P2P-Abmahnungen und der Abschreckungseffekt – unlogisch?

Von Arno Lampmann, 24. Mai 2012

Der Streit ums Urheberrecht treibt mittlerweile seltsame Blüten.

Rechtsanwalt Clemens Rasch, behauptet in einem Artikel vom 21.5.2012 auf SPON, dass die u.a. von seiner Kanzlei ausgehenden Massenabmahnungen eine generalpräventive Wirkung entfalteten, die in Deutschland stärker sei als in den meisten anderen europäischen Ländern. Deshalb sei die Zahl der illegalen Downloads in Großbritannien auch 40-mal so hoch wie in Deutschland.

Abmahngegner, wie zum Beispiel der Kollege Stadler halten diese Schlussfolgerung für eine Milchmädchenrechnung. Denn der Pro-Kopf-Umsatz den die Musikindustrie erziele, sei in Großbritannien deutlich höher als in Deutschland. Wenn es tatsächlich stimme, so Stadler, dass das Filesharing der Musikindustrie Milliardenverluste beschere und gleichzeitig in Großbritannien 40-mal so viel Filesharing betrieben werde wie in Deutschland, stelle man sich zwangsläufig die Frage nach dem logischen Bruch in der Argumentation von Rasch und der Musikindustrie. Come again?

Man kann sicherlich darüber streiten, ob die mitgeteilten Tatsachen alle so stimmen, einen logischen Bruch enthält die Aussage von Herrn Rasch aber jedenfalls nicht.

Stellen wir die Frage doch einfach mal, indem wir „Musikindustrie“ , „Filesharing“ und „Abmahnungen“ mit den politisch weniger brisanten Begriffen „Lebensmitteleinzelhandel“ , „Ladendiebstahl“ (ja, ja, Filesharing ist eigentlich kein Diebstahl, weil das geht ja nur mit Sachen, aber tun wir mal so) und „Ladendetektive“ ersetzen.

Dann würden die Ausführungen von Herrn Stadler vereinfacht wie folgt lauten:

Der Vertreter der größten Ladendetektivfirma in Deutschland ist der Meinung, dass sich seine Tätigkeit in Deutschland abschreckend auf Ladendiebe auswirke. Er schließt dies daraus, dass die Anzahl der Ladendiebstähle in Großbritannien 40-mal höher sei,  als in Deutschland. Ob diese Schlussfolgerung streng wissenschaftlich zulässig ist, soll dabei einmal dahingestellt bleiben. Grundsätzlich nachvollziehbar ist sie aber: Mehr Ladendetektive = weniger Ladendiebstähle.

Das „entlarvende“ Gegenargument soll nun sein „Denn der Pro-Kopf-Umsatz den der Lebensmitteleinzelhandel erzielt, ist in Großbritannien deutlich höher als in Deutschland. Wenn es tatsächlich stimmt, dass Ladendiebstähle dem Lebensmitteleinzelhandel Milliardenverluste bescheren und gleichzeitig in Großbritannien 40-mal so viele Ladendiebstähle begangen werden wie in Deutschland, stellt man sich zwangsläufig die Frage nach dem logischen Bruch in der Argumentation des Lebensmitteleinzelhandels.“

Mit anderen Worten: In Großbritannien wird pro Kopf mehr für Lebensmittel ausgegeben. Gleichzeitig wird aber auch 40-mal so viel geklaut als in Deutschland.

Wer mir erklären kann, warum das die Theorie der abschreckende Wirkung  der „Ladenüberwachung“ in Deutschland widerlegen soll, gewinnt eine kostenlose Beratung bezüglich eines rechtswidrig öffentlich zugänglich gemachten Liedes mit modifizierter Unterlassungserklärung ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. (la)

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Diskussion zu diesem Artikel:

4 Kommentare

  1. Stadler

    Soll ich Ihnen jetzt den logischen Bruch in Ihrer Argumentation erklären?

    Er liegt im Verhältnis von legaler und illegaler Nutzung oder in ihrem schönen Vergleichsbeispiel im Verhältnis von gekauften und geklauten Waren.

    Wenn man – wie die Musikindustrie – davon ausgeht, dass die Zahl der „Raubkopien“ die der legal erworbenen Kopien von Musik übersteigt, dann wird dies kaum dem Verhältnis von geklauten und gekauften Waren entsprechen.

    Andernfalls würde man in England nämlich mehr als 40-mal soviele Lebensmittel konsumieren wie in Deutschland.

    Aber auch ohne dieses Vergleichsbeispiel beinhaltet Ihre Ausssage die These, dass in Großbritannien einfach mehr als 40-mal soviel Musik konsumiert wird wie in Deutschland. Halten Sie diese Annahme für realistisch?

    Ganz ehrlich: Auch hier hatte das Milchmädchen seine Hände im Spiel. 😉

    • Arno Lampmann

      Arno Lampmann

      Ihre Aussage mag stimmen. Mit der Aussage Raschs und meinem Vergleich hat das aber nichts zu tun.

      Das Milchmädchen bringen Sie ins Spiel:

      „Er (der logische Bruch) liegt im Verhältnis von legaler und illegaler Nutzung oder in ihrem schönen Vergleichsbeispiel im Verhältnis von gekauften und geklauten Waren.“

      Von einem Verhältnis zwischen beiden sprach ursprünglich gar keiner, schon gar nicht davon, wie dies in Großbritannien aussehen könnte. Nur von der Annahme, dass in GB mehr illegal downloadet wird, weil dort weniger abgemahnt wird. Sie haben diese Variable einfach heimlich in die Gleichung eingebaut 😉

      Daher stimmt auch das nicht:

      „Aber auch ohne dieses Vergleichsbeispiel beinhaltet Ihre Aussage die These, dass in Großbritannien einfach mehr als 40-mal soviel Musik konsumiert wird wie in Deutschland.“

      Die These (die ich nicht überprüft habe) lautet, dass in GB 40-mal mehr illegal herunter geladen wird, als in Deutschland. Nicht mehr und nicht weniger.

      Sie machen hier genau das, was Sie zum Beispiel in Ihrem aktuellen Blogbeitrag den Vertretern der „Urheberrechtskampagne“ vorwerfen: Sie führen Ablenkungsdiskussionen, um die Glaubwürdigkeit der Vertreter der Gegenansicht in Zweifel zu ziehen.

  2. ich

    ohne seltsame relationen bemühen zu müssen:

    eine raubmordvergewaltigungskopie ist immer werbung für den künstler, die bei gefallen in vielen fällen zu einem kauf führt.
    in gb wird vielleicht 40x mehr heruntergeladen, dafür wird aber auch pro kopf mehr gekauft, was die werbetheorie eindrucksvoll bestätigt und die „die kultur wird sterben“-ausrufe widerlegt.

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