{"id":1502,"date":"2010-08-08T19:11:50","date_gmt":"2010-08-08T17:11:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr-blog\/?p=1502"},"modified":"2010-08-08T19:11:50","modified_gmt":"2010-08-08T17:11:50","slug":"amerikas-milliardenspender-contra-das-deutsche-gesellschaftliche-gleichheitspostulat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/amerikas-milliardenspender-contra-das-deutsche-gesellschaftliche-gleichheitspostulat\/","title":{"rendered":"Amerikas Milliardenspender contra das deutsche gesellschaftliche Gleichheitspostulat?"},"content":{"rendered":"

Nachdem bekannt wurde, dass zahlreiche amerikanische Milliard\u00e4re vorhaben, gro\u00dfe Teile ihres Verm\u00f6gens an wohlt\u00e4tige Zwecke zu spenden, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch kritische Stimmen dazu melden w\u00fcrden. Da man normalerweise die Schnelligkeit deutschen Hobby-Kritikertums gew\u00f6hnt ist, hat es verwundert, dass dieser Spiegel Beitrag<\/a> vom 07.08.2010 ganze 3 Tage auf sich warten lie\u00df. Das liegt wohl auch darin begr\u00fcndet, dass selbst der gr\u00f6\u00dfte N\u00f6rgler auf die Schnelle nichts Schlechtes daran finden kann, dass Menschen den Gro\u00dfteil ihres Verm\u00f6gens weggeben wollen.<\/p>\n

Henrik M\u00fcller vom Spiegel<\/a> machte seinem deutschen Namen dann aber doch alle Ehre und fand etwas. Die Spenden der Superreichen seien “Ablasshandel im gro\u00dfen Stil”. Grob vereinfacht lautet seine These, dass wohl etwas falsch laufen muss, wenn Menschen \u00fcberhaupt erst so unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig reich werden k\u00f6nnen und und dann nicht auf dem von der Gesellschaft daf\u00fcr vorgesehenen unternehmerischen Weg in Gestalt von Investition und Arbeitspl\u00e4tzen zur\u00fcckgeben, sondern durch reichliche Spenden. Daher sei die seiner Meinung nach zu Unrecht frenetisch gefeierte Spendenaktion kein Vorbild f\u00fcr Deutschland.<\/p>\n

Abgesehen davon, dass man dem Artikel anmerkt, wie sehr der Autor mit sich gek\u00e4mpft hat, um der Spendenaktion \u00fcberhaupt etwas Schlechtes abringen zu k\u00f6nnen und dieser sich dadurch merkw\u00fcrdig zwanghaft und moralinsauer liest, wird daran meines Erachtens ein grundlegendes Missverst\u00e4ndndis der Deutschen, jedenfalls aber des Autors klar. Die Formulierung kommt verschwurbelt und unscheinbar daher, aber sie hat es in sich. Herr M\u00fcller meint, dass Deutschland in einem Konflikt zwischen gesellschaftlichem Gleichheitspostulat und der \u00f6konomisch unvermeidbaren Ungleichheit stehe, der traditionell mit der Selbstverpflichtung der Unternehmer zur Reinvestition in dem Heimatstandort gel\u00f6st werde.<\/p>\n

