internetkontakten bei Rechtsverletzungen von einigem Gewicht ein legitimes Anliegen des Gesetzgebers ist (a. a. O., Rn. 260). Eines dringenden Verdachts schwerer Straftaten bedarf es insoweit nicht; auch unabh\u00e4ngig vom konkreten Verdacht einer vors\u00e4tzlichen Straftat nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/106.html\" title=\"&sect; 106 UrhG: Unerlaubte Verwertung urheberrechtlich gesch&uuml;tzter Werke\">\u00a7\u00a7 106 ff. UrhG<\/a> gen\u00fcgt es, dass die Auskunft wegen einer offensichtlichen Rechtsverletzungen in gewerblichem Ausma\u00df begehrt wird (vgl. zu diesem der Richtlinie 2004\/48\/EG, Erw\u00e4gungsgrund 14, entlehnten Merkmal auch des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/101.html\" title=\"&sect; 101 UrhG: Anspruch auf Auskunft\">\u00a7 101 Abs. 2 UrhG<\/a> <a href=\"https:\/\/dejure.org\/Drucksachen\/Bundestag\/BT-Drucks.%2016\/5048#Seite=65\" title=\"Bundestagsdrucksache zu: Gesetz zur Verbesserung der Durchsetzung von Rechten des geistigen Eig...\">BT-Drucks. 16\/5048 S. 65<\/a>; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/Drucksachen\/Bundestag\/BT-Drucks.%2016\/8783#Seite=50\" title=\"Bundestagsdrucksache zu: Gesetz zur Verbesserung der Durchsetzung von Rechten des geistigen Eig...\">BT-Drucks. 16\/8783 S. 50<\/a>; BT-Plenarprot. 16\/155 S. 16318 C, 16320 A, 16321 B; Senat, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=GRUR-RR%202009,%209\" title=\"OLG K&ouml;ln, 21.10.2008 - 6 Wx 2\/08: Gewerbliches Ausma&szlig; von Urheberrechtsverletzungen\">GRUR-RR 2009, 9<\/a> &#8211; Ganz anders; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=MMR%202009,%20334\" title=\"OLG K&ouml;ln, 09.02.2009 - 6 W 182\/08: Begriff des gewerblichen Ausma&szlig;es einer Urheberrechtsverletz...\">MMR 2009, 334<\/a> &#8211; Die sch\u00f6ne M\u00fcllerin; OLG Schleswig, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=GRUR-RR%202010,%20239\" title=\"OLG Schleswig, 05.02.2010 - 6 W 26\/09: Begriff der Rechtsverletzung gewerblichen Ausma&szlig;es i.S. ...\">GRUR-RR 2010, 239<\/a> f.; OLG Hamburg, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=NJOZ%202010,%201222\" title=\"OLG Hamburg, 17.02.2010 - 5 U 60\/09: Internet-Musiktauschb&ouml;rse: Datenverwendung durch unterblie...\">NJOZ 2010, 1222<\/a> [1223]).\u201c<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>(be)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht selten wird die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 02.03.2010 (BVerfG, 1 BvR 256\/08, 2.3.2010) zur Vorratsdatenspeicherung als letztes Mittel herangezogen, um sich aus der Verantwortung zu stehlen,\u00a0 nachdem \u201eerfolgreich\u201c auf Tauschb\u00f6rsen urheberrechtlich gesch\u00fctztes Material \u201egetauscht\u201c wurde. 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