Der Unterzeichner ist auch der Unterfertigte

Von Arno Lampmann, 14. August 2007

Es ist ja schon schlimm genug, wenn Anwälte in ihren Schreiben von sich selbst als „dem Unterzeichner“ faseln. Toppen kann man das aber noch mit dem „Unterfertigten“, der hier dies und das empfehlen wird.

Es gibt dann noch den „Linksunterfertigten“ oder den „Rechtsunterfertigten“. „Ich“ heißt die Spezies indes fast nie. Übrigens ist der „Unterfertigte“ meist auch der „Unterzeichner“. Dass aber mit dem „Unterfertigten“ dennoch etwas nicht stimmt, kann man hier nachlesen.

Warum das Thema? Sommerloch.

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Diskussion zu diesem Artikel:

6 Kommentare

  1. Raymond Cruise

    Es ist schön zu sehen, dass sich ein Rechtsanwalt über eine vermeintlich juristische, letztlich aber lediglich gestelzte und antiquierte Ausdrucksweise Gedanken macht. Der untere Fertige dieses Textes wäre jedenfalls dankbar, wenn der/die „Unterfertigte“, oder eigentlich der/die „Unterfertigende“ – soll ja erst noch passieren -,verschwinden würden.

  2. hasenfurz

    Von wegen Sommerloch! Wir bekommen einen Brief von unserem Rechtsanwalt. Darin teilt er uns mit, das die Kanzlei von/bis geschlossen ist und der Unterfertigte weder telefonisch, per Fax oder Email erreichbar ist. Sowas muss man auch als Akademiker googeln. Jetzt wundere ich mich sehr, wie jemand meint reden zu müssen, um teure Rechnungen schreiben zu können.

  3. RA Irgendwer

    Unterfertiger ist Ersteller und Unterzeichner; RA ist Organ, nicht Ich und Du. Sprache ist das Präzisionswerkzeug unserer Zunft, insoweit ist sie zu pflegen; Missverständnisse sind zu vermeiden.

  4. MaxMütze

    …aber was nun „unterfertigen“ ist, habe ich immer noch nicht geschnallt…..ich bin unten fertig….oder wie oder was??Grübel…….

  5. normalmensch

    Ich fürchte RA Irgendwer hat nicht verstanden warum es geht:
    Bei jeder Verständigung gilt es stets Klarheit und Präzision auszubalancieren und sich dem Sprachvermögen des Empfängers so weit wie möglich anzupassen. Je nach Kontext ist hierbei Klarheit wichtiger als Präzision.
    Wenn es im Kontext der Nachricht lediglich um die Information geht, dass man nicht erreichbar sei, es also unerheblich ist, wer den Text verfasst oder unterzeichnet hat, so ist ein einfaches ‚ich‘ dem ‚der Unterfertiger‘ vorzuziehen, selbst in einer Kanzlei.
    Ich gehe auch nicht an den Eisstand und sage äußerst Präzise: „Der 59 jährige grauhaarige männliche Mitbürger, der von der Theke getrennt 1,27m vor Ihnen steht, bietet Ihnen einen mündlich verabredeten Kaufvertrag über ein teilgefrorenes Lebensmittel, dass Saccharose und pürierte Sammelnussfrüchte der Fragaria × ananassa enthält, an.“
    Nein, ich sage einfach „ich möchte bitte ein Erdbeereis“ und werde auf Anhieb und richtig verstanden und DARAUF kommt es an.
    Ein Rechtsanwalt (Wissenschaftler, Politiker, Künstler, Sommelier, … ), der sich nicht die Mühe gibt, sich kontextbezogen auch um Klarheit seiner Sprache zu bemühen muss sich nicht wundern, wenn seine Adressaten ihn als arrogant empfinden.

  6. Dr. Mareen Högner

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich eben den Begriff „Unterfertigter“ gegoogelt habe. Als Zahnärztin war mir dieser Begriff eben keiner, und konnte ihn bislang nur in den Schreiben meines Anwaltes lesen, der mich in meiner Scheidung begleitet.
    Vielen Dank, ich habe in Ihrer Gruppe nun endlich die Bedeutung erfahren und mich auch über die Erklärung von „normalmensch“ köstlich amüsieren dürfen.
    Bitte weiter so und Ihnen allen noch einen schönen Abend, m*

 

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