Auf den ersten Blick mag dieser Satz\u00a0 stimmen. Herr M\u00fcller legt aber dem Begriff “Gleichheit” in der Gesamtschau mit seinem Artikel eine Bedeutung bei, die er in einer freien Marktwirtschaft, wie in den USA aber auch in einer sozialen Marktwirtschaft, wie in Deutschland nicht zukommt. Denn das “Gleichheitspostulat” soll selbstverst\u00e4ndlich allen Menschen nur die gleichen Voraussetzungen <\/strong>in ihrem Streben nach Gl\u00fcck innerhalb der Gesellschaft, also Chancengleicheit gew\u00e4hren. In einem Sozialstaat geh\u00f6rt dazu zwar auch die Gew\u00e4hrleistung eines Mindeststandards f\u00fcr diejeinigen, die selbst nicht in der Lage sind, ihre Existenz zu sichern. In Deutschland scheint man aber offenbar der Meinung zu sein, dass Gleichheit dar\u00fcber hinaus bedeutet, dass alle Menschen auch alle gleich sein <\/strong>m\u00fcssen. Die Ausf\u00fchrungen im Spiegel suggerieren sogar, dass die Pflicht zum Gleichsein auch und bezogen auf das Thema\u00a0 “Superreiche” vor allem “nach unten” gilt. Man soll sich folglich nicht vorranging bem\u00fchen, den \u00c4rmeren ebenfalls “Reichtum” zu verschaffen, um Gleichheit herzustellen, sondern man kann ruhig auch den Reichen den Besitz streitig machen, falls dies n\u00f6tig ist. Nach dem Motto, es darf keinem schlechter, aber auch bittesch\u00f6n keinem besser gehen. Und wenn es jemandem besser geht, als anderen soll er jedenfalls nicht gro\u00dfz\u00fcgig, “hedonistisch” spenden und sich noch gut und sogar besser,<\/p>\n

\n

“als es in der Funktion als Unternehmer, Manager, Investor oder Konsument m\u00f6glich ist”<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n

dabei f\u00fchlen d\u00fcrfen. Auch wenn der Autor sich beeilt, zu best\u00e4tigen, dass “das vollkommen in Ordnung” sei, mahnt der Rest und vor allem die Einleitung seines Artikels dennoch unterschwellig zu einem schlechten Gewissen.<\/p>\n

Die gef\u00fchlte Unanst\u00e4ndigkeit von gro\u00dfem Reichtum ist wahrscheinlich auch der Grund daf\u00fcr, dass Superreiche in Deutschland aus Sicherheitsgr\u00fcnden sogar die \u00d6ffentlichkeit meiden m\u00fcssen, wie das bei Aldigr\u00fcnder Theo Albrecht<\/a> der Fall war. Viel lieber ist den Deutschen da anscheindend die staatlich verordnete\u00a0 Umverteilung des Verm\u00f6gens wie zum Beispiel durch die Reichensteuer<\/a>. Der “Spender” darf sich nicht gut f\u00fchlen, da die Leistung nicht freiwillig erfolgt. Der Beg\u00fcnstigte muss sich nicht dankbar zeigen, er hat ja\u00a0 – abgesehen davon, dass er wegen der Diffusit\u00e4t der Verteilung oft gar nicht individuell zu ermitteln ist – ein Anrecht auf die “Spende”.<\/p>\n

Bei allem Neid und aller Missgunst, die jeden Menschen ergreifen k\u00f6nnen, glaube ich nicht, dass die Mehrheit der Deutschen der Meinung ist, dass Reiche nicht ohne schlechtes Gewissen abgeben d\u00fcrfen. Wenn doch, dann w\u00e4re allerdings die Bewertung von Herrn M\u00fcller leider richtig:<\/p>\n

“Tu Gutes und rede dar\u00fcber”. Ein fataler Irrweg – und kein Vorbild f\u00fcr Deutschland.<\/em><\/p><\/blockquote>\n

(la)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Nachdem bekannt wurde, dass zahlreiche amerikanische Milliard\u00e4re vorhaben, gro\u00dfe Teile ihres Verm\u00f6gens an wohlt\u00e4tige Zwecke zu spenden, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch kritische Stimmen dazu melden w\u00fcrden. Da man normalerweise die Schnelligkeit deutschen Hobby-Kritikertums gew\u00f6hnt ist, hat es verwundert, dass dieser Spiegel Beitrag vom 07.08.2010 ganze 3 Tage auf sich […]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[1,3382],"tags":[],"class_list":["post-1502","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-magazin","category-kurioses-und-interessantes"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1502"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1502\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}