{"id":121,"date":"2007-03-06T17:58:00","date_gmt":"2007-03-06T15:58:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/wordpress\/?p=121"},"modified":"2017-03-12T21:26:23","modified_gmt":"2017-03-12T20:26:23","slug":"bgh-folgt-der-caroline-rechtsprechung-des-egmr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/bgh-folgt-der-caroline-rechtsprechung-des-egmr\/","title":{"rendered":"BGH folgt der Caroline-Rechtsprechung des EGMR"},"content":{"rendered":"<div>Welch ein Aufschrei ging durch den Bl\u00e4tterwald, als der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (<a href=\"http:\/\/www.echr.coe.int\/ECHR\/\">EGMR<\/a>) 2004 die von der deutschen Rechtsprechung aufgestellten Kriterien zur Bildberichterstatung \u00fcber Prominente <a href=\"http:\/\/www.echr.coe.int\/Eng\/Press\/2004\/June\/ChamberjudgmentVonHannover240604.htm#_ftn1\">als unzul\u00e4nglich einstufte<\/a>. Das Ende der Pressefreiheit schien besiegelt, weil \u00fcber die Ferien der Reichen und Sch\u00f6nen nun scheinbar nicht mehr berichtet werden durfte. Bisher war es n\u00e4mlich so, dass die so genannten &#8220;absoluten Personen der Zeitgeschichte&#8221; &#8211; also die Superber\u00fchmten &#8211; zum Abschuss durch Paparazzi freigegeben waren.<\/div>\n<p>Der Bundesgerichtshof (BGH) hat diese Rechtsprechung heute <a href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=pm&amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;Datum=2007&amp;nr=39089&amp;pos=0&amp;anz=34\">pr\u00e4zisiert<\/a> (Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%2013\/06\" title=\"BGH, 06.03.2007 - VI ZR 13\/06: Caroline von Monaco - Zum abgestuften Schutzkonzept der &sect;&sect; 22, 2...\">VI ZR 13\/06<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=14\/06\" title=\"14\/06 (4 zugeordnete Entscheidungen)\">14\/06<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=50\/06\" title=\"50\/06 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">50\/06<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=51\/06\" title=\"51\/06 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">51\/06<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=52\/06\" title=\"52\/06 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">52\/06<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=53\/06\" title=\"OLG Frankfurt, 26.04.2006 - 6 W 52\/06: Rechtsanwaltskosten: Erstattungsf&auml;higkeit der Reisekoste...\">53\/06<\/a>) und ist dem EGMR ein St\u00fcck entgegen gekommen. Das ist interessant, weil bisher umstritten ist, ob deutsche Gerichte direkt an die Rechtsprechung des EGMR gebunden sind.<\/p>\n<div>Kl\u00e4ger waren mal wieder Prinzessin Caroline und Prinz Ernst August von Hannover, die sich gegen die Abbildung ihrer Urlaubsfotos in den lustigen Wartezimmerzeitschriften wehrten:<\/div>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\"><em>&#8220;Im Rahmen dieser Interessenabw\u00e4gung kann unter Ber\u00fccksichtigung des Urteils des EGMR vom 24. Juni 2004 f\u00fcr den Informationsanspruch der \u00d6ffentlichkeit auch bei den so genannten absoluten Personen der Zeitgeschichte der Informationswert der Berichterstattung nicht au\u00dfer Betracht bleiben. Der erkennende Senat hat schon mehrfach ausgesprochen, dass der Schutz der Pers\u00f6nlichkeit des Betroffenen umso schwerer wiegt, je geringer der Informationswert f\u00fcr die Allgemeinheit ist.<\/em><\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Das muss im Grundsatz auch f\u00fcr Personen mit hohem Bekanntheitsgrad gelten, so dass es auch hier eine Rolle spielt, ob die Berichterstattung zu einer Debatte mit einem Sachgehalt beitr\u00e4gt, der \u00fcber die Befriedigung blo\u00dfer Neugier hinausgeht.&#8221;<br \/>\n<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><em><\/em><\/p>\n<p align=\"justify\">Im vorliegenden Fall gab der BGH der Intimit\u00e4t den Vorrang vor der Neugierde, jedenfalls was die Urlaubsfotos anging. Die Berichterstattung (auch im Bild) \u00fcber die Erkrankung von F\u00fcrst Rainier erachtete er dagegen als zul\u00e4ssig, weil hier das Informationsinteresse \u00fcberwiege. Es wird also &#8211; wie meistens im Pers\u00f6nlichkeitsrecht &#8211; auch in Zukunft stets eine Abw\u00e4gung zwischen den Interessen des Einzelnen und dem Informationsinteresse der Allgemeinheit geben.<\/p>\n<div>Bei aller Schelte und Bef\u00fcrchtungen zur Einschr\u00e4nkung der Pressefreiheit sollte nicht vergessen werden, dass es sich bei dem Schutz der Privatssph\u00e4re um ein <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/MRK\/8.html\">Menschenrecht<\/a> handelt, das der EGMR zu Recht gew\u00fcrdigt hat.<\/div>\n<div><span style=\"font-size:85%\">RA David Ziegelmayer<\/span><\/div>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;Art=pm&amp;Datum=2007&amp;nr=39089&amp;pos=0&amp;anz=34\">PM des BGH<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welch ein Aufschrei ging durch den Bl\u00e4tterwald, als der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) 2004 die von der deutschen Rechtsprechung aufgestellten Kriterien zur Bildberichterstatung \u00fcber Prominente als unzul\u00e4nglich einstufte. 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