{"id":12470,"date":"2012-05-23T07:31:38","date_gmt":"2012-05-23T05:31:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=12470"},"modified":"2017-06-17T23:34:54","modified_gmt":"2017-06-17T22:34:54","slug":"lg-dusseldorf-lieferung-von-fehlmengen-kann-abgemahnt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/lg-dusseldorf-lieferung-von-fehlmengen-kann-abgemahnt-werden\/","title":{"rendered":"LG D\u00fcsseldorf: Lieferung von Fehlmengen kann abgemahnt werden"},"content":{"rendered":"<p><!--:de--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-left alignleft\" style=\"margin-right: 15px; margin-bottom: 10px;\" title=\"Wer einmal mogelt, dem glaubt man nicht\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/mogel.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Das Landgericht D\u00fcsseldorf hat mit Beschluss vom 26.4.2012, Aktenzeichen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=12%20O%20154\/12\" title=\"LG D&uuml;sseldorf, 26.04.2012 - 12 O 154\/12: Einstweiliger Rechtschutz bzgl. eines wettbewerbsrecht...\">12 O 154\/12<\/a> in einem einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahren per Beschluss und daher ohne schriftliche Begr\u00fcndung einem Onlineh\u00e4ndler bei Meidung von Ordnungsmitteln untersagt, Verpackungsmaterial, insbesondere Verpackungschips zum Kauf nach Volumen anzubieten und diese Volumenangabe bei der tats\u00e4chlichen Auslieferung zu unterschreiten.<\/p>\n<h3><strong>Was war passiert?<\/strong><\/h3>\n<p>Nach einem Testkauf auf der eBay-Plattform stellte sich heraus, dass der H\u00e4ndler seinen Kunden in der Artikelbeschreibung zwar einen Sack Verpackungschips mit einem Volumen von 500 l anbot, daraufhin aber lediglich etwas mehr als 430 l lieferte.<\/p>\n<p>Letzteres stellte sich nach einem Gutachten, das durch den T\u00dcV Deutschland angefertigt und in dem drei unterschiedliche Sch\u00fcttungen des Materials durchgef\u00fchrt wurden wurde, heraus.<\/p>\n<h3><strong>Schechtlieferung = Wettbewerbsversto\u00df<\/strong><\/h3>\n<p>Das Landgericht D\u00fcsseldorf wollte den Verf\u00fcgungsantrag zun\u00e4chst mit dem Hinweis auf die Rechtsprechung des BGH aus dem Jahr 1983 (BGH, Urt. von 21.04.1983 &#8211; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2030\/81\" title=\"BGH, 21.04.1983 - I ZR 30\/81: Ausschank unter Eichstrich I\">I ZR 30\/81<\/a> \u2013 Eichstrich) nicht erlassen, dass nicht jede Schlechtlieferung auch gleichzeitig einen Wettbewerbsversto\u00df darstelle.<\/p>\n<p>Wir waren jedoch mit K\u00f6hler (in K\u00f6hler\/Bornkamm, UWG, 30. Auflage 2012, \u00a7 2, Rn. 74) der Meinung, dass die \u00dcberlegungen in der vom Gericht in Bezug genommene Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs \u201eAusschank unter Eichstrich\u201c aus den 80er-Jahren vor dem Hintergrund der an die Vorgaben der <a href=\"http:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CFEQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Feur-lex.europa.eu%2FLexUriServ%2FLexUriServ.do%3Furi%3DOJ%3AL%3A2005%3A149%3A0022%3A0022%3ADE%3APDF&amp;ei=Khe1T_G_IuHj4QSPiNC7Dg&amp;usg=AFQjCNFCFABq4EvT4QQtfNWG1YoVZS7MfQ&amp;sig2=vgGNHX4ATcbSDF7CjM1YDQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">UGP-Richtlinie<\/a> angepassten novellierten Vorschriften im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb nicht mehr auf den aktuellen Fall anwendbar seien.<\/p>\n<p>Danach ist es nicht mehr erforderlich\u2013 und dies ist der wesentliche Unterschied zum bisherigen Recht \u2013, dass Handlungen des Unternehmers bei und nach Vertragsschluss zugleich auf eine F\u00f6rderung des Absatzes oder Bezugs gerichtet sein m\u00fcssen. Das UWG regelt daher nicht mehr nur das eigentliche Marktverhalten im Wettbewerb, sondern auch das Verhalten gegen\u00fcber Vertragspartnern. Sein Anwendungsbereich wird dadurch wesentlich erweitert. Es beschr\u00e4nkt sich nicht mehr auf ein \u201eWettbewerbsrecht\u201c, sondern hat sich zu einem Lauterkeitsrecht in Bezug auf das Verhalten bei Abschluss und die Durchf\u00fchrung von Vertr\u00e4gen weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Unser entsprechender Nachtrag konnte das Landgericht D\u00fcsseldorf offenbar \u00fcberzeugen. Die zust\u00e4ndige Kammer erlie\u00df das Verbot n\u00e4mlich dann doch.<\/p>\n<h3><strong>Was bedeutet das f\u00fcr H\u00e4ndler?<\/strong><\/h3>\n<p>F\u00fcr die H\u00e4ndler bedeutet die neue Rechtslage eine erhebliche Versch\u00e4rfung ihrer Haftung. W\u00e4hrend sie fr\u00fcher lediglich von unzufriedenen Kunden auf R\u00fcckabwicklung bzw. Schadensersatz in Anspruch genommen werden konnten, stehen nun auch Wettbewerbern M\u00f6glichkeiten offen, nicht vertragsgem\u00e4\u00dfes Verhalten gegen\u00fcber den Kunden aus Wettbewerbsrecht zu sanktionieren.