{"id":16360,"date":"2013-01-18T07:53:44","date_gmt":"2013-01-18T06:53:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=16360"},"modified":"2024-06-12T20:01:04","modified_gmt":"2024-06-12T18:01:04","slug":"verlag-stolpert-uber-zitate-landgericht-braunschweig-untersagt-verkauf-von-loriot-biografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/verlag-stolpert-uber-zitate-landgericht-braunschweig-untersagt-verkauf-von-loriot-biografie\/","title":{"rendered":"Verlag stolpert \u00fcber Zitate: Landgericht Braunschweig untersagt Verkauf von Loriot-Biografie"},"content":{"rendered":"<p><!--:de--><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/verlag-stolpert-uber-zitate-landgericht-braunschweig-untersagt-verkauf-von-loriot-biografie\/attachment\/loriot\/\" rel=\"attachment wp-att-16364\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-16364\" title=\"Es saugt und bl\u00e4st der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann!\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/loriot.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/loriot.jpg 150w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/loriot-44x44.jpg 44w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/loriot-90x90.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Das Landgericht Braunschweig hat am 16.01.2013 durch Urteil entschieden, dass eine im M\u00fcnchener Riva Verlag erschienene Biografie \u00fcber Vicco von B\u00fclow \u2013 besser bekannt als Loriot \u2013 in ihrer bisherigen Form nicht weiter verkauft werden darf (Urteil v. 16.01.2013, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=9%20O%201144\/12\" title=\"LG Braunschweig, 16.01.2013 - 9 O 1144\/12: Urheberrechtliche Anspr&uuml;che bzgl. eines Buches mit &Auml;...\">9 O 1144\/12<\/a>).<\/p>\n<p>Gegen den Verlag geklagt hatte eine Tochter des vor zwei Jahren verstorbenen K\u00fcnstlers, welche sich auf das von ihr ererbte Urheberrecht berief. Der konkrete Vorwurf war, dass der Verfasser der Biografie \u2013 ein gewisser Dieter Lohenbrett \u2013 ohne ihre Einwilligung zahlreiche Zitate von Loriot verwendet habe.<\/p>\n<p>Die Anzahl der strittigen Zitate belief sich auf insgesamt 68. Dabei handelte es sich einerseits um Textpassagen aus Loriots Werken, zum Teil aber auch um Interviews, welche Loriot verschiedenen Pressemedien gegeben hatte. In 35 dieser F\u00e4lle kam das Gericht zu dem Schluss, dass ein Urheberrechtsversto\u00df gegeben sei, weil ein schutzf\u00e4higes Zitat vorliege, dessen Verwendung weder durch das Zitatrecht nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/51.html\" title=\"&sect; 51 UrhG: Zitate\">\u00a7 51 UrhG<\/a> noch durch die Kunstfreiheit nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/5.html\" title=\"Art. 5 GG\">Art. 5 Abs. 3<\/a> Grundgesetz gerechtfertigt sei. In den \u00fcbrigen 33 F\u00e4llen wies es die Vorw\u00fcrfe der Erbin hingegen zur\u00fcck, weil es nach Auffassung des Gerichts entweder bereits an der Schutzf\u00e4higkeit des Zitats mangelte oder den Anforderungen des Zitatrechts nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/51.html\" title=\"&sect; 51 UrhG: Zitate\">\u00a7 51 UrhG<\/a> gen\u00fcgt wurde.<\/p>\n<p>Diese Entscheidung verdeutlicht sehr anschaulich, dass bei der Verwendung von Zitaten stets gr\u00f6\u00dfte Vorsicht geboten ist. Denn das Zitatrecht nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/51.html\" title=\"&sect; 51 UrhG: Zitate\">\u00a7 51 UrhG<\/a> erlaubt \u2013 entgegen einer weit verbreiteten Fehleinsch\u00e4tzung \u2013 die \u00dcbernahme von Textstellen nicht bereits dann, wenn man diese f\u00fcr sch\u00f6n, lustig oder weise h\u00e4lt, sondern nur in dem Fall, dass sich der Verwender selbst\u00a0 geistig mit der \u00fcbernommenen Textstelle auseinandersetzt. Dieses Gebot gilt unabh\u00e4ngig davon, ob man nun seitenweise abschreibt (sog. Gro\u00dfzitat), wie es ohnehin nur in wissenschaftlichen Abhandlungen erlaubt ist, oder ob man lediglich einzelne S\u00e4tze \u00fcbernimmt (sog. Kleinzitat). Setzt man sich nicht geistig mit der \u00fcbernommenen Textstelle auseinander, muss man stets den Urheberrechtsinhaber um Erlaubnis fragen. Sonst kann man auf Unterlassung und Schadensersatz in Anspruch genommen werden. Entsprechende Anspr\u00fcche bestehen zwar nur, wenn die \u00fcbernommene Textstelle selbst als pers\u00f6nliche, geistige Sch\u00f6pfung der Urhebers zu werten ist, jedoch wird diese Schwelle von deutschen Gerichten bewusst niedrig angesetzt.<\/p>\n<p>Der sorgf\u00e4ltige Umgang mit dem Zitatrecht ist im \u00dcbrigen nicht nur f\u00fcr Autoren von Relevanz. Gerade Internetseiten, auf denen Waren und Dienste angeboten werden, schm\u00fccken sich in zunehmendem Ma\u00dfe mit ausgesuchten Zitaten, um den potentiellen Kunden Weltl\u00e4ufigkeit, Geschmack oder Lebensfreude zu suggerieren. Verzichten diese Seitenbetreiber auf jegliche inhaltliche Auseinandersetzung mit dem verwendeten Zitat, riskieren sie schnell eine \u2013 im Zweifel berechtigte \u2013 Abmahnung. (ab)<\/p>\n<p>(Bild:\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Boulevard-der-stars-IMG_1465x.JPG&amp;filetimestamp=20110920224241\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Boulevard-der-stars<\/a> von\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Boulevard-der-stars-IMG_1465x.JPG&amp;filetimestamp=20110920224241\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thomas Schmidt (netAction)<\/a> unter <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC-BY-SA<\/a>)<!--:--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Landgericht Braunschweig hat am 16.01.2013 durch Urteil entschieden, dass eine im M\u00fcnchener Riva Verlag erschienene Biografie \u00fcber Vicco von B\u00fclow \u2013 besser bekannt als Loriot \u2013 in ihrer bisherigen Form nicht weiter verkauft werden darf (Urteil v. 16.01.2013, Az. 9 O 1144\/12). 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