<\/p>\n<p>Zu beachten ist jedoch nach wie vor die Sp\u00fcrbarkeitsschwelle des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/3.html\" title=\"&sect; 3 UWG: Verbot unlauterer gesch&auml;ftlicher Handlungen\">\u00a7 3 UWG<\/a>. Lediglich marginale Abweichungen in der Lieferung werden damit auch nach neuer Rechtslage nicht wettbewerbswidrig sein.<\/p>\n<h3><strong>Orientierung an den F\u00fcllmengenvorgaben der FertigPackV<\/strong><\/h3>\n<p>Unseres Erachtens wird man sich diesbez\u00fcglich unter anderem\u00a0 an den Vorschriften der Verordnung \u00fcber Fertigpackungen (Fertigpackungsverordnung) orientieren k\u00f6nnen, die in den \u00a7\u00a7 22 ff. die Zul\u00e4ssigkeit bestimmter F\u00fcllmengenabweichungen regelt. danach d\u00fcrfen die F\u00fcllmengen von den Herstellern um bestimmte Prozents\u00e4tze unterschritten werden, wenn sichergestellt ist dass diese im Durchschnitt die angegebenen F\u00fcllmenge erreichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Verbraucher wird durch diese Regelung sichergestellt, dass er, in den beschriebenen zugelassenen Schwankungen, tats\u00e4chlich die bezahlte Menge erh\u00e4lt, ohne dies selbst kontrollieren und im Zweifelsfall Klage vor einem Gericht erheben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Produzent entsteht durch die Zul\u00e4ssigkeit geringer Abweichungen nach unten bei einzelnen Verpackungen (wenn die Durchschnittsmenge in allen Verpackungen nicht nach unten abweicht) ein Instrument, die eigene Fertigung zu optimieren, d.h. die durchschnittliche F\u00fcllmenge eines Produktes m\u00f6glichst nah an die deklarierte Nennf\u00fcllmenge zu bringen &#8211; den Abf\u00fcllprozess zu optimieren. Andernfalls m\u00fcsste er im Durchschnitt eine h\u00f6here Menge einf\u00fcllen, um sicherzustellen, dass keine Verpackung die angegebene F\u00fcllmenge unterschreitet.<\/p>\n<p>Nach \u00a7 22 Abs. 3 FertigPackV betragen die zul\u00e4ssigen Minusabweichungen:<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<thead>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">Nennf\u00fcllmenge QN<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"2\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">Zul\u00e4ssige Minusabweichung<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">in g oder ml<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">in % von QN<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">in g oder ml<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">5 bis 50<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">&#8211;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">50 bis 100<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">&#8211;<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">4,5<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">100 bis 200<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">4,5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">&#8211;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">200 bis 300<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">&#8211;<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">9<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">300 bis 500<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">&#8211;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">500 bis 1.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">&#8211;<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">15<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">1.000 bis 10.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">1,5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<p align=\"center\">&#8211;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Gehen die Abweichungen jedoch, wie im vorliegenden Fall in einen dar\u00fcber hinausgehenden Bereich (hier 12,3- 14 %), d\u00fcrfte auch sp\u00e4testens die Sp\u00fcrbarkeitsschwelle des Paragraphen drei UWG \u00fcberschritten und das entsprechende Verhalten wettbewerbswidrig sein. (la)<\/p>\n<p>(Bild: \u00a9 THesIMPLIFY &#8211; Fotolia.com)<!--:--><!--:en--><\/p>\n<p><!--:--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Landgericht D\u00fcsseldorf hat mit Beschluss vom 26.4.2012, Aktenzeichen 12 O 154\/12 in einem einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahren per Beschluss und daher ohne schriftliche Begr\u00fcndung einem Onlineh\u00e4ndler bei Meidung von Ordnungsmitteln untersagt, Verpackungsmaterial, insbesondere Verpackungschips zum Kauf nach Volumen anzubieten und diese Volumenangabe bei der tats\u00e4chlichen Auslieferung zu unterschreiten. Was war passiert? 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